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Reiseführer Kaliningrader Gebiet

Hier finden Sie interessante Informationen rund um das Kaliningrader Gebiet.
Keine Region Europas ringt so sehr mit ihrem Gestern und Heute und um ein neues Selbstverständnis wie das Kaliningrader Gebiet. Das historische Königsberg und das frühere Ostpreußen sind allgegenwärtig und lassen sich noch heute in den Städten wieder finden.

Allgemeines

Das Kaliningrader Gebiet, das ehemalige nördliche Ostpreußen, ist eine geschichtsträchtige Region. Vor allem Reisende auf den Spuren der Vergangenheit werden in dem Gebiet, das noch nicht einmal so groß ist wie das Bundesland Thüringen, viel Interessantes entdecken. Der Vormarsch des Deutschen Ordens und seine trutzigen Ordensburgen, die Zeit des Deutschen Reiches, der Zweite Weltkrieg und die darauf folgende Sowjetisierung als Teil der UdSSR haben diesen Landstrich auf unterschiedlichste Weise geprägt. Und auch die heutige Situation – eingeklemmt als Exklave zwischen den EU-Mitgliedern Litauen und Polen und somit abgeschnitten vom „Mutterland“ – ist nicht unproblematisch. Mehr als 1.000 Kilometer und eine EU-Außengrenze trennen den Verwaltungsbezirk vom Regierungssitz Moskau – eine Distanz, die sich nicht gerade positiv auswirkt. Wirtschaftlich geht es dem Gebiet nicht besonders gut. Kaliningrader benötigen für die Reise nach Rest-Russland ein Transitvisum.

Wer durch den Kaliningrader Oblast (Oblast = Gebiet) reist, schwankt zwischen Entzückung und Wehmut. Entzückung ob der wunderschönen Landschaften wie die Kurische Nehrung oder die Elchniederung, der teils noch erhaltenen oder mittlerweile restaurierten Bauwerke, die wie Lichtblicke zwischen den Sowjetklötzen herausragen, oder der Gastfreundlichkeit der Bevölkerung. Wehmut kommt auf beim Anblick der traurigen Plattenbausiedlungen und der Tristesse, die viele Städte heute ausstrahlen. Historische Bauwerke wichen der sowjetischen Stadtplanung und massigen Betonklötzen. Alles „Deutsche“ sollte verbannt werden, wurde verfallen lassen oder auch mutwillig zerstört. Das Königsberger Schloss ist eines der bekanntesten Beispiele dafür. Auch heute noch gibt es Diskussionen darum, ob dieses Bauwerk, dessen Grundmauern durch Ausgrabungen mittlerweile freigelegt sind, wieder aufgebaut werden soll.

Alles in allem: Das ehemalige Ostpreußen ist eine Region, die – trotzdem oder gerade deshalb – fasziniert. Wer den leicht maroden Charme der alten Seebäder Cranz oder Rauschen und die weitläufige, leicht hügelige Landschaft mit ihren langen Alleen mag, das alte Königsberg und seine Überbleibsel zwischen den Betonklötzen des heutigen Kaliningrad erkunden möchte und dann noch einen Sinn für Geschichte mitbringt, der kann im ehemaligen Ostpreußen einen vielseitigen Urlaub verbringen. Eine Entdeckungsreise lohnt sich!

Nach der Öffnung des Gebietes zog es jährlich zahlreiche Touristen an – häufig sogenannte Heimwehtouristen. Sie gingen auf Spurensuche und suchten ihre früheren Wohnorte oder die ihrer Familien auf. Heute werden es immer weniger, die aus diesem Motiv heraus anreisen. Die Menschen, deren Vergangenheit mit Ostpreußen in Verbindung steht, werden älter, werden weniger.

Aber die Region hat viel zu bieten – auch jenseits seiner Vergangenheit. Die Seebäder an der Samland-Küste oder auf der Kurischen Nehrung laden seit der Öffnung des Gebietes wieder zur Erholung ein, Wanderungen in den einsamen Naturidyllen der Rominter Heide oder der Elchniederung sind ein wahres Naturerlebnis. Und das alte Königsberg, heutiges Kaliningrad, lockt mit Kultur, modernen Shopping-Möglichkeiten und einer bunten Restaurant- und Café-Szene. Willkommen im Kaliningrader Gebiet!

Geografie

Das Kaliningrader Gebiet liegt im Nordosten Europas und hat eine etwa 250 Kilometer lange Küste zur Ostsee. Es handelt sich um eine russische Exklave, die eingekeilt ist zwischen Litauen und Polen und somit von „Zentral-Russland“ isoliert liegt. Seit dem EU-Beitritt Polens und Litauens ist der Oblast Kaliningrad sogar von einer EU-Außengrenze umgeben.

Das Kaliningrader Gebiet umfasst etwa 15.000 Quadratkilometer und ist damit etwas kleiner als das deutsche Bundesland Thüringen. Es ist das westlichste Staatsgebiet von Russland. Bekannte Flüsse im Kaliningrader Gebiet sind Neman (Memel) und Pregel. Der Pregel mündet bei Kaliningrad in das Frische Haff. Die Memel bildet die nördliche Grenze des Oblast und mündet in das Kurische Haff.

Geografisch interessant sind vor allem die Frische und die Kurische Nehrung. An beiden Nehrungen hat das Kaliningrader Gebiet nur einen Anteil: Die Frische Nehrung gehört im südlichen Teil zu Polen, die Kurische Nehrung im nördlichen Abschnitt zu Litauen. Bei beiden Nehrungen handelt es sich um Landzungen, die das „dazugehörige“ Haff von der Ostsee trennen.

Die Kurische Nehrung ist etwa 100 Kilometer lang, an ihrem nördlichen Ende, bei Klaipeda in Litauen, besteht eine etwa 300 Meter breite Öffnung zum Meer. An der breitesten Stelle (in Litauen) misst die Nehrung vier Kilometer, an der schmalsten Stelle (in Russland) sogar nur 400 Meter. Die Kurische Nehrung ist während der letzten Eiszeit entstanden. Zwischen den der Küste vorgelagerten Endmoränenhügeln, die einzelne Inseln bildeten, kam es zu weiteren Sandablagerungen, es bildete sich daraus die Landzunge. Die etwa 70 Kilometer lange Frische Nehrung ist maximal zwei Kilometer breit. Bei Baltijsk (Pillau) gibt es eine Öffnung zur Ostsee.

