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Venedig – die Lagunenstadt

geschrieben von Rainer Neumann (2015)
Sollte man im Juli und im August überhaupt nach Venedig reisen? In der Hochsaison? Am Abflugtag (30.07.2015) erscheint das Magazin „Der Stern“ mit der Titelgeschichte: „Venedig – die bedrohte Schönheit“. Bedrohen Menschenmassen die Stadt? Oder Kreuzfahrtriesen?

1. Tag Donnerstag

Alte Handwerkskunst
Der letzte Gutenberg von Venedig

Ankunft im Flughafen von Venedig. 20 Minuten aufs Gepäck warten und dann mit Gepäck (sechs Fußminuten) zum Bootsanleger. Dieses Mal geht es mit einem Alingua-Boot direkt in die Nähe der Unterkunft. 40 Minuten dauert die Fahrt mit dem Schiff (16 Euro pro Person). Alternative: Mit dem Bus vom Flughafen bis zur Pizzale Roma und dann mit dem Vaporetto weiter. Diese Wassertaxen verkehren häufig. Die Einzelfahrt kostet 7,50 Euro. Besser: Eine 24-, 48- oder 72-Stunden-Karte kaufen.

Jetzt: Auf zu dem Chef vom Palazzo Cà Zanardi. Unterkunft antik. Morgen gehen wir mit ihm zu seiner Galerie. Im Rahmen der Biennale gibt es Ausstellungen, Installationen, Performances. Sehr nett von diesem kunstsinnigen Venezianer. Seine Frau und er haben den alten Palazzo mit zeitgenössischer Kunst ausgestattet.

Kurz nach Ankunft geht es auch zu Gianni Basso, dem letzten Drucker in Venedig. Im Gepäck Peter Jägers Roman „Eddie will leben“ (ein Buchdruckerei-Schicksal) und der Lyrik-Band von Andreas Greve “Dichter am Abgrund“. Passt auch irgendwie zu Venedig. Schöne Lyrik, Aphorismen und Gedanken.

Gianni Basso hat sich sehr gefreut. Im Dezember waren wir schon einmal bei ihm in der einzigartigen Druckwerkstatt und nun hat er noch ein kleines privates Museum eröffnet: alte Druckmaschinen, Handpressen, alte Klischees. Er nennt sich der "letzte Gutenberg von Venedig" und ist wohl tatsächlich einer der letzten Buchdrucker. Er hat kein Internet, keine E-Mail, aber ein altes Tastentelefon. Seine Kunden sind international, seine Visitenkarten sind "Kunstwerke". Gianni Basso hat das Buchdruckhandwerk bei den Mönchen gelernt ... und in seinem Sohn sieht er einen Nachfolger. Seine Kunden kommen aus ganz Europa, den USA usw. Er ist ein Italiener wie er im Buche steht: temperamentvoll, impulsiv und bei seinem Handwerk voller Konzentration.

Später noch Besuch einer Serigraphie-Werkstatt und einen Blick in die Ausstellung von Sebastio Salgado am Markusplatz. Morgen geht’s dann auf die Mönchsinsel der Armenier und zu den Biennale-Pavillons. In Cannaregio ist alles ruhig, die großen Touristenströme sind an der Rialto-Brücke. Es ist sehr warm ... morgen wieder um 30 Grad.

2. Tag Freitag

Frühmorgens am Rialto Markt

Am frühen morgen (vor dem Frühstück) geht es zum Rialto-Markt. Am besten um 07.00 Uhr. Keine Gruppen, keine große Bewegung. Der Standaufbau beginnt. Die alte Fischhalle füllt sich mit Leben. Die ersten Cafés öffnen ihre Pforten. Ein Espresso im Stehen und ein Cornetti. Kleines italienisches Frühstück. Da, wo Commissario Brunetti auch immer seinen Espresso nimmt. Die Möwen sind auch schon wach. Sie warten mit lautem Getöse auf den frühen Fisch. Boote machen fest; Warenanlieferung. Eine besondere Morgenstimmung. Sonne satt, aber noch erträglich.

Neues Leben wächst aus den Ruinen? Auf einer Brücke in Cannaregio entdecke ich eine Pflanze und die botanische Neugier wächst. Was tun? Ich frage per E-Mail an den fröhlichen und kompetenten Extrem-Botaniker Jürgen Feder (“viel Fachwissen“) nach dieser Pflanze und prompt kommt eine Antwort: An der Mauer, das ist das Mauer-Glaskraut (Parietaria judaica). Die Römer brachten es mit an den Rhein! Von Freiburg bis Duisburg alles voll. Frostempfindlich ... In Bonn im Januar in Blüte ....! Auch in Bremen drei Stellen um Kirchen, wohl mitgebracht im 18./19. Jahrhundert von Küster und Co. Dolle Art, Düsseldorf und Köln an Rheinmauern übersät. Verträgt Schatten. Glaskraut wegen Zweigbrüchigkeit und den etwas blutleeren, besser grünleeren Stängeln und Blattstielen ... Liebe Grüße J. Feder

Dann: Inselbesuch auf San Lazzaro degli Armeni. Nur einmal am Tag gibt es einen Eintritt zum Kloster der Armenier. Dieser Ausflug (Anreise mit dem Vaporetto) lohnt sich. Eine englischsprachige Führung durch die Klosterwelt. Früher war es ein Krankenhaus für Leprakranke. 

