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Reiseführer Kurische Nehrung

Die teils zu Litauen und teils zu Russland gehörende Halbinsel verzaubert ihre Besucher mit einer wunderbaren Landschaft. Auf einer Länge von 100 Kilometern finden sich scheinbar endlose Ostseestrände, beschauliche Ufer zur Haffseite und verträumte Orte, deren Fischerhäuser noch heute in den traditionellen Farben der Kuren strahlen. Ein idyllisches Fleckchen Erde!

Allgemeines

Die Kurische Nehrung ist ein Reisetraum vieler: Die einzigartige Dünenlandschaft und luftige Kiefernwälder locken mit ihrer fast magischen Atmosphäre, hübsche Fischerdörfer verzaubern mit bunten Holzhäuschen und blumigen Vorgärten. Eigentümliche Orte wie der Hexenberg in Juodkrante oder der Kurenfriedhof in Nida wirken fast ein wenig mystisch. Schon Künstler wie Thomas Mann, Max Pechstein oder Ernst Mollenhauer wussten die inspirierende Atmosphäre der Nehrung zu schätzen. Sie vereint Erholung mit Kultur, Geschichte und Naturerlebnis.

Namensgeber der Kurischen Nehrung sind die Kuren, ein baltisches Volk, das vor allem die Küste bis nach Lettland hinauf siedelte. Die Kuren galten als ein raues Volk, das von und mit dem Meer lebte. Die meisten von ihnen lebten vom Fischfang. Vor allem für ihre Bootsbaufertigkeiten waren sie bekannt. Zeugen ihrer heidnischen Religion kann man noch heute auf dem Friedhof von Nida bewundern – die Kurentafeln, die alten Grabmale der Kuren.

Der litauische Teil der Kurischen Nehrung bietet alles, was ein Urlauberherz begehrt: Feriendomizile, Restaurants und Cafés, Souvenirläden, schöne Strände und interessante Museen. Der russische Teil der Nehrung ist ebenso sehenswert, touristisch jedoch weniger gut erschlossen. Aber auch hier gibt es Hotels und Pensionen, Geschäfte und Restaurants, wunderschöne Strände und einsame Dünen. Seit 2000 gehört die Kurische Nehrung zum UNESCO-Welterbe.

Geografie

Die Kurische Nehrung liegt im Westen des Baltikums. Die Landzunge trennt das Haff von der Ostsee, an ihrem nördlichen Ende, bei Klaipeda, gibt es eine etwa 300 Meter breite Öffnung zum Meer. An der breitesten Stelle misst die Nehrung vier Kilometer, an der schmalsten Stelle sogar nur 400 Meter. Die Kurische Nehrung ist etwa 100 Kilometer lang und wird in der Mitte durch eine EU-Außengrenze geteilt: Ihr nördlicher Teil gehört zu Litauen, der südliche zur Exklave Kaliningrad und damit zu Russland.

Entstanden ist die Nehrung in der letzten Eiszeit. Sie geht hervor aus einigen Endmoränenhügeln, die einzelne Inseln entlang der Küste bildeten. Durch Sandspülungen kam es zu Ablagerungen zwischen diesen Inseln, die somit verbunden und zur Landzunge wurden.

Eine Besonderheit stellt die Große Düne dar: Nach der Dune du Pyla in Arcachon/Frankreich ist die Parniddener Düne bei Nida die zweitgrößte Düne Europas. Allerdings verliert sie an Größe, der Wind trägt den Sand kontinuierlich ins Haff. In den vergangenen 20 Jahren hat sie etwa 15 Meter Höhe eingebüßt.

Die Dünen der Nehrung und ihre Sandmassen waren nach Abholzungsmaßnahmen in früheren Jahrhunderten ständig in Bewegung und begruben bei ihrer Wanderung ganze Ortschaften unter sich. Bepflanzungen im 19. Jahrhundert konnten das Problem größtenteils eindämmen.

Auf der Kurischen Nehrung herrscht ein gemäßigtes Kontinentalklima mit warmen Sommern und kalten Wintern. Die schönste Reisezeit liegt zwischen Mai und September. In den recht kurzen Sommern, zwischen Juni und August, sind die Tage warm, die Sonne kann intensiv vom Himmel brennen. Die Nächte bleiben dämmerig, sie können aber auch im Sommer recht kühl werden.

Natur

Das Gebiet der Kurischen Nehrung umfasst zwei Nationalparks: Auf litauischem Staatsgebiet befindet sich der Nationalpark Kursiu Nerija, der Nationalpark Kurschskaja Kossa liegt auf russischem Territorium. Das Reservat auf litauischer Seite wurde 1991 gegründet, der russische Nationalpark besteht seit 1987. Beide Gebiete stehen seit 2000 auf der UNESCO-Welterbe-Liste.

Naturbegeisterte Urlauber und Aktive finden auf der Kurischen Nehrung eine reizvolle Kulisse vor. Die tiefen Kiefernwälder, die wunderschöne Ostseeküste und die fast geheimnisvoll wirkende Dünenlandschaft bilden ein schönes Territorium für Wanderungen, Radurlaube, zu Erholungszwecken oder auch für einen ruhigen Familien- und Strandurlaub. Dabei ist der russische Teil weniger gut erschlossen, der litauische Teil bietet alles, was ein Urlauberherz begehrt. Dies führt allerdings auch dazu, dass auf der russischen Seite die Natur etwas ursprünglicher ist, die südliche Nehrung ist etwas stärker bewaldet als die nördliche.

Nadelbäume sind dominant auf der Kurischen Nehrung, vor allem Kiefern, aber auch Fichten und Lärchen gedeihen hier. Laubbäume werden besonders von Ahorn, Eichen oder Pappeln repräsentiert.

Die Tierwelt ist sehenswert. Viele hoffen auf das Glück, einen Elch zu Gesicht zu bekommen. Von diesen leben mittlerweile wieder einige auf der Nehrung. Aber auch Wildschweine und Biber können den Weg kreuzen.

Die Kurische Nehrung steht vor allem im Focus bei ornithologisch interessierten Besuchern: Sie gehört neben dem Nemunasdelta (Memeldelta) zu den wichtigsten Stationen des Vogelzugs. In der Herbstsaison ziehen tagtäglich Hunderttausende Vögel über die Nehrung, viele Arten leben und brüten aber auch hier. Die Vielfalt der Vogelwelt ist beachtlich: Finken, Meisen, Sperber, Bussarde, Fischadler, Weihen, Austernfischer, Enten, Schwäne und viele, viele andere Vogelarten können je nach Saison gesichtet werden.

Im russischen Rybatschi (ehemals Rositten) befindet sich eine alte Vogelwarte. Sie wurde bereits 1901 von dem Theologen und Ornithologen Johannes Thienemann gegründet. Von da an wurde der Vogelzug auf der Nehrung beobachtet, Vögel gezählt und beringt. Wer die Vogelwarte besichtigen möchte, sollte sich zur Sicherheit vorher anmelden. Südlich von Rybatschi befindet sich die Vogel-Station Fringilla mit ihren reusenartigen Netzen – mit ihrer Hilfe werden die Vögel gefangen, um sie zu zählen und zu beringen.

Nahe Juodkrante (ehemals Schwarzort) auf litauischer Seite befindet sich eine Brutstätte von Kormoranen und Grauen Reihern. Sie soll die größte und älteste in ganz Europa sein. Fast 600 Paare von Grauen Reihern und 1.300 Paare Großer Kormorane sollen hier im Jahr 2000 gebrütet haben. Auf der dortigen Vogelwarte werden pro Saison mehrere tausend Vögel beringt.

Kultur

Kulturell Interessierte zieht es besonders auf die Nehrung. Viele folgen den Spuren von Thomas Mann. Der deutsche Schriftsteller hatte in Nidden (heute Nida) ein Sommerhaus, in dem er Anfang der 1930er-Jahre wirkte. Ein Teil der Romanreihe „Joseph und seine Brüder“ ist hier entstanden. In dieser Zeit war das damalige Nidden eine Künstlerkolonie: Vor allem deutsche Künstler entdeckten das inspirierende Flair für sich. Neben Thomas Mann verbrachten auch Max Pechstein, Erich Heckel und Ernst Mollenhauer hier ihre Sommer. Der Gasthof Blode war früher der Treffpunkt dieser Künstler. Er befand sich direkt am Haff, im Norden Niddens. Heute befindet sich an dieser Stelle das Hotel Nidos Smilte. Eine Ausstellung erinnert an die Geschichte des alten Künstlertreffs.

Das Thomas-Mann-Haus zählt zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten Nidas. Es vermittelt einen Einblick in die Familiengeschichte der Manns. Jedes Jahr im Juli findet in Nida das Thomas-Mann-Festival statt. Literatur-, aber auch allgemein Kulturinteressierte zieht es dann besonders hierher.