Die Samland-Küste im Westen des Oblast, gelegen zwischen der Frischen und der Kurischen Nehrung, ist bekannt für ihre reichen Bernsteinvorkommen. In Jantarny (Palmnicken) wurde und wird im Tage- und Tiefbau das fossile Harz abgebaut. Im Kaliningrader Gebiet herrscht ein gemäßigtes Kontinentalklima mit maritimem Einfluss. In den relativ kurzen Sommern zwischen Juni und August sind die Tage warm. Die Nächte bleiben dämmerig, sie kühlen aber auch im Sommer recht stark ab. Die Winter können kalt werden.

 

 

 

Natur

Die einsamen Landschaften im alten Ostpreußen sind legendär und locken jeden Naturliebhaber aus der Reserve. Weite Wiesen und Felder, eine sanfte Hügellandschaft, Wälder und viele unberührte Flecken bieten der heimischen Flora und Fauna vielfältigen Lebensraum. Für Naturliebhaber besonders sehenswerte Landschaften sind die Rominter Heide, die Elchniederung und die Kurische Nehrung.

Die Rominter Heide umfasst ein Gebiet im südöstlichen Teil der Exklave, an der Grenze zu Polen. Etwa zwei Drittel der Fläche befindet sich auf russischem Territorium, ein Drittel auf polnischem. Auf Russisch heißt die Rominter Heide Krasnij Les, was soviel bedeutet wie „Roter Wald“.

Das Gebiet ist geprägt durch einsame Wald- und Heideflächen und wird vom Fluss Rominte (auf Russisch: Krasnaja) durchflossen. Früher wurde es als Jagdgebiet der Preußen und der Nationalsozialisten (namentlich: Hermann Göring) genutzt, die es auf das heimische Rotwild, aber auch auf Bären abgesehen hatten. Berühmt ist die Rominter Heide auch für die hier wachsenden Steinpilze.

Die Elchniederung (auf Russisch: Losinaja Dolina) befindet sich im Grenzgebiet von Russland und Litauen. Sie grenzt im Westen an das Kurische Haff und ist geprägt von Mooren, Flüssen, Wäldern, Wiesen und Sümpfen. Damit ist die Elchniederung ein Paradies für viele Vogelarten. Sie beherbergt zudem zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten wie etwa den Sonnentau oder verschiedene Orchideen. Schon immer war die unwegsame Gegend nur sehr dünn besiedelt, die Menschen mussten sich die Moorlandschaft mit ausgeklügelten Entwässerungssystemen erst urbar machen. In der Sowjetzeit sind das Wissen um die Entwässerung und die eigentlichen Entwässerungssysteme verloren gegangen. Das Gebiet verwilderte weitestgehend. Heute sind in der Elchniederung, neben vielen anderen interessanten Tier- und Pflanzenarten, auch wieder Elche anzutreffen.

Naturbegeisterte Urlauber und Aktive finden auch auf der Kurischen Nehrung und in dem dortigen Nationalpark Kurschskaja Kossa eine reizvolle Kulisse vor. Die tiefen Kiefernwälder, eine wunderschöne Ostsee-Küste und die fast geheimnisvoll wirkende Dünenlandschaft bilden ein schönes Territorium für Naturentdeckungen.

Nadelbäume sind dominant auf der Kurischen Nehrung, darunter vor allem Kiefern, aber auch Fichten und Lärchen. Laubbäume werden besonders von Ahorn, Eichen oder Pappeln vertreten. Viele hoffen, einen Elch vor die Linse zu bekommen. Von diesen leben mittlerweile wieder einige auf der Nehrung. Aber auch Wildschweine und Biber können den Weg kreuzen.

Vor allem bei ornithologisch interessierten Besuchern steht die Kurische Nehrung im Fokus: Neben dem Nemunasdelta (Memeldelta) in Litauen gehört sie zu den wichtigsten Stationen des Vogelzugs. In der Herbstsaison ziehen tagtäglich Hunderttausende Vögel über die Nehrung, viele Arten leben und brüten aber auch hier. Finken, Meisen, Sperber, Bussarde, Fischadler, Weihen, Austernfischer, Enten, Schwäne und viele andere Vogelarten können je nach Saison gesichtet werden.

In Rybatschi (Rossitten) befindet sich eine alte Vogelwarte, die bereits 1901 von dem Theologen und Ornithologen Johannes Thienemann gegründet wurde. Von da an wurde der Vogelzug auf der Nehrung beobachtet. Südlich von Rybatschi liegt die Feld-Station Fringilla. Hier werden die Vögel gefangen, um sie zu zählen und zu beringen.

Zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert wurden Teile der Nehrung abgeholzt, was zur Folge hatte, dass sich die Sandmassen, die vorher durch die Vegetation „befestigt“ waren, in Bewegung setzten und ganze Ortschaften unter sich begruben. Einige Orte mussten sogar mehrfach umgesiedelt werden. Das Problem konnte im 19. Jahrhundert durch eine gezielte Bepflanzung weitestgehend eindämmt werden. Auch heute ist es noch wichtig, dass die Sandmassen nicht losgetreten werden und Besucher sich entsprechend verhalten – noch immer kommt es zu Sandverwehungen.

Geschichte

Der sehr wechselhaften Geschichte der Region kann man in einer kurzen Abhandlung kaum gerecht werden. Daher soll im Folgenden nur ein grober Abriss der wichtigsten Stationen im Laufe der Geschichte beschrieben werden.
Im 13. Jahrhundert wurde die Region des heutigen Kaliningrader Gebietes vom Deutschen Orden erobert. Die Bevölkerung sollte christianisiert werden, zahlreiche Ordensburgen entstanden, von denen auch heute noch einige Ruinen zu sehen sind. Königsberg war über längere Zeit Sitz des Deutschen Ordens.

Ab 1773 wurden die Gebiete Ermland (heutiges Polen) und das damalige Königreich Preußen zu dem Gebiet Ostpreußen zusammengefasst, Königsberg wurde Provinzhauptstadt. Zwischen Mitte des 19. Jahrhunderts und 1946 gehörte das Gebiet dem Deutschen Reich an. Durch den Versailler Vertrag von 1920 wurden nach dem Ersten Weltkrieg allerdings Teile des deutschen Gebietes an Polen abgetreten, sodass Ostpreußen vom Deutschen Reich abgeschnitten war und zur Exklave wurde.

Mit dem Überfall auf Polen und der Annektierung der ehemals abgetretenen Provinzen Preußens begann der Zweite Weltkrieg. Viele Tausend Zivilisten verloren durch den Krieg oder auf der Flucht ihr Leben. Der Untergang der Schiffe Wilhelm Gustloff oder Goya sowie die Flüchtlingstreks über das gefrorene Haff sind in diesem Zusammenhang weithin bekannte Ereignisse.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging das südliche Ostpreußen an Polen, das nördliche Ostpreußen an die Sowjetunion. Dies wurde zum Oblast Kaliningrad. Die ursprüngliche Bevölkerung wurde aus dem Gebiet vertrieben oder deportiert, russische Bevölkerung neu angesiedelt. Die Städte der Region wurden umbenannt, alles „Deutsche“ sollte verbannt werden. Viele der alten Orte verwaisten und starben völlig aus. Das Kaliningrader Gebiet war selbst für Sowjetbürger lange Zeit Sperrgebiet.