3. Tag Samstag

Madonna dell Orto Cannaregio
Büchertreppe am Kanal – aus alten Büchern

… in der Madonna dell Orto. Im Kreuzgang eine besondere Ausstellung der britischen Bildhauerin Emily Young: "call und reponse", fantastische „Gesichter“... Steinarten aus der ganzen Welt. Die Künstlerin arbeitet in der Toskana. Wir wussten nichts davon und wurden von dieser sehenswerten Ausstellung wirklich überrascht. Der Eintritt ist frei. Auch das gibt es in Venedig. 3 Euro Eintritt für die wunderbare „Madonna dell Orto“ ist eine gut angelegte Investition. Wer sich für den Maler Tintoretto interessiert: bitte schön.

Es gibt sie noch: Die kleinen Fachgeschäfte, aber sie werden weniger. Immer einen Besuch wert ist das Geschäft von Alberto Valese (Campo S. Stefano). Papierkunst vom Feinsten. Dieser kunstsinnige Venezianer verkauft Briefpapier, Geschenkpapier, Briefkarten – handmade und kreiert. Keine China-Ware, die leider Venedig überschwemmt.

Wer einen besonderen und skurillen Buchladen kennenlernen möchte, dem sei die Libreria Acqua Alta di Frizzo Luigi empfohlen. Stetige Hochwasser haben Spuren hinterlassen. Frizzo Luigi spricht Deutsch – oder besser: Er spricht, glaube ich, alle Sprachen dieser Welt. Seine Buchhandlung, am Kanal gelegen, steht bei Acqua Alta unter Wasser. Realität macht erfinderisch. So er hat eine Gondel in die Buchhandlung gestellt: vollgepackt mit Postkarten, Kalendern, Krimskrams, Kunstbüchern, Reiseführern, kleinen Radierungen – alles schwimmt im Laden. Seine Katzen laufen dazwischen umher; pausieren auf einem Atlas und gucken gutgläubig (gesund & rund) auf die Besucher. Kurios: Er hat eine Büchertreppe am Kanal – aus alten Büchern.

Von der Rialto-Brücke sind es acht Fußminuten dorthin. Zugang am besten über den Campo Santa Maria Formosa. So heißt auch die katholische Kirche, die am Campo steht. Renaissance. 

4. Tag Sonntag

Wer einmal den vielen Gruppen vom Markusplatz „tschüß“ sagen möchte, gerne eine Tipp ... Vom Markusplatz mit dem Vaporetto zur Insel San Giorgio Maggiore. Hier liegen nicht nur die Hausboote der seetüchtigen Venezianer und die der Besucher, sondern auch eine Benediktiner-Abtei und eine Kirche, sogar vom Markusplatz erkennbar. Die Fassade der Basilica wurde übrigens vom berühmten Architekten Palladio (1508-1580) entworfen.

Venedig ist eine Stadt der Geschichten. Meine Empfehlung: Ohne Stadtplan flanieren, sich Zeit und Muße nehmen, sich überraschen zu lassen, sich auch mal verlaufen: Wunderbar für eigene Entdeckungen und Überraschungen.

Reisetipps: Wann und wo?

Meine bevorzugten Reisemonate für die Lagunenstadt sind November und Dezember. Schon mehrmals ausprobiert. Ich hatte meinen Mitreisenden vom „tollen Nebel“ erzählt, vom möglichen Acqua Alta (Hochwasser), von den dunklen Tagen in der Stadt, die natürlich zum morbiden Charme passen. Und dann? Im Dezember: Sonnenschein, alle Tage 15 Grad, wir sitzen mittags auf dem Campo Stefano und freuen uns über die tatsächliche venezianische Winter-Sonne. Wenige Touristen. Nur wir. Soweit der Dezember.

Und im Juli 2015: Heiße 30 Grad, und das alles für die Kunst. Es ist die Biennale, die Kunstmesse. Und: Große Kreuzfahrtschiffe liegen am Anker. Der Markusplatz ist ein Menschengewühl. Von der Rialto-Brücke zum Markusplatz durch die Gassen „nur Menschen“, Gruppen, alle Nationen. Wie ein Entenmarsch. Stilles Venedig? Nix da. Aber es gibt natürlich Geheimtipps.

Mein Tipp: Übernachten im ruhigen Stadtviertel Cannaregio. Da gibt es schöne Unterkünfte, Cafés, Restaurants. Die Kreuzfahrtriesen bleiben mit ihren Großgruppen am Markusplatz. Acht Stunden Venedig. Was soll man da sehen und entdecken? Für Venedig braucht man ZEIT, gutes Schuhwerk, keinen Stadtplan und die Fähigkeit, zu Staunen. Hotel Abbazia, immer noch ein Geheimtipp für Cannaregio: Da übernachten schon seit vielen Jahren die Gäste von Schnieder Reisen. Ein früheres Kloster, ein gutes Mittelklassehotel mit Garten (selten in Venedig).

Wir übernachten dieses Mal im Palazzo Cà Zanardi. Klingt pompös. Ein „Wohnpalast“ aus dem 16. Jahrhundert. Kein üblicher Hotelbetrieb, sondern privat geführt. Keine Klimaanlage und kein TV, kein Lift. Dafür aber Venedig pur. Und viel Gastfreundschaft. Antike Möbel und auch mal eine lose Tapete. Aber mit 500 Jahren auf dem Buckel darf man auch mal wacklig sein. Und ein kunstsinniger Boss. Andrea. Der Preis im Palazzo ist ok. Hotelpreise in Venedig können astronomisch sein. In Venedig ist alles anders. Das Freilichtmuseum lässt sich seine Besonderheit auch bezahlen. Besuch des öffentlichen WCs ab 1.50 Euro! 

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