Für ethnografisch Interessierte ist die Geschichte der Bevölkerung eine Erkundung wert. Früher lebten hier die Kuren, die der Nehrung ihren Namen gaben. Sie siedelten entlang der Küste bis hinauf nach Lettland (Kurland). Die baltische Volksgruppe lebte von und mit dem Meer. Für ihre Bootsbaufertigkeiten waren sie weithin bekannt, ihre Kurenkähne ähnelten den Booten der Wikinger. Die Kurenwimpel, die man noch heute an vielen Stellen auf der Kurischen Nehrung entdecken kann, dienten als Kennzeichnung ihrer Fischerboote und gehen zurück auf einen Erlass, mit dem die Fischerei auf dem Haff rechtlichen Regeln unterworfen wurde und eine Kennzeichnung der Boote nach Ortszugehörigkeit nötig wurde.

Die Häuser der Kuren wurden in naturverbundenen Farben gestaltet – so standen braun für die Erde, blau für den Himmel und das Wasser und weiß für die Wolken und die Schaumkronen auf dem Meer. Diese Farbkombinationen greifen auch die heutigen Bewohner der Nehrung noch auf. Viele der (alten) Fischerhäuschen zeigen diese Farbgebung.

Auf dem Friedhof rund um die Kirche von Nida finden sich hölzernen Grabmale, die ebenfalls auf die Kuren zurückgehen. Sie verdeutlichen den heidnischen Glauben der Kuren und verbinden jene Symbolik mit derjenigen des christlichen Glaubens – so wurden sie zur Zeit der Christianisierung vor der Zerstörung bewahrt.

Manch einer reist aber auch auf die Kurische Nehrung, um der deutschen Geschichte bzw. der Geschichte seiner eigenen Familie zu folgen. Die wechselhafte Vergangenheit der Nehrung und des Memellandes birgt für den ein oder anderen Urlauber Kindheitserinnerungen und lässt ihn Spuren seiner Familiengeschichte entdecken. Viele benennen die heute litauischen Orte Nida und Juodkrante noch mit den alten deutschen Namen Nidden und Schwarzort.

Geschichte

Die Besiedelungsgeschichte der Nehrung reicht mehr als 3.000 Jahre zurück. Namensgeber der Nehrung sind die Kuren, ein baltisches Volk, das vor allem an der Küste bis nach Lettland hinauf siedelte.

Im 15. bis 17. Jahrhundert wurden Teile der Nehrung abgeholzt. Wie so häufig hatte auch dieser menschliche Eingriff schwerwiegende Folgen: Die Sandmassen, die vorher durch die Vegetation „befestigt“ waren, setzten sich in Bewegung und begruben ganze Ortschaften unter sich. Manche Orte mussten teils mehrfach umgesiedelt werden, waren sozusagen auf der Flucht. Im 19. Jahrhundert konnte das Problem durch eine gezielte Bepflanzung weitestgehend eindämmt werden.

In früheren Jahrhunderten war die Nehrung ein wichtiger Verkehrsweg zwischen dem Baltikum und Westeuropa. Besonders als alte Poststraße des 18./19. Jahrhunderts ist der Weg über die Nehrung bekannt. Poststationen waren Sarkau, Rossitten, Nidden und Schwarzort.

Im 20. Jahrhundert erlebte die Nehrung eine wechselvolle Zeit. Das Gebiet gehörte zur Region Ostpreußen und damit zu Deutschland. Der Erste Weltkrieg führte zur Teilung der Nehrung. Mit dem Zweiten Weltkrieg fiel das gesamte Gebiet dann unter sowjetische Herrschaft, teilte sich auf in die Russische und die Litauische Sowjetrepublik.

1961 wurden unter dem Namen Neringa die Orte der litauischen Seite der Nehrung zu einer Stadt zusammengefasst. Der Name geht zurück auf die Legende um das schöne Mädchen Neringa, das die Nehrung erschaffen haben soll. Neringa ist gleichzeitig der litauische Name der Landzunge.

Mit der Unabhängigkeit Litauens von der Sowjetunion 1991 gehört der nördliche Teil der Landzunge zum unabhängigen Litauen, der südliche Teil zu Russland (Exklave Kaliningrad). 2004 trat Litauen der EU bei, damit verläuft seither eine EU-Außengrenze quer über die Nehrung. Seit 2000 gehört die Kurische Nehrung zum UNESCO-Welterbe.

Bevölkerung

Litauen hat heute etwa 3 Millionen Einwohner. In den letzten Jahren kam es vor allem in den jüngeren Bevölkerungsschichten verstärkt zu Abwanderungen: Unmittelbar nach Erlangung der Unabhängigkeit wurden noch 3,7 Millionen Einwohner gezählt.

Mehr als 80 Prozent der Einwohner sind ethnisch betrachtet Litauer. Daneben leben etwa zu gleichen Teilen (5 bis 6 Prozent) Polen und Russen in dem Land, außerdem Weißrussen (1 Prozent) und Ukrainer. Auf der nördlichen Nehrung ist die litauische Bevölkerung ebenfalls in der deutlichen Mehrheit, aber auch hier lebt eine russische Minderheit.

In der Exklave Kaliningrad leben ungefähr 950.000 Menschen, von denen mehr als 80 Prozent ethnische Russen sind. Zudem leben hier jeweils etwa 4 Prozent Ukrainer und Weißrussen, außerdem Litauer (1 Prozent), Armenier sowie eine kleine deutsche Minderheit. Die hier lebenden sogenannten Russlanddeutschen sind meist Rückkehrer aus anderen Teilen der ehemaligen Sowjetstaaten, die dorthin vertrieben wurden.

Relegion

Etwa 80 Prozent der Litauer ist römisch-katholisch, außerdem gibt es Anhänger des russisch-orthodoxen Glaubens – vor allem unter der russischstämmigen Bevölkerung. Auch gibt es einen kleinen Teil evangelisch-lutherische, jüdische und islamische Gläubige. In Russland bzw. dem Oblast Kaliningrad ist hingegen die russisch-orthodoxe Kirche dominant.

Auf der litauischer Seite der Kurischen Nehrung gibt es entgegen dem Landes-Trend zwei evangelisch-lutherische Kirchen. Sie befinden sich in Nida und Juodkrante. Seit Kurzem gibt es in Nida aber auch eine katholische Kirche. Die evangelisch-lutherische Religionsausübung ist auf der Kurischen Nehrung lange verankert. Auch die heute russisch-orthodoxe Kirche in Rybatschi (Oblast Kaliningrad/Russland) war ehemals evangelisch.

Die Kuren, die alte baltische Volksgruppe, welche die gesamte Kurische Nehrung besiedelte, waren ursprünglich heidnisch. Die entsprechende Symbolik, oft Motive aus der Natur, lässt sich ganz wunderbar auf den alten Grabkreuzen der Kuren auf dem Friedhof Nidas entdecken. Kröten, Schlangen, Vögel oder Blumen wurden hier mit christlichen Motiven kombiniert.


Reiseziele

Die Kurische Nehrung ist durch eine EU-Außengrenze geteilt: Der nördliche Teil gehört zu Litauen, der südliche zu Russland. Beleibte Reiseziele auf litauischer Seite sind die Fischerorte Nida (Nidden) und Juodkrante (Schwarzort). Auf russischer Seite, die touristisch noch weniger erschlossen ist, warten Orte wie Rybatschi (Rossitten) mit der 1901 gegründeten Vogelwarte oder Selenogradsk am „Fuße“ der Nehrung, der ehemals mondäne Badeort Cranz. Der beidseitig der Grenze liegende Nationalpark lockt zudem mit der wunderschönen Natur und Spuren der wechselvollen (Siedlungs-)Geschichte.

Klaipeda/Smiltyne (Litauen)

Wer auf die Kurische Nehrung möchte, reist vielleicht per Fähre über Klaipeda an – so lohnt es sich, die litauische Hafenstadt an dieser Stelle vorzustellen. Zumal einer ihrer Stadtteile, Smiltyne, auf der Nehrung liegt.

Unter den Sowjets war Klaipeda militärisches Sperrgebiet, eine sogenannte „geschlossene Stadt“. Heute hat sie sich herausgeputzt, begegnet ihren Besuchern offen und erwartet sie mit einem freundlichen Erscheinungsbild.

In Klaipeda befindet sich der einzigen Hafen Litauens. Damit ist sie Eingangstor für viele Touristen und wichtiges Handelszentrum. Es gibt Passagier-Fährverbindungen von Kiel nach Litauen, außerdem von Dänemark und Schweden. Klaipeda ist ein idealer Ausgangspunkt für Entdeckungen im Memelland oder auf der Kurischen Nehrung.

Wer sich den Festland-Teil Klaipedas einmal genauer anschauen möchte, kann einen Stadtrundgang am Simon-Dach-Brunnen beginnen. Hier befindet sich die Skulptur des anmutigen Ännchens, das er einst besungen hat  – heute Wahrzeichen Klaipedas. Auch das Theater befindet sich an dem Platz. Es wurde 1857 erbaut, aber schon früher war der Ort Schauplatz für Theaterstücke. Hier tummeln sich außerdem viele Souvenirhändler. Wer auf der Suche nach Bernstein, Schmuck und Handwerkskunst ist, wird bestimmt fündig.