Mit dem Ende der Sowjetunion und der damit einhergehenden Unabhängigkeit Litauens wurde aus dem Gebiet Kaliningrad eine Exklave. Es liegt etwa 1.200 Kilometer von Moskau entfernt. Der Beitritt Polens und Litauens zur EU 2004 hat die Situation noch weiter verschärft: Das Kaliningrader Gebiet ist seither von einer EU-Außengrenze umgeben, russische Bürger benötigen für eine Reise von Rest-Russland nach Kaliningrad oder umgekehrt ein Transit-Visum.

Bevölkerung

In der Exklave Kaliningrad leben ungefähr 950.000 Menschen. Von ihnen sind mehr als 80 Prozent ethnische Russen. Zudem leben hier jeweils etwa 4 Prozent Ukrainer und Weißrussen, außerdem einige Litauer (1 Prozent), Armenier sowie eine kleine deutsche Minderheit. Die hier lebenden Russlanddeutschen sind meist Rückkehrer aus anderen Teilen der ehemaligen Sowjetstaaten, die nach dem Krieg dorthin vertrieben worden waren.

Interessant ist, dass ein Großteil der Bevölkerung erst nach 1945 im Kaliningrader Gebiet im Zuge der Sowjetisierung gezielt angesiedelt wurde. Eine „ursprüngliche“ Bevölkerung mit langen, lokalen Familientraditionen gibt es kaum. Nur etwa 50 Prozent der Einwohner sind im Kaliningrader Gebiet geboren. Auch die Unabhängigkeit der ehemaligen Sowjetrepubliken Litauen, Lettland und Estland führte dazu, dass sich die damals dort lebende russische Bevölkerung nun in dem Oblast Kaliningrad ansiedelte.

In der Stadt Kaliningrad (Königsberg) leben etwa 430.000 Menschen, die nächstgrößeren Städte sind Sowetsk (Tilsit) und Tschernjachowsk (Insterburg) mit jeweils etwa 40.000 Einwohnern sowie Baltijsk (Pillau) und Gussew (Gumbinnen) mit je etwa 30.000 Einwohnern.

Relegion

Im Oblast Kaliningrad ist die russisch-orthodoxe Glaubensrichtung dominant. Die Mehrzahl der Gläubigen ist Anhänger dieser Kirche. Es gibt aber auch eine kleine Zahl von Anhängern der protestantischen und der römisch-katholischen Kirche. Während der Zeit der Sowjetunion spielten Glaube und Religion von staatlicher Seite keine Rolle. Dies führte unter anderem dazu, dass viele Kirchen zweckentfremdet und als Lager genutzt wurden. Viele wurden aber auch einfach ungenutzt ihrem Schicksal überlassen und verfielen. So trifft man heute noch im gesamten Kaliningrader Gebiet auf zahlreiche Kirchenruinen.


Reiseziele

Das Kaliningrader Gebiet lockt mit einer Vielzahl interessanter Reiseziele – sowohl sehenswerte Städte und Ortschaften wie Kaliningrad (Königsberg), Tilsit (Sowetsk) oder Tschernjachowsk (Insterburg) als auch einmalige Naturlandschaften wie die Rominter Heide, die Kurische Nehrung oder die Samland-Küste warten auf ihre Entdeckung. So bietet das ehemalige Ostpreußen nicht nur Geschichts- und Kulturinteressierten eine ganze Palette an Sehenswürdigkeiten, auch Naturfreunde werden begeistert sein von der größtenteils unberührten Natur.

Kaliningrad

Kaliningrad, das alte Königsberg und Hauptstadt des heutigen Oblast Kaliningrad, hat etwa 430.000 Einwohner und wurde 1255 unter dem Namen Königsberg gegründet. Einige Jahre später erhielt Königsberg Stadtrecht.

Im Laufe der Geschichte spielte es in mehrerlei Hinsicht eine zentrale Rolle: als Sitz des Deutschen Ordens, als Handelsstadt sowie als Hauptstadt der deutschen Provinz Ostpreußen und des heutigen Verwaltungsbezirks Kaliningrad. Kaliningrad verzaubert nicht gerade mit kunstvoller Architektur und schönem Stadtbild, hat dafür aber einiges an Geschichte zu bieten. Das alte Königsberg ist nur noch zu erahnen. Der Königsberger Dom und einzelne Stadttore zeugen noch von ostpreußischer Geschichte und lockern hier und da die monotone, sowjetische Plattenbau-Architektur auf.

Der Zweite Weltkrieg bedeutete für Königsberg das Ende – in jeglicher Hinsicht. Flächenbombardements zerstörten fast das gesamte Stadtbild, die Bevölkerung starb unter den Kriegseinflüssen oder floh, Königsberg fiel an die UdSSR und wurde 1946 in Kaliningrad umbenannt. Eine gezielte Ansiedlung russischer Bevölkerung und die Deportation bzw. Vertreibung der Ursprungs-Bevölkerung sollte die Russifizierung des Gebietes vorantreiben.

Auch architektonisch sollte die Geschichte Königsberg ausgelöscht werden. Bauwerke wurden ihrem Schicksal des Verfalls überlassen oder gar bewusst zerstört. Eines der bekanntesten Beispiele ist das Königsberger Schloss, dessen Reste Ende der 1960er-Jahre unter Leonid Breschnew gesprengt wurden. Auf dem Platz des Burggrabens wurde später das Rätehaus erbaut – ein grauer Koloss, der aufgrund statischer Probleme nie genutzt wurde. Noch heute steht es windschief auf dem Zentralplatz – man mag es als Mahnmal begreifen. Selbst Menschen ohne ostpreußische Familiengeschichte werden bei der Geschichte und dem tristen Anblick schwermütig.

Aber nun zu den erfreulicheren Details: Der alte Königsberger Dom aus dem 14. Jahrhundert wurde in der Zwischenzeit restauriert. Das sakrale Gebäude auf der Kneiphof-Insel, eingekeilt zwischen den beiden Pregelarmen, litt unter dem Bombardement des Zweiten Weltkrieges und jahrelanger Vernachlässigung, war nur noch als Ruine erhalten. Heute hat er wieder eine zentrale Stellung, beherbergt das Stadtmuseum, das Dommuseum und eine Bibliothek. Die neue Orgel erklingt auch zu klassischen Konzerten, denen man als Besucher beiwohnen kann. An der Nordwand des Doms ist der Philosoph Immanuel Kant beigesetzt. Seine Grabstätte wird traditionell gerne von Hochzeitspaaren besucht. Dem Grab ist es der Legende nach zu verdanken, dass die Sowjets den Dom nicht abgerissen haben, sondern das Bauwerk duldeten.