Einen Katzensprung entfernt befindet das Historische Museum von Kleinlitauen. Es bereitet die Geschichte der Region auf. Die vielen Museen Klaipedas sind überhaupt gut geeignet für ein Schlechtwetter-Programm: So kann der Urlauber noch das Uhrenmuseum, das Meeresmuseum in Smiltyne oder das Schmiedemuseum besuchen.

Die Ruine der Memelburg und das Burgmuseum gehören ebenfalls auf die Programm-Liste. Von der mächtigen Burg ist allerdings nicht mehr viel übrig geblieben. Jedes Jahr im Juni finden hier die internationalen Burg-Jazz-Festspiele statt.

Für Auflockerung bei einem Stadtrundgang sorgen ungewöhnlichen Skulpturen, die man vielerorts antrifft: Der Schornsteinfeger, der Geldkrug, der Altstadtwächter in Form eines Hundes, oder der Drache an der Wand der Galerie Peda sind hübsch anzusehen. Und auch die Markthallen sind einen Besuch wert. Hier können Wurstwaren, Gemüse, Brot, Käse und Blumen erworben werden. Für viele Touristen gehört ein Besuch von Markthallen zum Pflichtprogramm, da man hier doch gut das alltägliche Leben der Stadtbewohner beobachten kann. In einem der vielen Cafés oder Restaurants Klaipedas kann man bestens für eine Pause einkehren.

Von Klaipeda aus verkehrt eine Fähre nach Smiltyne (früher Sandkrug), dem Stadtteil, der auf der Kurischen Nehrung liegt. Es gibt eine Fußgängerfähre und eine, die auch Autos transportiert. Smiltyne ist nicht groß und für viele Urlauber nur der Fähranleger auf der Nehrungs-Seite. Für die Einwohner Klaipedas ist Smiltyne ihre Badewanne: Der Ort hat einen schönen Strand, der im Sommer viele Badegäste anzieht. Sehenswert ist auch die Burg Kopgalis aus dem 19. Jahrhundert. Sie beherbergt heute das Meeresmuseum mit Delfinarium und einem großen Aquarium. Auch Robben, Schildkröten und Pinguine sind zu sehen: Gerade mit Kindern ein beliebter und interessanter Ausflugsort. Außerdem bietet die Burg einen guten Ausblick auf Klaipeda. Für ethnografisch Interessierte wartet ein altes Fischergehöft darauf, einen Eindruck vom Leben der Nehrungs-Fischer zu vermitteln.

Neringa (Litauen)

1961 wurden unter dem Namen Neringa die Orte der litauischen Seite der Kurischen Nehrung zu einer Stadt zusammengefasst. Der Name geht zurück auf die Legende um das schöne Mädchen Neringa, das die Nehrung erschaffen haben soll. Neringa ist gleichzeitig der litauische Name der Landzunge. Zu der Gemeinde Neringa zählen die Orte Juodkrante, Pervalka & Preila sowie Nida.

Juodkrante (Litauen)

Die umliegende Bewaldung hat Juodkrante (früher Schwarzort) davor geschützt, der Dünenwanderung zum Opfer zu fallen. Juodkrante ist der älteste Ort auf der Nehrung. Im Laufe der Geschichte wurde er mehrfach verlegt, da die Wanderdünen ihn weiter trieben. Der alte, deutsche Name Schwarzort geht vermutlich darauf zurück, dass der dichte, dunkle Wald den Fischern auf dem Haff als Orientierung diente.

Bunte Fischerhäuschen und schmucke Holzvillen prägen heute das Bild des Fischerdorfes. Die neu gestaltete Promenade lädt zum Flanieren am Haff ein. Im angrenzenden Park werden Skulpturen litauischer Künstler ausgestellt. Auch der Hexenberg (Raganu kalnas) von Juodkrante ist einen Besuch wert. Man wird auf einem Rundweg in die litauische Märchenwelt entführt: 82 hölzerne Figuren verkörpern Sagen- und Märchengestalten und machen den Spaziergang zu einem zauberhaften Erlebnis.

Die kleine Backstein-Kirche wurde Ende des 19. Jahrhunderts gebaut, nachdem ihre Vorgängerin aus dem 18. Jahrhundert einem Brand zum Opfer fiel. Heute finden in der Kirche, nachdem sie nach 1945 zweckentfremdet und als Speicher genutzt  wurde, wieder Gottesdienste statt, auch in deutscher Sprache.

Im 19. Jahrhundert hatte Juodkrante eine kurze Blütezeit in der Bernsteingewinnung, damals wurden hier große Vorkommen entdeckt. Diese waren allerdings nach nur wenigen Jahrzehnten erschöpft. Im gleichen Jahrhundert entwickelte sich auch der erste Tourismus in dem Ort, Einwohner des damaligen Memels und andere Besucher kamen als Badetouristen her. Die Zeit der Bernsteingewinnung und des aufkommenden Tourismus führte zu einem Bauboom, der Schwarzort ein hübsches Villenviertel bescherte.

In Juodkrante gibt es eine Vogelwarte, die allerdings nur saisonal, dem Vogelzug entsprechend, besetzt ist. Südlich des Ortes findet sich eine große Brutstätte von Kormoranen und Grauen Reihern. Wer baden möchte, muss einem etwa 1,5
Kilometer langen Wanderweg auf die Ostseeseite der Nehrung folgen.



Pervalka (Litauen)

Nur 40 „ständige Einwohner“ leben hier, damit ist Pervalka (Perwelk) der kleinste Ort auf der Nehrung. Er entstand im 19. Jahrhundert durch den Zuzug von Bewohnern anderer Nehrungsdörfer (vor allem aus Nagliai, früher Neegeln), die vor den Wanderdünen flüchten mussten und sich deshalb in Pervalka ansiedelten. Und dennoch musste der Ort einige Jahre später aufgrund der Wanderdünen erneut verlegt werden.

Das Dorf ist hübsch zurechtgemacht, viele der alten Fischerhäuser dienen in den Sommermonaten als Ferienhäuser bzw. –appartements. Das gastronomische Angebot des ruhigen Ortes beschränkt sich auf ein paar wenige Restaurants.

Preila (Litauen)

Genau wie Pervalka entstand auch Preila (Preil) durch eine Umsiedlung. 1850 ließen sich hier die Bewohner von Nagliai (Neegeln) und Karvaiciai (Karwaiten) nieder, ihre Dörfer waren vom Sand verschüttet worden. Zwischen den Dörfern Pervalka und Preila befindet sich die Karvaiciai-Düne, sie verschüttete einst das gleichnamige Dorf Karvaiciai. Sie befindet sich etwa 1,5 km nördlich von Preila.

Nida (Litauen)

Die ehemalige Künstlerkolonie Nida (früher Nidden) ist der Hauptort der Nehrung. Im Sommer kommen zahlreiche Besucher her und genießen die fast mythische Atmosphäre der Umgebung, die herrliche Dünenlandschaft und den schönen Ostsee-Strand. Trotzdem strahlt der Ort auch dann eine erholsame Ruhe aus.

Nida ist hübsch anzusehen: Bunte Fischerhäuschen, hübsch bepflanzte Gärten, eine neu gestaltete Promenade, die sich wunderbar für Spaziergänge oder Radtouren mit Blick aufs Haff eignet, gemütliche Restaurants und Cafés, die zu deftigem Essen und Kuchen einladen. Hier und da macht ein Schild auf „Rukyta Zuvis“ (geräucherten Fisch) aufmerksam – unbedingt probieren! An unzähligen Marktständen werden Bernsteinschmuck und andere Souvenirs angeboten. Die Infrastruktur ist bestens, dem Urlauber fehlt es an nichts.

Im 20. Jahrhundert entdeckten vor allem deutsche Künstler das damalige Nidden für sich. Erich Heckel, Max Pechstein, Ernst Mollenhauer und Thomas Mann verbrachten hier ihre Sommer. Direkt am Haff, im Norden Niddens, befand sich der Gasthof Blode, der früher der Treffpunkt jener Persönlichkeiten war. Heute steht hier das Hotel Nidos Smilte. Eine Ausstellung erinnert an die Geschichte des alten Künstlertreffs.

Um gleich beim Thema zu bleiben: Das Thomas-Mann-Haus ist wohl eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten Nidas. Von dem so genannten Schwiegermutterberg, auf dem er seine Sommerresidenz erbauen ließ, konnte er den „Italienblick“ über das Haff genießen. Im Thomas-Mann-Haus erhält man einen guten Einblick in die Familiengeschichte der Manns. Interessant zu wissen: Ein Teil der Roman-Reihe „Joseph und seine Brüder“ entstand hier. Jedes Jahr im Juli findet in Nida das Thomas-Mann-Festival statt.

Ganz in der Nähe befindet sich außerdem das Geschichtsmuseum Neringas, das viel über die Geschichte der Nehrung, ihre Einwohner und ihr Leben verrät. Die Bernsteingalerie Mizgiriai präsentiert ihren Besuchern das „baltische Gold“ und seine Geschichte.

Die gotische Backsteinkirche, die evangelische Kirche Nidas, ist ebenfalls sehenswert. Sie wurde 1888 gebaut. Während der Sowjetherrschaft wurde sie – wie viele Kirchen – zweckentfremdet und als Museum genutzt. Manchmal finden hier sogar deutschsprachige Gottesdienste statt. Der Friedhof vermittelt eine leicht mystische Stimmung: Die hölzernen Grabkreuze der Kuren, die meist Symbole aus der Natur zieren und heidnische und christliche Symbolik verbinden, sind hier zu besichtigen.

Interessant anzusehen sind die etwas geheimnisvoll wirkenden Kurenwimpel, die sich an vielen Stellen im Ort präsentieren – frührer markierten die Kuren mit ihnen ihre Boote und damit die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Ort.

Für den Sonnenuntergang lohnt sich ein Spaziergang zur Düne Parnidden. Sie liegt im Süden Nidas und ist die zweitgrößte Düne Europas. Die Aussichtsplattform erlaubt einen herrlichen Blick über die grandiose Dünenlandschaft, auf das Haff und den hübschen Ort Nida. Hier steht auch eine mächtige Sonnenuhr.

Nida kann man bestens zu Fuß oder per Rad erkunden. Entlang der Promenade gibt es hier und da Fahrradverleiher. Neben Fahrrädern sind auch Kinderanhänger und -sitze ausleihbar. Und das Angebot an Unterkünften ist in Nida groß: Von Hotels über Pensionen bis zu Ferienappartements und -häuschen ist fast alles zu bekommen.

Nationalpark Kursiu Nerija (Litauen)

Der Nationalpark Kursiu Nerija auf der litauischen Seite der Nehrung besteht seit der Unabhängigkeit Litauens im Jahr 1991. Es gibt zwei offizielle Besucherzentren: Eines in Nida, im Sommer steht ein weiteres in Smiltyne zur Verfügung. In Klaipeda, Nida und Juodkrante gibt es außerdem allgemeine Touristeninformationszentren.

Der Zugang zum Park ist nur gegen Gebühr erlaubt. Bei Anreise von Norden kommend wird bei Alksnyne Eintritt erhoben. Etwa 30 der auf der Nehrung gedeihenden Pflanzenarten stehen auf der Roten Liste Litauens. Typischen Baumarten gehören zu den Nadelbäumen, vor allem Kiefern wachsen hier, aber auch Fichten, Tannen, Wacholder und Lärchen. Laubbäume wie Eichen oder Eschen sind hingegen relativ selten und besiedeln nur etwa 20 Prozent der Fläche.

Im 15. bis 17. Jahrhundert wurden Teile der Nehrung abgeholzt. Dies hatte weitreichende Folgen: Die Sandmassen, die vorher durch die Vegetation vor Verwehungen geschützt waren, setzten sich in Bewegung und begruben ganze Ortschaften unter Sand. Die Orte mussten, teils mehrfach, umgesiedelt werden. Bepflanzungen im 19. Jahrhundert konnten das Problem eindämmen.

Auf einem gerade neu überarbeiteten Radweg können Aktive den Nationalpark Kursiu Nerija auch per Fahrrad entdecken. Der 52 Kilometer lange Weg verbindet Nida mit Preila, Pervalka, Juodkrante und Smiltyne. Da es kaum Steigungen gibt ist die Route auch mit Kindern sowie von Menschen mit wenig Kondition machbar. Aber unbedingt an Sonnenschutz denken: Im Sommer sollte man die nicht beschatteten Etappen nicht unterschätzen!

Südlich von Nida gibt es einen 1,8 Kilometer langen Erkundungspfad, auf dem Kinder und Erwachsene die Natur der Nehrung erforschen können. Auf den acht verschiedenen Orientierungspfaden zwischen Nida und Juodkrante kann man dabei gleichzeitig seine Sinne schulen. Sie sind zu Fuß, joggend oder per Rad nutzbar, zwei davon sind auch gut für Familien mit Kindern geeignet. Auch Kanu- oder Segeltrips sind im Nationalpark möglich, sie erlauben einen herrlichen Blick auf die Dünen vom Wasser aus. Und natürlich steht die Vogel-Beobachtung gerade bei ornithologisch interessierten Urlaubern ganz oben auf der Liste.

Selenogradsk (Kaliningrader Gebiet)

Selenogradsk (früher Cranz) hat etwa 13.000 Einwohner und war in schon in vergangenen Zeiten ein beliebtes Reiseziel. Es war der bedeutendste und mondänste Badeort der Küste Ostpreußens und durch eine Bahnverbindung seit 1885 an Königsberg angeschlossen.

Von der glanzvollen Zeit des alten Cranz ist nicht mehr viel übrig geblieben, es verlor an Bedeutung, Gebäude verfielen. Doch wer diesen etwas maroden Charme mag, der wird sich hier wohlfühlen. Man kann auf Spurensuche gehen und wird auch hier und da noch an das mondäne Cranz erinnert.

Der heutige Tourismus in Selenogradsk steckt noch in den Kinderschuhen. Doch in den letzten Jahren entstanden hier immer mehr Ferienhäuser: Selenogradsk ist für die wohlhabenden Bürger des Oblast Kaliningrad ein beliebter Ferienort. Außerdem gibt es hier Ferienlager für russische Jugendliche.

Die Küste von Selenogradsk weist im Gegensatz zum Großteil der nördlichen Samland-Küste keine Steilufer auf, sodass hier ein direkter Strand-Zugang möglich ist.

Lesnoje (Kaliningrader Gebiet)

Die Besiedelungsgeschichte von Lesnoje (früher Sarkau) reicht bis in das 15. Jahrhundert zurück, als sich in der Nähe der heutigen Dorfstelle erste Fischer, die Kuren, ansiedelten. Vorerst war der Ort vor den Wanderdünen geschützt, dennoch musste er im Laufe der Geschichte wegen der Sandverwehungen zweimal umgesiedelt werden. Flugsand zerstörte zudem die Felder, die zur Landwirtschaft genutzt wurden.

Lesnoje, das alte Sarkau, befindet sich etwa an der schmalsten Stelle der Nehrung, hier misst sie nur 400 Meter Breite. Lesnoje liegt damit gleichzeitig an der Haff- wie auch an der Ostsee-Küste. Die Gegend ist daher besonders von Sturmfluten bedroht. Überflutungen haben in der Vergangenheit schon dazu geführt, dass die Stelle unpassierbar wurde. 1983 wurde die Kurische Nehrung bei einem Orkan durchbrochen. In mühevoller Arbeit musste die „Bruchstelle“ neu aufgeschüttet und stabilisiert werden.

Interessant ist die Historie der alten Kirche von Lesnoje. Sie wurde als Backstein-Kirche Anfang des 20. Jahrhunderts fertiggestellt, seitdem aber so sehr verändert, dass sie kaum noch nach einer Kirche aussieht – und auch nicht mehr als solche genutzt wird. Der Turm fehlt, das Dach wurde verändert, der Bau wird anderweitig genutzt.

Nördlich von Lesnoje befindet sich in einem ehemaligen sowjetischen Gästehaus das Nehrungsmuseum. Es vermittelt interessante Informationen zur Ökologie der Kurischen Nehrung, ihren Dörfern und ihrer Geschichte.

Rybatschi (Kaliningrader Gebiet)

Rybatschi (früher Rossitten) hat eine recht lange Besiedlungsgeschichte. Etwa im 14. Jahrhundert gab es hier eine Burg, später ein Ordenshaus mit angeschlossenem Gestüt, einer Burgkapelle und einer Ziegelei. In der Nähe befand sich eine Siedlung. Aufgrund des guten Bodens wurde bei Rossitten Landwirtschaft betrieben, es lebten aber auch schon damals Fischer hier.

Zwar haben die Wanderdünen Rossitten nicht so arg bedroht wie andere Nehrungsdörfer, aber auch hier musste der Sand nach den Abholzungsmaßnahmen befestigt werden. Der Düneninspektor Wilhelm Franz Epha  erlangte im 19. Jahrhundert Berühmtheit durch seinen recht erfolgreichen Kampf gegen die wandernden Sandmassen. Etwa zu jener Zeit entwickelte sich auch der erste Tourismus in Rossitten.

Vielen wird der kleine Ort Rybatschi aufgrund seiner Vogelwarte bekannt sein – Johannes Thienemann, eigentlich Theologe, gründete hier 1901 die erste ornithologische Station Deutschlands. Er beobachtete Vögel, beringte sie und ergründete so den Vogelzug der Nehrung. Er studierte an der Königsberger Albertina Zoologie und wurde dort 1910 Professor. Thienemann starb 1938 in Rossitten und wurde auch hier beerdigt. Auf dem alten Friedhof von Rossitten finden sich noch heute die Grabsteine von Johannes Thienemann und dem Düneninspektor Wilhelm Franz Epha.