Trotz aller Zerstörung, Vernachlässigung und bewusst herbeigeführtem Verfall gibt es also auch einiges „Alte“ zu sehen im heutigen Kaliningrad. Neben dem mittlerweile restaurierten Dom sind die alten Stadttore aus dem 19. Jahrhundert eine Besichtigung wert. Das Königstor, das Rossgärter Tor, das Friedrichsburger Tor und das Friedländer Tor sind vier von ihnen, alle haben jeweils ein anderes Erscheinungsbild. Das Brandenburger Tor dient noch heute als solches, Autos und Straßenbahnen fahren hindurch.

Das alte Königsberg teilte sich auf in drei Städte: Altstadt, Kneiphof und Löbenicht. Während die vom Pregel umflossene Kneiphof-Insel neben dem Dom früher eng bebaut war, erscheint sie heute weitläufig und der Dom thront über allem. Die dichte Bebauung wurde im Bombardement von 1944 zerstört, der Dom überstand dies schwer beschädigt. Ein Modell der ursprünglichen Bebauung des Kneiphofs ist im Kunst- und Geschichtsmuseum von Kaliningrad zu sehen. Auch die eng bebaute Stadt Löbenicht, die vor allem von Handwerk und Brauereien geprägt war, wurde durch das Flächenbombardement weitestgehend zerstört.

Die heutige Immanuel-Kant-Universität ging aus der Albertina (oder auch Albertus-Universität) hervor, an welcher der deutsche Philosoph Kant viele Jahre gelehrt hatte. Ursprünglich befand sich das Universitätsgebäude auf dem Kneiphof, wurde aus Platzmangel aber von dort verlegt. Das heutige Universitäts-Gebäude entstand an dem Ort, wo die kriegszerstörte Albertina stand.

Der Lasch-Bunker vermittelt Geschichte rund um die letzten Tage Königsbergs. Der Bunker wurde im Mai 2013 nach einer umfassenden Renovierung neu eröffnet und kann nun wieder von Besuchern besichtigt werden. Otto Lasch war der letzte Kommandant der Stadt. Im April 1945, nach der dreitägigen Schlacht um Königsberg, kapitulierte er vor den Sowjets.

Die Museums-Angebot Kaliningrads reizt ebenso: Neben dem Immanuel-Kant-Museum, dem Dommuseum und dem Museum für Kunst und Geschichte lockt auch das Bernsteinmuseum. Es entführt mit einer Vielzahl an Exponaten in die schimmernde Welt des fossilen Harzes.

 

Sowetsk

Das alte Tilsit und heutige Sowetsk liegt im Norden des Kaliningrader Gebietes an der Memel. Die Luisenbrücke führt aus der russischen Exklave über den geschichtsträchtigen Fluss in das EU-Mitgliedsland Litauen. Sie wurde 1944 gesprengt, um der sowjetischen Armee den Vorstoß zu erschweren, ein Teil der alten Brücke ist aber auch heute noch erhalten.

In Sowetsk wurde, wie im gesamten Kaliningrader Gebiet, alte Architektur zerstört oder dem Verfall überlassen. Kirchen, das alte Schloss und das Rathaus sind daher nicht mehr erhalten. Dennoch lassen sich historische Straßenzüge entdecken, die die ostpreußische Geschichte aufleben lassen. In der Hohen Straße (Uliza Pobedy) etwa kann man noch Fassaden – wenn auch etwas mitgenommen – aus Jugendstil und Neorenaissance bewundern.Achtung: Durch die grenznahe Lage ist Sowetsk (Tilsit) Sperrgebiet und darf nur mit einer Sondergenehmigung besucht werden. Wer dies möchte, kann sich an einen auf die Region spezialisierten Reiseveranstalter wenden, der alles Nötige veranlasst.

 

Königin-Luisen- Brücke in Sowetsk, ehemals Tilsit

Neman

Nahe dem alten Tilsit und ebenfalls an der Memel liegt die kleine Stadt Neman, ehemals Ragnit. Der Ort kann mit einer alten Ordensburg auftrumpfen, die Ende des 14., Anfang des 15. Jahrhundert erbaut wurde und zu einer der mächtigsten Burgen des Deutschen Ordens werden sollte. Auch sie wurde durch einen Brand beschädigt, die eindrucksvolle Ruine ist aber noch zu besichtigen.

Alte Ordensburg in Neman, ehemals Ragnit, im Kaliningrader Gebiet

Tschernjachowsk

Insterburg wurde von den Sowjets im Januar 1945 erobert und später in Tschernjachowsk umbenannt. Auch hier wurde die ursprüngliche Bevölkerung vertrieben und durch russische Einwohner „ersetzt“. Tschernjachowsk hat heute etwas mehr als 40.000 Einwohner. Sehenswert sind die russisch-orthodoxe Erzengel-Michael-Kirche, die katholische Kirche St. Bruno aus dem Jahr 1912 sowie die Ruine der alten Ordensburg.

St. Bruno Kirche in Insterburg

Maevka

Der kleine Ort Maevka (früher Georgenburg) liegt nahe der Stadt Tschernjachowsk. Berühmt ist Maevka vor allem für das traditionelle Gestüt, das heute – nachdem es vom Ende des Zweiten Weltkrieges an bis in die 1960er-Jahre nicht als Gestüt genutzt wurde – wieder als solches betrieben wird. Auf dem Gelände gab es Ende der 1940er-Jahre für einige Jahre ein Internierungslager für deutsche Kriegsgefangene.  Die Reste der alten Georgenburg sind sehenswert. Die erste Burg wurde 1345 als Holzkonstruktion erbaut, später aber zerstört und in Stein erneut aufgebaut. Schon zur Zeit des Deutschen Ordens war der Burg ein Gestüt angeschlossen.