Noch heute werden auf der Vogelwarte Vögel beobachtet und beringt. Die Station befindet sich nicht mehr an ursprünglicher Stelle, sondern ist nun im ehemaligen Gästehaus des Kurhauses untergebracht. Besucher sind willkommen. Gleiches gilt für die Feldstation Fringilla (lateinischer Name für Buchfink) südlich von Rybatschi, wo Reusen und Netze auf Vögel warten. Die Feldstation wurde 1957 eingerichtet.

Interessant ist auch die Besichtigung der alten Kirche von Rybatschi. Die Backsteinkirche wurde während der Sowjet-Zeit in ein Lager für Fischernetze umfunktioniert. Seit den 1990er-Jahren dient sie als russisch-orthodoxe Kirche.

Nahe der Siedlung von Rybatschi befindet sich der Aussichtspunkt „Müllers Höhe“. Oberforstmeister Müller war ebenfalls an der Bepflanzung der Wanderdünen beteiligt. Von einem Aussichtsturm hat man einen schönen Blick auf die Umgebung.

Morskoje (Kaliningrader Gebiet)

Morskoje (früher Pillkoppen) ist der nördlichste Ort der russischen Seite der Kurischen Nehrung. Es ist vermutlich das ursprünglichste aller Nehrungsdörfer und lohnt daher einen Ausflug.

Pillkoppen musste im Laufe der Geschichte mehrere Rückschläge einstecken: Nicht nur die Pest machte dem Ort und seinen Bewohnern im 17. Jahrhundert das Leben schwer, auch die Wanderdünen waren unbarmherzig und veranlassten die Einwohner mehrfach, den Ort zu verlegen. Dem Düneninspektor Epha gelang es letztendlich, den wandernden Sandmassen Einhalt zu gebieten. Die Pillkoppener nannten die sie bedrohende Düne Petschberg ihm zu Ehren „Ephas Höhe“.

Da sich der Ort und vor allem Ephas Höhe in Grenznähe befinden, ist das Gebiet nicht uneingeschränkt zu betreten. Man sollte unbedingt auf Hinweise achten, um nicht mit den russischen Grenzbeamten in Konflikt zu geraten.

Nationalpark Kurschskaja Kossa (Kaliningrader Gebiet)

Bereits Ende der 1980er-Jahre wurde der Nationalpark Kurschskaja Kossa gegründet. Die großflächig bewaldete Schutzzone nimmt einen Großteil der südlichen Nehrung ein und erstreckt sich von der litauischen Grenze bis zum Seebad Selenogradsk (Cranz). Der südliche Teil der Nehrung ist etwas ursprünglicher und stärker bewaldet als der nördliche Konterpart.

Im Park gelten strenge Regeln: Offenes Feuer, Zelten, Rauchen, das Befahren von Waldwegen und das Pflücken von Pflanzen ist nicht erlaubt. Ein Bad in der Ostsee sollte man nur an den ausgewiesenen Stränden nehmen, im Haff überhaupt nicht. Besucher sollten auf Schilder achten und sich in den jeweiligen Schutzzonen an die entsprechenden Verhaltensregeln halten.

Von Süden kommend muss am Schlagbaum bei Selenogradsk eine Abgabe gezahlt werden – für ein Auto betragen die Kosten derzeit etwa 8 Euro.

Im Grenzbereich ist es verboten, die Nehrungsstraße zu verlassen. Da die Kontrollen scharf sind, sollte man sich unbedingt daran halten.


Reiseinfos

Praktische Reiseinformationen rund um Anreise, Einreisebestimmungen, Unterkünfte und die beste Reisezeit sollen an dieser Stelle Erwähnung finden. Wer auf „Nummer Sicher“ gehen möchte, kann seinen Urlaub aber auch über einen auf die Region spezialisierten Reiseveranstalter buchen. Bei Schneider Reisen zum Beispiel, einem Reiseveranstalter und Spezialisten für Reisen ins Baltikum und auf die Kurische Nehrung, werden alle Fragen vorab geklärt und interessante Reisetipps gegeben.

Anreise

Wer auf die Kurische Nehrung reisen möchte, hat verschiedene Möglichkeiten – per Fähre, Flug oder über Land, von Süden (Russland/Exklave Kaliningrad) oder von Norden (Litauen) kommend. Es geht zunächst auf das litauische Festland.

Mit der Fähre

Die Fähranreise ist mit der Fähre über Klaipeda möglich, dies ist der größte Fährhafen Litauens. Es bestehen Verbindungen mit der Reederei DFDS zwischen Klaipeda und Kiel, außerdem nach Schweden. Die Fährüberfahrt von Kiel nach Klaipeda dauert etwa 21 Stunden und wird täglich angeboten.
Ein Transport von Fahrrädern, Autos und Wohnmobilen ist auf den Fähren kein Problem. Es sind verschiedene Kabinenkategorien für zwei bis vier Personen buchbar, außerdem Ruhesessel sowie Einzelbetten in geschlechtlich getrennten Sammelkabinen.

Per Flug

Auch eine Anreise mit dem Flugzeug ist denkbar. Zum Beispiel kann man eine Verbindung nach Palanga (Litauen) wählen und von dort am besten mit einem vorgebuchten Transfer auf die Nehrung gelangen. Palanga wird z.B. von Air Baltic und SAS angeflogen. Die Verbindungen mit Air Baltic gehen in der Regel über Riga (Lettland). Die Fluggesellschaft fliegt von Deutschland ab Frankfurt, Hamburg, Berlin, Düsseldorf und München.

Über Land

Man kann auch mit dem Auto über Land auf die Kurische Nehrung reisen. Unterwegs durchquert man Polen sowie unter Umständen die Exklave Kaliningrad, je nachdem wie man sich seinem Reiseziel nähert und auf „welche Seite“ der Nehrung man möchte. Aber Achtung: Das Kaliningrader Gebiet gehört zu Russland und somit nicht zur EU und nicht zum Schengen-Raum, es besteht Visums-Pflicht!
 Für die Anreise mit dem Auto benötigt man seinen Reisepass oder Personalausweis (Reisepass mit Visum bei Anreise über Kaliningrad), den Fahrzeugschein und seinen Führerschein. Die Grüne Versicherungskarte wird unbedingt empfohlen. Wenn der Fahrer nicht selbst der Halter des Fahrzeugs ist, außerdem eine Vollmacht.
Nähere Informationen zum Straßenverkehr auf der Kurischen Nehrung finden Sie zu den jeweiligen Gebieten/Ländern in den Reiseinfos.

… und dann weiter auf die Kurische Nehrung

 

Per Fähre auf die Kurische Nehrung
Von Klaipeda aus gelangt man mit einer kurzen Fährfahrt weiter auf die Nehrung. Man erreicht dann auf der anderen Seite Smiltyne, ein Stadtteil von Klaipeda und gleichzeitig der nördlichste Ort der Nehrung.
Es verkehren zwei unterschiedliche Fähren nach Smiltyne (früher Sandkrug): Es gibt eine kleine Fähre für Fußgänger und Radfahrer (Ableger nahe der Innenstadt von Klaipeda (Šiaurinis ragas, Danės g. 1)  und eine große, die Autos und Wohnmobile transportiert (Ableger wenige Kilometer südlich der Innenstadt von Klaipeda (Nemuno g. 8). Das gelöste Ticket für die Fährüberfahrt auf die Nehrung gilt übrigens für den Hin- und den Rückweg.

Die Fähren verkehren sehr regelmäßig (etwa alle 20 bis 30 Minuten). Die Überfahrt wird vor Ort in bar oder per Kreditkarte gezahlt. Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage der Fähre https://www.keltas.lt/en/*Wer nicht mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs ist: Der Transfer von Klaipeda in die Orte der Nehrung wird oft von Reiseveranstaltern und Hotels bzw. Pensionen angeboten. Bei Buchung einer Unterkunft sollte man dies direkt klären.Nationalpark-GebührenDer Zugang zur nördlichen Nehrung und damit zum litauischen Nationalpark ist nur gegen Gebühr möglich. Bei Anreise von Norden kommend wird bei Alksnyne Eintritt erhoben.Auch mit dem Auto darf man die Nehrung befahren, die Eintrittsgebühren dafür sind je nach Saison relativ hoch. So zahlt man mit einem Pkw zwischen 5 und 20 Euro – je nach Reisezeitraum. Radfahrer sind von der Gebühr befreit (der offizielle Radweg auf der Nehrung führt auch nicht am Kontrollpunkt vorbei).Nähere Informationen zu den aktuellen Gebühren finden Sie unter neringa.eparkingas.lt/tickets/pricelist.html **Bitte beachten Sie, dass dieser Link zu einer externen Internetseite führt. Wir haben keinen Einfluss auf den Inhalt und die Gestaltung der Internetseite sowie auf die Verarbeitung oder Speicherung der erhobenen Daten.

 

 

 

Reisezeit

Die schönste Reisezeit liegt zwischen Mai und September. In den recht kurzen Sommern, zwischen Juni und August, ist im gesamten Baltikum Hauptreisezeit. Die Tage sind warm, die Nächte bleiben dämmerig. Im Sommer kann die Sonne gehörig vom Himmel brennen, an Sonnenschutz denken! Die Abende und Nächte können aber auch dann recht kühl werden. Als Radurlauber, Wanderer oder Camper gibt es im Sommer viel auf der Nehrung zu entdecken.

Auch Frühling und Herbst bieten sich für eine Reise an, zumal Urlauber dann von recht günstigen Flug- und Fährpreisen bzw. Hotelangeboten profitieren. Die Übergangsjahreszeiten sind im Durchschnitt kühler als bei uns, dem Reiseerlebnis tut dies aber kaum Abbruch. Da das Wetter wechselhaft sein kann, sollte man einen Regenschirm, eine warme Jacke und eine Regenjacke einpacken.

Selbst im Winter lohnt eine Reise auf die Kurische Nehrung. Es sind nur wenige Touristen anwesend und das zugefrorene Haff bietet einen scheinbar endlosen Ausblick. Die Stimmung ist ruhig und erholsam. Ein Tipp für Aktive: Wie wäre es mit Eissegeln auf dem zugefrorenen Haff?

Unterkünfte

 

Litauen

Auf der Nehrung gibt es alle Arten von Unterkünften: Einen Campingplatz, einfache Gästehäuser bzw. Pensionen, Ferienhäuser und -appartements, aber auch Hotels. Dabei ist der Standard auf der Nehrung in der Regel etwas einfacher als in den Stadtgebieten der betreffenden Länder.

 

 

Kaliningrader Gebiet

In den beiden größten Orten der russischen Seite der Kurischen Nehrung, in Rybatschi und Lesnoje, gibt es die meisten Hotels, Pensionen und Gästehäuser. Aber auch in kleineren Orten wie Morskoje (Pillkoppen) kann man als Gast unterkommen. Grundsätzlich gilt für die Nehrung: Die Unterkünfte entsprechen nicht alle dem mitteleuropäischen Standard, viele sind recht einfach. Darauf sollte man sich als Urlauber einrichten.

 

 

Gesundheit

Litauen

Die Gesundheitsversorgung ist grundsätzlich gut. Auf litauischer Seite gibt es in Nida eine Apotheke. In dem Ort ist auch ein Arzt ansässig. Für schwerwiegendere Beschwerden steht ein Krankenhaus in Klaipeda zur Verfügung. Reisende, die auf Medikamente angewiesen sind, sollten sich vorab mit dem Nötigsten ausstatten. Außerdem gehören ein guter Mücken- und Zeckenschutz sowie ein guter Sonnenschutz in die Reiseapotheke.

Urlauber sollten über eine Impfung gegen die durch Zecken übertragbare Krankheit FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) nachdenken und sich dazu vom Hausarzt beraten lassen. Wer nach Litauen reist, sollte sicherstellen, dass er bereits die Europäische Versicherungskarte besitzt. Es empfiehlt sich aber zusätzlich der Abschluss einer meist sehr kostengünstigen privaten Auslandsreisekrankenversicherung.



Kaliningrader Gebiet

Die Gesundheitsversorgung auf der russischen Seite der Kurischen Nehrung ist mager. Für eine Apotheke und eine allgemeinärztliche Versorgung muss man in der Regel nach Selenogradsk (Cranz) am südlichen Ende der Nehrung fahren. Für schwerwiegendere Beschwerden steht ein Krankenhaus in Kaliningrad (Königsberg) zur Verfügung.

Bei Behandlung in einem privaten Krankenhaus (wo die medizinische Versorgung in der Regel besser ist als in staatlichen Einrichtungen) wurden nach Auskunft des Auswärtigen Amtes in der Vergangenheit Vorauszahlungen in bar oder per Kreditkarte verlangt. Reisende, die auf Medikamente angewiesen sind, sollten sich vorab mit dem Nötigsten ausstatten. Außerdem gehören ein guter Mücken- und Zeckenschutz sowie ein guter Sonnenschutz in die Reiseapotheke.

Auch sollte man über eine Impfung gegen die durch Zecken übertragbare Krankheit FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) nachdenken und sich dazu vom Hausarzt beraten lassen. Urlauber sind bereits für die Visums-Beantragung verpflichtet, eine gültige und von der Russischen Föderation akzeptierte Auslandsreisekrankenversicherung nachzuweisen.

Einkaufen/Souvenirs

Klassische Souvenirs von der Kurischen Nehrung sind vor allem Bernsteinprodukte – dafür ist das Gebiet einfach berühmt! Bernstein, das „Baltische Gold“, ist untrennbar mit der hiesigen Ostseeküste verbunden. Man kann ihn erwerben als „puren“ Stein (vor allem mit sogenannten Inklusionen ist er besonders schön), verarbeitet zu Schmuck oder Dekorationsartikeln. In Nida etwa gibt es zahlreiche Marktstände, an denen man Bernsteinprodukte erwerben kann.

Für Dinge des täglichen Bedarfs stehen in Nida ein großer Supermarkt sowie kleinere Geschäfte zur Verfügung.

Straßenverkehr

Der Straßenverkehr auf der Kurischen Nehrung läuft einigermaßen beschaulich ab. Es gibt eine Hauptstraße, die von Nord (Klaipeda/Litauen) nach Süd (Selenogradsk/Russland) führt.



Litauen

Der Straßenverkehr auf der Kurischen Nehrung läuft einigermaßen beschaulich ab, auch wenn in den Sommermonaten gerade auf litauischer Seite viele Urlauber per Auto anreisen. An der Hauptstraße am südlichen Ende von Nida gibt es eine Tankstelle.

In Litauen sind folgende Regeln und Gesetze zu beachten:

Es herrscht ein Tempolimit von 50 km/h in Ortschaften und 90 km/h auf Fernstraßen.

Das Abblendlicht muss auch am Tage eingeschaltet sein. Von November bis März besteht Winterreifen-Pflicht. Das Mitführen eines Feuerlöschers an Bord ist Pflicht. Die Promille-Grenze liegt in Litauen bei 0,4.

Kaliningrader Gebiet

Es herrscht ein Tempolimit von 60 km/h in Ortschaften und 90 km/h auf Landstraßen.

Auch am Tage muss das Abblendlicht eingeschaltet sein. Die Promille-Grenze liegt in der Exklave Kaliningrad bei 0,0.

Die Grüne Versicherungskarte wird seit 2009 von der Russischen Föderation akzeptiert, allerdings muss das Länderkürzel RUS vermerkt sein.


Die Kurische Nehrung für…

So klein die Kurische Nehrung als Reiseregion auch sein mag, so vielfältig ist sie. Nicht nur Naturfreunde fühlen sich von der Vielfalt der Vogelwelt und der besonderen Flora und Fauna der Dünenlandschaft angezogen, auch Geschichtsinteressierte zieht es hierher – häufig auf Spurensuche zur deutschen Vergangenheit. Und Aktive und Radler finden in der Naturlandschaft zwischen Dünen und Kiefernwäldern, Ostseestrand und Haffufer eine wunderbare Szenerie für ausgedehnte Wanderungen oder Radtouren.

Kultur- und Geschichtsinteressierte

Viele geschichtsträchtige Orte der Nehrung lassen Besucher auf den Spuren der Vergangenheit wandeln. Dazu zählen einerseits jene, deren Familiengeschichte mit Litauen bzw. dem nördlichen Ostpreußen verknüpft ist. Die alten deutschen Namen der Orte spielen auch heute noch eine große Rolle, gerade für ältere Reisende. Viele sprechen noch heute von Memel, Nidden, Schwarzort oder Rossitten.

Einige sind aber auch an der wechselvollen Vergangenheit der Region im Allgemeinen interessiert: Das Lebens der baltischen Kuren, die Zeit des Deutschen Ordens und die Vergangenheit Nidas bzw. Niddens als Künstlerkolonie schwingt für viele Besucher beim Gedanken an die Kurische Nehrung mit. Zudem sind natürlich die Geschichte Ostpreußens verbunden mit den Geschehnissen in den beiden Weltkriegen, die sowjetische Besatzung und die heutige Situation mit einer EU-Außengrenze mitten über die Nehrung für viele Urlauber erkundenswert. Es lohnt sich wirklich, sich der Geschichte dieses interessanten Gebietes zu widmen.

Naturfreunde

Die Kurische Nehrung bietet naturinteressierten Besuchern eine reizvolle Kulisse. Die Landschaft mit ihren fantastischen Dünen, den Kiefernwäldern, dem beschaulichen Haff auf der einen und der Ostsee-Küste auf der anderen Seite eignet sich hervorragend für Erkundungen der Naturlandschaft auf Wanderungen oder Radtouren.

Im Süden von Nida gibt es einen Erkundungspfad, auf dem Erwachsene und Kinder die Natur der Nehrung erforschen können. Außerdem gibt es zwischen Nida und Juodkrante verschiedene Orientierungspfade, auf denen man gleichzeitig seine Sinne schulen kann. Sie sind zu Fuß oder per Rad nutzbar, zwei davon sind auch gut für Familien mit Kindern geeignet. Auch Kanu- oder Segeltrips sind im Nationalpark möglich, sie erlauben einen herrlichen Blick auf die Dünen vom Wasser aus und ermöglichen vielleicht die ein oder andere interessante Tierbeobachtung.