Maevka, früher Georgenburg, im Kaliningrader Gebiet

Gussew

Die kleine Stadt Gussew (früher Gumbinnen) hat nicht ganz 30.000 Einwohner und liegt im östlichen Teil des alten Ostpreußens. Die Salzburger Kirche ist wohl das bekannteste Bauwerk der Stadt. Anfang des 18. Jahrhunderts siedelten sich mehrere tausend protestantische Glaubensflüchtlinge aus Salzburg, aber auch aus anderen Gegenden im nördlichen Ostpreußen an. Die evangelisch-lutherische Kirche wurde 1840 im klassizistischen Stil erbaut, erlitt im Zweiten Weltkrieg starke Beschädigungen und wurde zur Zeit der UdSSR zweckentfremdet und als Lager für den Straßenbau verwendet. Nach einer umfassenden Sanierung steht sie nun wieder der evangelisch-lutherischen Gemeinde zur Verfügung.

Sehenswert ist auch die Statue des Gumbinner Elch, das Wahrzeichen der Stadt, die nach ihrer Exilzeit im Kaliningrader Zoo seit 1991 wieder in Gussew auf dem schön hergerichteten Elchplatz thront. Ganz in der Nähe von Gussew (Gumbinnen) liegt übrigens das ehemalige Gestüt Trakehnen.

Salzburger Kirche in Gussew

Elchniederung

Die Elchniederung (auf Russisch: Losinaja Dolina) befindet sich im Grenzgebiet von Russland und Litauen und grenzt im Westen an das Kurische Haff. Sie ist geprägt von Flüssen, Mooren, Wäldern und Sumpfflächen.

Die Elchniederung ist ein Paradies für Vögel und beherbergt zudem zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten. Die Gegend war schon immer nur sehr dünn besiedelt, die Menschen mussten sich die Moorlandschaft mit ausgeklügelten Entwässerungssystemen erst urbar machen, kleine Moorkolonien entstanden. Viele der Orte waren zu Zeiten der Überflutung von der Außenwelt abgeschnitten, Straßen gab es kaum und Boote waren das Hauptverkehrsmittel. Im Zuge der Sowjetherrschaft, die auf groß angelegte Landwirtschaft ausgerichtet war, sind das Wissen um die Entwässerung und die eigentlichen Entwässerungssysteme verloren gegangen. Die Bevölkerung, die sich damit auskannte, floh oder wurde vertrieben, die neuen (russischen) Einwohner kannten sich mit Entwässerungssystemen nicht aus. Das Gebiet verwilderte. Heute sind nur noch wenige kleine, abgeschiedene Orte erhalten. In der Elchniederung sind heute wieder Elche anzutreffen.

Rominter Heide

Die Rominter Heide, eine Landschaft, die geprägt ist von Wäldern und Heideflächen, liegt im Südosten des Kaliningrader Gebietes sowie im nördlichen Teil von Polen. Etwa zwei Drittel der Fläche befinden sich auf russischem Territorium, ein Drittel auf polnischem. Sie heißt auf Russisch Krasnij Les, was soviel bedeutet wie „Roter Wald“.  Das Gebiet wird von der Rominte (auf Russisch: Krasnaja) durchflossen. Früher wurde es als Jagdgebiet der Preußen und später der Nationalsozialisten (namentlich: Hermann Göring) genutzt. Die Jäger schossen vor allem Rotwild, aber auch Bären. Bekannt ist die Rominter Heide auch für die hier wachsenden Steinpilze.

Samland-Küste (Baltijsk, Jantarny, Swetlogorsk, Selenogradsk)

Die Samland-Halbinsel liegt zwischen der Frischen Nehrung und der Kurischen Nehrung. Die Samland-Küste umfasst die Ostsee-Küste der Halbinsel Samland mit den Hauptorten Baltijsk (Pillau), Jantarny (Palmnicken), Swetlogorsk (Rauschen) und Selenogradsk (Cranz). Der Norden ist vor allem von einer Steilküste geprägt, der Süden von herrlichen Dünenlandschaften. 

 

Baltijsk

Baltijsk (früher Pillau) ist die westlichste Stadt Russlands und liegt am Übergang von der Samland-Halbinsel zur Frischen Nehrung. Die Stadt hat etwa 30.000 Einwohner und eine bedeutende Stellung als Seehafen und Marinestandort. Zu Sowjetzeiten war Baltijsk militärisches Sperrgebiet und absolut abgeschottet. Auch heute noch ist die Stadt nicht frei zugänglich, man benötigt einen Passierschein. Wer ihn hat, sollte einen Blick auf den Hafen werfen (jedenfalls auf die Teile, die dort freigegeben sind) – schließlich ist der Hafen das Zentrum Baltijsks schlechthin und bedeutend für die Geschichte. Auch der rot-weiße Leuchtturm, das Denkmal von Peter dem Großen, die Zitadelle oder das Museum der Baltischen Flotte im ehemaligen Amtsgericht sind sehenswert. Einmal im Jahr ist die Stadt offiziell freigegeben: am Tag der russischen Flotte.

 

Jantarny

Jantarny heißt übersetzt soviel wie „aus Bernstein“ – und dieses Gebiet nach dem fossilen Harz zu benennen hat allemal seinen Grund: In Jantarny befindet sich die einzige Bernsteinmine der Welt. Die gesamte Samland-Küste zwischen Frischem Haff und Kurischem Haff ist bekannt für ihre reichen Bernsteinvorkommen. Der Bernsteinabbau ist prägend für den Ort. Hier wurde im Tief- wie auch im Tagebau das „Baltische Gold“ gefördert. Vor allem der Tagebau führt leider zu einer nicht zu übersehenden Landschafts(de)formation. Ein Museum in Jantarny vermittelt Informationen über das begehrte fossile Harz.

Neben seiner Stellung als Bernstein-Metropole hat Jantarny aber auch eine traurige Vergangenheit. Im Januar 1945 wurden am Strand 3.000 Juden durch die SS getötet, die vorher auf einem Marsch von einem Konzentrationslager nahe Danzig nach Palmnicken getrieben worden waren. Dem ursprünglichen Plan zufolge wollte man die Menschen in der Bernsteinmine einmauern, die Einwohner Palmnickens haben dies verhindert. Ein Denkmal erinnert heute an die Opfer dieses Massakers.

 

Swetlogorsk

Das alte Seebad Rauschen, heute Swetlogorsk genannt, ist ein beliebtes Touristenziel. Der weitläufige Sandstrand, die Steilküste, eine Promenade zum Flanieren und hübsche Holzvillen aus der Zeit um 1900 prägen den Charakter des Ortes. Etwa in jener Zeit wurde Rauschen mit der Samland-Bahn an Königsberg angeschlossen, was den Tourismus natürlich deutlich förderte. Noch heute gibt es eine Zugverbindung von Kaliningrad nach Swetlogorsk.