Das Gebiet der Kurischen Nehrung ist Lebensraum zahlreicher – teils bedrohter – Tier- und Pflanzenarten. Etwa 30 der hier gedeihenden Pflanzenarten stehen auf der Roten Liste Litauens. Mit etwas Glück kann man sogar einen Elch erspähen – das Ziel vieler Urlauber. Aber auch Biber oder Wildschweine können vor die Linse huschen.

Interessant ist vor allem die Vogelwelt Litauens, sie zieht viele ornithologisch Interessierte an: Diese ist unter anderem mit Finken, Meisen, Sperbern, Bussarden, Fischadlern, Weihen, Austernfischern, Enten, Schwänen und vielen anderen Vogelarten vertreten. Die Kurische Nehrung ist ein bedeutendes Gebiet für den Vogelzug, in der Herbstsaison ziehen tagtäglich Hunderttausende Vögel über die Nehrung. Viele Vogelarten nisten und brüten hier.

Wer die Vogelwelt erkunden möchte, der kann im russischen Rybatschi (Rossitten) die Vogelwarte bzw. die Feldstation Fringilla (lateinisch für Buchfink) besuchen. Auf der Feld-Station werden mit reusenartigen Netzen die Vögel eingefangen, um sie zu beringen und zu zählen.

Beim litauischen Juodkrante (Schwarzort) befindet sich eine Brutstätte von Kormoranen und Grauen Reihern, die zu den größten und ältesten in ganz Europa gehört. 600 Paare von Grauen Reihern und 1.300 Paare Großer Kormorane sollen hier im Jahr 2000 gebrütet haben. Auf der dortigen Vogelwarte werden pro Saison mehrere tausend Vögel beringt. Die Kurische Nehrung bietet eine interessante Flora und Fauna – insgesamt ein herrliches Ziel für Naturinteressierte. Fernglas nicht vergessen!

Radurlauber

Die Kurische Nehrung ist ein beliebtes Ziel für Radurlauber. Der Verkehr ist an den meisten Orten überschaubar, die Landschaft abwechslungsreich und sehenswert.

Ob man für seinen Radurlaub eine größere Distanz mit wechselnden Unterkünften wählt und die Kurische Nehrung dabei von Nord nach Süd (oder umgekehrt) erkundet, oder sich ein feste Unterkunft sucht und auf Tagesausflügen die Umgebung erradelt, spielt eigentlich keine große Rolle. Schön ist bei beiden Varianten, dass man die Natur dabei ausgiebig genießen kann.

Der Ostseeküsten-Radweg (EuroVelo Nr. 10) verläuft über die Kurische Nehrung, durch Nida, Klaipeda, nach Palanga und weiter nach Lettland (Liepaja). Dabei ist der Abschnitt auf der litauischen Seite gut befahrbar. Der dortige Radweg ist zumeist asphaltiert und wurde gerade in letzter Zeit streckenweise erneuert. Die meisten Etappen verlaufen abseits der Straße durch die Kiefernwälder, vorbei an wunderschönen Dünenlandschaften und hübschen Ortschaften – so hat man als Radler absolute Ruhe vor Autofahrern.

Seit Jahren schon soll ein Radweg auch auf der russischen Nehrungsseite gebaut werden, der Selenogradsk (Russland) mit Nida (Litauen) verbindet und damit die internationale Radroute EuroVelo Nr. 10 vervollständigt. Dieses Vorhaben ist in Planung, es hapert noch an der Umsetzung. Somit müssen sich Radurlauber auf der russischen Seite auf deutlich schlechtere Fahrbedingungen einstellen.

Grundsätzlich gilt: Fahrräder kann man sich an einigen Stellen auf der Nehrung leihen, sei es bei einem Fahrradverleiher an der Haffpromenade Nidas oder bei den ansässigen Hotels und Pensionen. Auch Kinderräder, Kindersitze (mancherorts sogar Fahrradanhänger für Kinder) und Sicherheitsausrüstung steht zur Verfügung. Für kürzere Tagestouren ist dies sicher absolut ausreichend. Wer längere Distanzen zurücklegen möchte, will vielleicht auf sein eigenes Rad vertrauen. Gerade bei einer Fähranreise über Klaipeda (Litauen) ist das eigene Rad problemlos und kostengünstig mitzuführen.

Tipp: Denken Sie an einen guten Regen- und Mückenschutz, gerade wenn Sie vorwiegend in der Natur unterwegs sind!

Aktive

Eine so vielseitige Naturlandschaft bietet natürlich eine schöne Szenerie für verschiedenste Aktivitäten an der frischen Luft. Badegäste und Wasserfanatiker kommen auf der Nehrung garantiert nicht zu kurz. Die schönen Ostsee-Strände eignen sich hervorragend für ein Bad im Meer. Nicht umsonst reisen viele Litauer und Russen für die Ferien oder Wochenenden an und genießen ihre „Badewanne“. Die schönen und flachen Sandstrände mit angenehmen Wassertemperaturen ziehen viele Familien mit Kindern an.

Aber auch bei anderen Aktivitäten ist die Angebotspalette groß: Bei Nida gibt es einen 1,8 Kilometer langen Erkundungspfad, auf dem Kinder und Erwachsene die Natur der Nehrung hautnah erleben können. Auf acht verschiedenen Orientierungspfaden zwischen Nida und Juodkrante kann man dabei gleichzeitig seine Sinne schulen. Sie sind zu Fuß und per Rad nutzbar, zwei davon sind auch gut für Familien mit Kindern geeignet.

Auch Kanu- oder Segeltrips kann der Urlauber unternehmen. In Nida und Smiltyne etwa gibt es einen Yachtclub.

Und natürlich sind verschiedene Wanderungen möglich. Vor allem die berühmten Dünen stehen bei Wanderern im Fokus. Dabei sollte man aber darauf achten, dass man auf den Wegen bleibt und die Vegetation nicht schädigt – dies führt sonst unter Umständen zu Sandrutschungen oder weiteren Verwehungen. Dünenschutz ist auf der Kurischen Nehrung besonders wichtig!

Radbegeisterte Urlauber können sich auf den meist wenig befahrenen Straßen und gut ausgebauten Radwegen austoben und die Natur dabei in vollen Zügen genießen. Die litauische Seite der Kurischen Nehrung ist mit einem asphaltierten Radweg auf voller Länge erschlossen. Hier können auch Kinder ohne Gefahr mitradeln. 

Camper

Auf der Kurischen Nehrung gibt es leider nicht ganz so viele Möglichkeiten, mit dem Zelt, Wohnmobil oder Wohnwagen unterzukommen. Es gibt einen einzigen Campingplatz auf der litauischen Seite, im Süden von Nida. Da wildes Campen im Nationalpark nicht gestattet ist (weder mit dem Zelt noch mit dem Wohnmobil), sind Nehrungs-Urlauber gezwungen, sich hier einzumieten. Der Platz heißt „Nidos kempingas“, bietet alle Annehmlichkeiten und liegt nur einen Steinwurf von der Großen Düne bei Nida entfernt. Da der Campingplatz im Sommer gut besucht ist, sollte man nicht zu spät am Tage erscheinen, denn Reservierungen werden nicht angenommen.

Auf der russischen Seite ist derzeit ein Naturcampingplatz in Planung, er liegt in der Nähe von Rybatschi (am alten Möwenbruch).

Familien

Die Kurische Nehrung ist ein beliebter Ferienort für Familien, vor allem die schöne Natur ist ein ideales Terrain für einen gelungenen Familienurlaub. Litauen ist ein kinder- und familienfreundliches Land, eine Reise mit Kindern dorthin ist überhaupt kein Problem. Die flachen Sandstrände der Ostsee eignen sich auch für kleinere Kinder toll zum Baden und Planschen. Im Sommer wird das Wasser relativ warm, der Sand ist fein und lädt zum Burgenbauen ein.

Auf der Nehrung geht es vergleichsweise beschaulich zu, es gibt relativ wenig Verkehr (an den Wochenenden kann es allerdings schon etwas trubeliger zugehen), zumindest auf litauischer Seite ruhig gelegene Radwege, schöne Orte mit Spielmöglichkeiten und natürlich den fantastischen Strand. In Ferienhäusern und -appartements kommt man als Familie relativ günstig unter.

Erholungssuchende

Die Kurische Nehrung bietet eine vielerorts unberührte Natur, frische Seeluft und zahlreiche schöne Fischerorte. Wer ausspannen möchte, ist an diesem beschaulichen Plätzchen Erde genau richtig. Auf Spaziergängen und Wanderungen kann man den Ausblick auf Haff und Ostsee, die herrliche Dünenlandschaft und die luftigen Kiefernwälder in vollen Zügen genießen. Wer etwas Bewegung sucht, kann auf Radtouren, beim Nordic Walking am Ostsee-Strand oder auf ausgedehnten Spaziergängen Energie tanken.

Litauer wie auch Russen haben eine ausgeprägte Sauna-Kultur. Typisch ist eine Dampfsauna, bei der verschiedene Heilkräuter in Form von Aufgüssen zur Anwendung kommen. Traditionelle Saunaruten (klassischerweise aus Birke, aber auch aus anderen Bäumen, Sträuchern oder Kräutern) unterstützt den heilenden Prozess. Einige der Hotels und Unterkünfte auf der Nehrung stellen ihren Besuchern Saunen zur Verfügung.


Typisch Kurische Nehrung

Bernsteinprodukte und die Zeugen des alten Volksstamms der Kuren in Form von Kurentafeln oder Kurenwimpeln geben einen Einblick in die kleinen Besonderheiten der Halbinsel. Untrennbar ist beides mit der Kurischen Nehrung verbunden. Bernstein, meist verarbeitet zu Schmuck, ist nicht nur ein geschätztes Andenken, sondern auch

 Zeuge der Erdgeschichte. Die Kurentafeln auf dem Friedhof von Nida etwa erlauben einen Einblick in die Lebensweise des alten Volkes.

 Und nicht zuletzt sind die Wanderdünen, die schon so manche Siedlung in die Flucht schlugen, ein besonderes Element der Landschaft der Kurischen Nehrung.

Kulinarik

Die osteuropäische Küche im Allgemeinen gilt als deftig und äußerst schmackhaft – so auch die Küche Litauens und die des Kaliningrader Gebietes. In Litauen ist Brot ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Es ist meist als Roggen- oder Schwarzbrot zu bekommen und wird häufig mit Kümmel gebacken – für jene, die es zum ersten Mal probieren eine (je nach persönlichem Geschmack böse) Überraschung. Sehr lecker ist das Brot auch gebraten, mit Knoblauch und Käse. Das passt bestens zu einem der guten Biere Litauens.

Traditionelle litauische Gerichte sind außerdem gefüllte Kartoffelklöße, gefüllter Schweinedarm (vedarai) oder Kartoffelauflauf (kugelis). Im Sommer wird gerne kalte Suppe (saltibarsciai) gegessen, die aus Sauermilch, Gurken, hartgekochten Eiern und Roter Bete besteht. Und natürlich spielt an der Küste Fisch eine große Rolle. Man erhält ihn getrocknet, gepökelt oder geräuchert sowie frisch zubereitet. Gefüllter Hecht ist ein beliebtes Gericht, ebenso wird gerne Stint oder Hering gegessen.

Regionale Nahrungsmittel sind in Litauen beliebt und verbreitet. Im Sommer sammelt man Beeren und verarbeitet sie zu Kompott oder Marmeladen, im Herbst werden gerne Pilze gesammelt. Oft kann man diese Produkte an kleinen Verkaufsständen am Straßenrand erwerben. Die Küche der Region Kaliningrad weicht in ihren Grundzügen nicht so sehr von der litauischen ab. Auch hier wird gerne Brot, Fleisch, Suppe oder Eintopf gegessen – deftig eben.

Die bekannten Königsberger Klopse fallen vermutlich jedem ein, der an die Küche des ehemaligen Ostpreußen und heutigen Kaliningrader Gebietes denkt. Die gekochten Fleischklöße mit Kapern in heller Soße werden meist mit Reis oder Kartoffeln und eingelegter Roter Bete gereicht. Borschtsch zählt wohl zu den berühmtesten russischen Gerichten und ist in ganz Osteuropa verbreitet. Die Suppe aus Roter Bete wird häufig mit sauerer Sahne serviert. Und die russische Suppe namens Okroschka mit Sauerrahm, Gurke, Ei und Kartoffeln ist ähnlich der litauischen Suppe Saltibarsciai. Bekannt aus der russischen Küche sind natürlich auch Bliny, Pfannkuchen, die meist mit Lachs, Kaviar oder saurer Sahne gereicht werden. Pfannkuchen gibt es aber auch gerne als süße Variante, gefüllt mit Marmelade. Früher gab es einmal ein Gericht mit dem Namen Königsberger Fleck, eine Art Eintopf aus Rindermagen. Dieser steht aber heute nicht mehr auf den Menukarten.

Bernstein

Bernstein ist eigentlich nichts weiter als fossiles Harz von Nadelbäumen, das durch eine Jahrmillionen dauernde Verhärtung zu einem Stein gepresst wird. So entstehen wunderschöne Steine, die meist zu Schmuck oder Kunsthandwerk verarbeitet oder als „pure“ Steine verkauft werden. Sie sprechen mit ihrer warmen Farbe und dem schimmernden Effekt die Sinne an. Fast mystisch wirkt Bernstein, warm und geheimnisvoll. Dabei kann seine Farbe von weiß über gelb bis rot, rotbraun bis grünlich variieren. Manche Steine sind trüb, haben Gas- oder auch Wassereinschlüsse, manche sind glasklar. Der genaue Ursprung und die Entstehung sind nicht eindeutig geklärt. Vermutlich stammt der baltische Bernstein aus einem erdgeschichtlichen Bernsteinwald, über dessen Standort aber keine gesicherten Belege existieren.

Steine mit sogenannten Inklusionen sind besonders schön. Inklusionen sind Einschlüsse von Insekten oder anderen tierischen und pflanzlichen Überresten sowie von Wasser oder Luft. Manchmal sind die Lebewesen sogar noch exakt zu erkennen – ein kleine Mücke oder Fliege, die von der Verharzung überrascht wurde und nun im ausgehärteten Stein Aufschluss über die Lebewesen längst vergangener Zeiten gibt.

Die Bernsteinstraße umfasst mehrere Anlaufpunkte, an denen sich der Besucher über das „Baltische Gold“ informieren kann. So gibt es in Nida (Litauen) die Bernsteingalerie und das Museum Mizgiris. Hier kann der Besucher sogar ein zwei Kilogramm schweres Exemplar bewundern. In der Bernsteinbucht von Juodkrante (Litauen) wurde im 19. Jahrhundert „im großen Stile“ Bernstein gewonnen. In Palanga – ein litauisches Seebad nördlich der Nehrung – gibt es ein Bernsteinmuseum. In den angeschlossenen Werkstätten kann man die Verarbeitung vom rohen Stein zum Schmuck verfolgen.

An den Stränden der Nehrung können sich Urlauber selbst auf die Suche begeben. Viel Glück!

Kuren

Die baltische Volksgruppe der Kuren siedelte ursprünglich entlang der Ostseeküste – von der Nehrung bis hinauf ins heute lettische Territorium. Berühmt waren die Kuren für ihre Bootsbaufertigkeiten, sie lebten von und mit dem Meer. Ihre Kurenkähne hatten Ähnlichkeiten mit den Booten der Wikinger. Vielerorts auf der Kurischen Nehrung kann man noch heute Kurenwimpel entdecken, die als Kennzeichnung der Fischerboote dienten und die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Ort symbolisierten. Die handgefertigten Wimpel gehen zurück auf einen Erlass, der die Fischerei auf dem Haff rechtlichen Regeln unterwarf und den Fischern eine Kennzeichnung ihrer Boote vorschrieb.

Sehenswert sind auch die traditionellen Häuser der Kuren, die in naturverbundenen Farben gestaltet wurden – dabei stehen braun für die Erde, blau für den Himmel und das Wasser, weiß für die Wolken und die Schaumkronen auf dem Meer. Noch heute finden sich diese Farbkombinationen an den alten Fischerhäusern auf der Nehrung. Ein Gang über den Friedhof rund um die Kirche von Nida führt vorbei an den hölzernen Grabmalen der Kuren. Meist schmücken sie Symbole aus der Natur – zurückgehend auf den ursprünglich heidnischen Glauben – und vermitteln eine leicht mystische Stimmung.

Wanderdünen

Wie so häufig hatten auch auf der Kurischen Nehrung die Eingriffe der Menschen in das ökologische Gleichgewicht schwerwiegende Folgen: Zwischen dem 15. und dem 17. Jahrhundert wurden Teile der Nehrung abgeholzt. Die Vegetation aber sicherte die darunter liegenden Sandmassen vor Verwehungen – fehlte die Vegetation, hatte der Wind freien Zugriff. Die Sandmassen, die vorher durch Bäume, Sträucher und Gräser „befestigt“ waren, wurden verweht und begruben ganze Ortschaften unter sich. Einige Orte mussten sogar mehrfach umgesiedelt werden, waren sozusagen auf der ständigen Flucht vor den Wanderdünen.

Im 19. Jahrhundert konnte das Problem durch eine gezielte Bepflanzung sowie eine Errichtung von Strauchzäunen weitestgehend eindämmt werden. In diesem Zusammenhang liest man immer wieder von Namen wie Franz Epha, der Düneninspektor, der den Kampf gegen die Sandmassen mit Bepflanzungsmaßnahmen erfolgreich vorantrieb, oder Oberforstmeister Müller, der ebenfalls an der Bepflanzung der Wanderdünen beteiligt war. Beiden wurde eine Dünenkuppe auf der russischen Seite der Kurischen Nehrung gewidmet – „Ephas Höhe“ und „Müllers Höhe“.

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