Charakteristisch ist die Steilküste. Der Strand, die eigentliche Hauptattraktion von Swetlogorsk, ist vom Ort per (Sessel)-Lift zu erreichen. Außerdem hat die Samland-Bahn neben dem Bahnhof einen weiteren Haltepunkt mit direktem Zugang zum Strand. Die ehemals evangelische Kirche stammt aus dem Jahr 1907. Seit 1992 wird sie aber von der russisch-orthodoxen Gemeinde genutzt. Im alten Wasserturm befindet sich eine Badeanstalt. Und in dem Kurpark kann man bei einem Spaziergang den Tag ausklingen lassen.

 

Selenogradsk

In Selenogradsk (früher Cranz) leben etwa 13.000 Menschen. Der Ort war schon in früheren Zeiten ein beliebtes Reiseziel: Es war der bedeutendste und mondänste Badeort der Küste Ostpreußens und durch eine Bahnverbindung seit 1885 an Königsberg angeschlossen.

Von dem alten Cranz und der glanzvollen Zeit ist nicht mehr viel zu sehen. Es verlor an Bedeutung, trat seine herausragende Stellung als Seebad an Rauschen (heute Swetlogorsk) ab, Gebäude verfielen. Wer aber diesen maroden Charme mag, der wird sich in Selenogradsk wohlfühlen. Man kann auf Spurensuche gehen und wird auch hier und da noch an das mondäne Cranz erinnert.

Die moderne Tourismusentwicklung in Selenogradsk steckt noch in den Kinderschuhen. Aber in den letzten Jahren entstanden hier immer mehr Ferienhäuser und der Ort wurde für die wohlhabenden Bürger der Exklave Kaliningrad ein beliebter Ferienort. Im Gegensatz zum Großteil der nördlichen Samland-Küste weist Selenogradsk keine Steilufer auf, sodass hier ein direkter Strand-Zugang möglich ist.

Kurische Nehrung (Lesnoje, Rybatschi, Morskoje, Nationalpark Kurschskaja Kossa)

Die Kurische Nehrung ist eine beliebte Urlaubsregion in der Exklave Kaliningrad und zudem Naturschutzgebiet. Sie ist geprägt von einer weitläufigen Dünenlandschaft, Kiefernwäldern, dem Haff und der Ostsee-Küste und den beschaulichen Dörfern Lesnoje (Sarkau), Rybatschi (Rossitten) und Morskoje (Pillkoppen).

Lesnoje

Die Besiedelungsgeschichte von Lesnoje (früher Sarkau) beginnt im 15. Jahrhundert, als sich in der Nähe der heutigen Dorfstelle Fischer, die Kuren, ansiedelten. Zunächst war der Ort vor den Wanderdünen geschützt, die durch Abholzungsmaßnahmen in Bewegung gerieten. Später musste er dennoch wegen der Sandverwehungen zweimal umgesiedelt werden. Zudem zerstörte Flugsand die landwirtschaftlich genutzten Felder.

Das alte Sarkau und heutige Lesnoje befindet sich an der schmalsten Stelle der Nehrung, sie misst hier nur 400 Meter Breite. Der Ort liegt damit gleichzeitig an der Haff- wie auch an der Ostsee-Küste und ist daher besonders von Sturmfluten bedroht. Diese haben in der Vergangenheit schon dazu geführt, dass die Stelle unpassierbar wurde. Zuletzt 1983 wurde die Kurische Nehrung hier von einem Orkan durchbrochen. Die Bruchstelle musste neu aufgeschüttet und stabilisiert werden.

Die alte Kirche von Lesnoje wurde als Backstein-Kirche Anfang des 20. Jahrhunderts fertiggestellt und seitdem aber so sehr verändert, dass sie kaum noch nach einer Kirche aussieht – und auch nicht mehr als solche genutzt wird. Das Dach wurde verändert und der Turm fehlt heute.

Nördlich von Lesnoje befindet sich in einem ehemaligen sowjetischen Gästehaus das Nehrungsmuseum. Hier erhält der Besucher interessante Informationen zur Ökologie der Kurischen Nehrung, ihren Dörfern und ihrer Geschichte.

 

Rybatschi

Rybatschis (früher Rossitten) Besiedlungsgeschichte reicht lange zurück. Im 14. Jahrhundert stand hier eine Burg, später dann ein Ordenshaus mit angeschlossenem Gestüt, einer Ziegelei und einer Burgkapelle. Aufgrund des guten Bodens wurde bei Rossitten Landwirtschaft betrieben, es lebten aber auch schon damals Fischer hier.

Zwar wurde Rossitten nicht so sehr durch die Wanderdünen bedroht wie andere Nehrungsdörfer, aber auch hier musste der Sand nach den Abholzungsmaßnahmen befestigt werden. Im 19. Jahrhundert  erlangte der Düneninspektor Franz Epha Berühmtheit durch seinen erfolgreichen Kampf gegen die wandernden Sandmassen. Zu jener Zeit entwickelte sich auch der erste Tourismus in Rossitten.

Bekannt ist vor allem die Vogelwarte von Rybatschi, die 1901 von Johannes Thienemann, eigentlich Theologe, gegründet wurde. Es war die erste ornithologische Station Deutschlands. Thienemann beobachtete Vögel, beringte sie und erforschte die Vogelwelt und den Vogelzug der Nehrung. An der Königsberger Albertina studierte er Zoologie und wurde dort 1910 Professor. 1938 starb Thienemann in Rossitten. Auf dem alten Friedhof finden sich noch heute die Grabsteine von Johannes Thienemann und dem Düneninspektor Franz Epha.

Auch heute noch werden auf der Vogelwarte Vögel beobachtet und beringt. Die Station befindet sich nicht mehr an ursprünglicher Stelle, sie ist nun im ehemaligen Gästehaus des Kurhauses untergebracht. Besucher sind willkommen. Gleiches gilt für die Feldstation Fringilla (lateinischer Name für Buchfink) südlich von Rybatschi, wo mit Reusen und Netzen Vögel eingefangen werden. Die Feldstation wurde 1957 eingerichtet.

Die Kirche von Rybatschi lohnt eine Besichtigung. Die alte Backsteinkirche diente während der Sowjet-Zeit als Lager für Fischernetze. Seit den 1990er-Jahren wird sie als russisch-orthodoxe Kirche genutzt.

Nahe der Siedlung von Rybatschi befindet sich der Aussichtspunkt „Müllers Höhe“. Oberforstmeister Müller war ebenfalls an der Bepflanzung der Wanderdünen beteiligt. Von einem Aussichtsturm hat man einen schönen Blick auf die Umgebung.

 

Morskoje

Morskoje (früher Pillkoppen) ist vermutlich das ursprünglichste aller Nehrungsdörfer und ist zudem der nördlichste Ort der russischen Seite der Kurischen Nehrung.

Im Laufe der Geschichte musste Pillkoppen mehrere Rückschläge einstecken: Im 17. Jahrhundert machte nicht nur die Pest dem Ort und seinen Bewohnern das Leben schwer, auch die Wanderdünen waren unbarmherzig und zwangen die Einwohner mehrfach, den Ort zu verlegen. Dem Düneninspektor Franz Epha gelang es letztendlich, den wandernden Sandmassen Einhalt zu gebieten. Ihm zu Ehren nannten die Pillkoppener die sie bedrohende Düne Petschberg um in „Ephas Höhe“.

Das Gebiet um Ephas Höhe ist nicht uneingeschränkt zu betreten, da sich der Ort in Grenznähe befindet. Um nicht mit den russischen Grenzbeamten in Konflikt zu geraten, sollte man unbedingt auf Hinweise achten.

 

Nationalpark Kurschskaja Kossa

Der Nationalpark Kurschskaja Kossa wurde bereits Ende der 1980er-Jahre gegründet und nimmt einen Großteil der südlichen Nehrung ein. Die großflächig bewaldete Schutzzone erstreckt sich von der litauischen Grenze bis zum Seebad Selenogradsk (Cranz).

Im Park gelten einige Regeln, an die man sich halten sollte: Offenes Feuer, Zelten, Rauchen, das Befahren von Waldwegen und das Pflücken von Pflanzen ist nicht erlaubt. Für ein Bad in der Ostsee sollte man nur ausgewiesene Strände wählen, im Haff sollten Urlauber überhaupt nicht baden. Besucher sollten auf Schilder achten und sich in den jeweiligen Schutzzonen an die entsprechenden Verhaltensregeln halten.

Am Schlagbaum bei Selenogradsk (Cranz) muss eine Abgabe für den Zutritt zum Nationalpark gezahlt werden – für ein Auto betragen die Kosten derzeit etwa 8 Euro.

Achtung: Im Grenzbereich ist es verboten, die Nehrungsstraße zu verlassen. Da die Kontrollen scharf sind, sollte man sich daran halten.


Reiseinfos

Eine Reise durch das Kaliningrader Gebiet ist nicht ganz einfach zu organisieren – neben dem dringend erforderlichen russischen Visum kann ohne Russischkenntnisse mancherorts die Unterkunftssuche erschwert sein und einige Gebiete sind für Touristen schlichtweg gar nicht freigegeben. An dieser Stelle möchten wir Ihnen daher einen Überblick über die wichtigsten Grundlagen einer Reise geben: Wie komme ich dorthin? Welche Reisezeit ist die beste? Wie ist die Gesundheitsversorgung in Kaliningrad? Habe ich dort Empfang mit meinem deutschen Handy?

Um böse Überraschungen zu vermeiden bietet es sich an, eine Reise in das Kaliningrader Gebiet über einen auf die Region spezialisierten Reiseveranstalter wie etwa den Baltikum-Spezialisten Schnieder Reisen zu organisieren – der kennt sich in dem Zielgebiet bestens aus und klärt alle Fragen vorab.

Anreise

Wer ins Kaliningrader Gebiet reisen möchte, hat verschiedene Möglichkeiten – per Flug, Fähre oder über Land.

 

Per Flug

Bei Anreise mit dem Flugzeug ist der Flughafen Kaliningrad-Chrabrowo das Ziel. Er liegt nördlich der Stadt und ist per Bus und Taxi angebunden.
Kaliningrad wird von der russischen Fluggesellschaft Aeroflot (über St. Petersburg oder Moskau) angeflogen, außerdem von der polnischen LOT (über Warschau) oder von Air Baltic (über Riga). Direkte Verbindungen ab Deutschland gibt es derzeit nicht.

 

Über Land

Man kann auch mit dem Auto über Land in das Kaliningrader Gebiet reisen. Die Distanz von Berlin nach Kaliningrad (Königsberg) beispielsweise beträgt etwa 650 Kilometer.
Für die Anreise mit dem Auto benötigt man seinen Reisepass mit einem gültigen russischen Visum, den Fahrzeugschein und seinen Führerschein. Die Grüne Versicherungskarte wird dringend empfohlen. Wenn der Fahrer nicht selbst der Halter des Fahrzeugs ist, kann eine Vollmacht sinnvoll sein.

 

Mit der Fähre

Die Fähranreise ist mit der Fähre über Klaipeda in Litauen möglich. Die Reederei DFDS bietet Verbindungen zwischen Klaipeda und Kiel an. Die Fährpassage dauert etwa 21 Stunden und wird täglich angeboten.
Auf den Fähren ist ein Transport von Fahrrädern, Autos und Wohnmobilen kein Problem. „Mobile“ Reisende können somit ohne Probleme zum Beispiel über die Kurische Nehrung in das Kaliningrader Gebiet weiterreisen.
Auf den Fähren sind verschiedene Kabinenkategorien für zwei bis vier Personen buchbar, außerdem Ruhesessel sowie Einzelbetten in geschlechtlich getrennten Sammelkabinen.
Von Klaipeda aus kommt man mit einer kurzen Fährfahrt weiter auf die Nehrung (Smiltyne) und kann dann zur litauisch-russischen Grenze bei Nida weiterfahren. Gerade in der Woche ist der Grenzübergang auf der Nehrung in puncto Wartezeiten deutlich günstiger als auf dem Festland. Die Fähren nach Smiltyne verkehren sehr regelmäßig (etwa alle 20 bis 30 Minuten). Man kann die Fahrt vor Ort in bar oder per Kreditkarte zahlen. Es gibt eine kleine Fähre für Fußgänger und Radfahrer und eine weitere, die Autos und Wohnmobile transportiert. Achtung: Die Ableger befinden sich an unterschiedlichen Stellen in Klaipeda.
Bei Anreise aus Richtung Norden wird an einem Kontrollpunkt bei Alksnyne Eintritt für den Nationalpark erhoben. Es sind dafür drei Automaten vorhanden. Wer kein Bargeld zur Verfügung hat, kann an einem Schalter den Betrag per Kreditkarte bezahlen. Fahrradfahrer sind derzeit von dieser Gebühr befreit.
Wer nicht über die Nehrung fahren möchte, der kann den Grenzübergang bei Sowetsk (Tilsit) mit der berühmten Königin-Luisen-Brücke nutzen.

 

 

 

Reisezeit

Die beste Reisezeit für das Kaliningrader Gebiet liegt zwischen Mai und September. Zwischen Juni und August, in den warmen Sommern, ist Hauptreisezeit. Dann sind die Tage warm, die Nächte bleiben dämmerig. Im Sommer kann die Sonne intensiv scheinen, an Sonnenschutz denken! Die Abende und Nächte können aber auch dann recht kühl werden.

Auch die Übergangsjahreszeiten bieten sich für eine Reise an, zumal Urlauber dann von recht günstigen Flug- und Fährpreisen bzw. Hotelangeboten profitieren. Herbst und Frühling sind im Durchschnitt kühler als bei uns, gerade für kultur- und geschichtsinteressierte Urlauber ist dies aber meist kein Problem. Allerdings kann das Wetter wechselhaft sein, daher sollte man einen Regenschirm, eine warme Jacke und eine Regenjacke einpacken.

Unterkünfte

Die Unterkünfte im Kaliningrader Gebiet entsprechen nicht alle dem mitteleuropäischen Standard. Darauf sollte man sich als Urlauber einrichten. Die ehemaligen Sowjet-Hotels sind oft sehr groß und haben ein recht unpersönliches Erscheinungsbild. Kleinere Unterkünfte wie etwa Pensionen oder private Hotels weisen meist keinen vergleichbaren Komfort auf wie in Mitteleuropa, dafür kommt man in den Genuss, die Gastfreundschaft der Bevölkerung zu erleben. Eine große Hotelauswahl zu günstigen Tagespreisen findet sie hier.

Vor allem in der Stadt Kaliningrad (Königsberg) ist das Unterkunfts-Angebot recht groß und vielfältig. Auch gehobene Häuser sind hier leicht zu finden. In den kleineren Städten ist die Auswahl meist eingeschränkt. Die Seebäder Selenogradsk (Cranz) und Swetlogorsk (Rauschen) haben ebenso ein recht vielseitiges Hotel-Angebot.

Die Kurische Nehrung ist ein beliebtes Urlaubsziel im Oblast Kaliningrad. Hier gibt es in den beiden größten Orten, in Rybatschi und Lesnoje, die meisten Hotels, Pensionen und Gästehäuser. Aber auch in den kleineren Orten wie etwa Morskoje (Pillkoppen) kann man als Gast unterkommen. Der Standard ist insgesamt etwas einfacher als im restlichen Gebiet.

Gesundheit

Die Gesundheitsversorgung im Kaliningrader Gebiet ist nicht mit dem westeuropäischen Stand vergleichbar. Apotheken und Ärzte gibt es in den meisten größeren Orten. Für schwerwiegendere Beschwerden steht ein Krankenhaus in Kaliningrad (Königsberg) zur Verfügung.

Bei einer Behandlung in einem privaten Krankenhaus (wo die medizinische Versorgung in der Regel besser ist als in staatlichen Einrichtungen) wurden in der Vergangenheit nach Informationen des Auswärtigen Amtes Vorauszahlungen in bar oder per Kreditkarte verlangt.

Urlauber, die auf Medikamente angewiesen sind, sollten sich vorab mit dem Nötigsten eindecken. Zudem gehören ein guter Mücken- und Zeckenschutz und ein guter Sonnenschutz in die Reiseapotheke. Vor einer Reise sollte man sich vom Hausarzt über eine Impfung gegen die durch Zecken übertragbare Krankheit FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) beraten lassen. Bereits für die Visum-Beantragung sind Reisende verpflichtet, eine gültige und von der Russischen Föderation akzeptierte Auslandsreise-Krankenversicherung nachzuweisen.

Einkaufen/Souvenirs

Klassische Souvenirs aus dem ehemaligen Ostpreußen und heutigen Kaliningrader Gebiet sind vor allem Bernsteinprodukte – dafür ist die Region einfach berühmt! Das „Baltische Gold“, wie Bernstein auch gerne bezeichnet wird, ist untrennbar mit der Ostsee-Küste verbunden. Man kann ihn als „puren“ Stein erwerben (vor allem mit sogenannten Inklusionen ist er besonders schön) oder verarbeitet zu Schmuck oder Dekorationsartikeln. Man kann ihn erwerben in teuren Juweliergeschäften entlang des Leninprospekt in Kaliningrad, aber auch an zahlreichen Marktständen in der gesamten Exklave an touristisch bedeutenden Orten – etwa am Königsberger Dom oder an der Standpromenade von Swetlogorsk.

Für Dinge des täglichen Bedarfs stehen kleine Geschäfte, aber auch große Supermärkte zur Verfügung. Besonders in Kaliningrad gibt es ein großes Angebot. Hier ist übrigens auch ein Besuch des Marktes interessant. Einheimische bieten hier regionale Produkte wie Obst und Gemüse feil. In kleineren Orten gibt es oft kleine Lebensmittelgeschäfte.

Straßenverkehr

Im Kaliningrader Gebiet sind folgende Regeln und Gesetze zu beachten:

In Ortschaften herrscht ein Tempolimit von 60 km/h, auf Landstraßen von 90 km/h.

Auch tagsüber muss das Abblendlicht eingeschaltet sein. Die Promille-Grenze liegt in der Exklave Kaliningrad bei 0,0.

Seit 2009 wird die Grüne Versicherungskarte von der Russischen Föderation akzeptiert, allerdings muss das Länderkürzel RUS vermerkt sein.


Das Kaliningrader Gebiet für...

Sicher: Geschichte ist für viele Urlauber das Hauptmotiv für eine Reise ins ehemalige Ostpreußen und heutige Kaliningrader Gebiet. Die deutsche Vergangenheit, die Geschehnisse während des Zweiten Weltkriegs, die Zeit der Sowjetunion bzw. die heutige Situation als Exklave zwischen den EU-Staaten Litauen und Polen bietet genug Stoff für eine interessante Spurensuche. Dennoch sollte das Kaliningrader Gebiet nicht nur darauf reduziert werden! Auch die Naturlandschaft bietet viel Erkundenswertes: Herrliche Ausblicke, einsame Landschaften und beeindruckende Tierbegegnungen warten auf Naturfreunde. Zudem finden hier auch Aktive wie Radurlauber oder Wanderer ein tolles Terrain für ihre nächste Reise. Die Vielfalt der Region ist beachtlich!

Geschichtsinteressierte

Im Kaliningrader Gebiet lassen die geschichtsträchtigen Orte Reisende auf den Spuren der Vergangenheit wandeln. Dazu zählen einerseits jene Besucher, deren Familiengeschichte mit dem nördlichen Ostpreußen verknüpft ist, deren Eltern dort geboren wurden oder auch sie selbst. „Heimwehtourismus“ ist ein Begriff, der in diesem Zusammenhang oft fällt. Andererseits handelt es sich bei den Urlaubern aber auch oft um Menschen, die sich auch ohne Familienbezug für die ostpreußische Vergangenheit interessieren – schließlich gehörte das heutige Kaliningrader Gebiet lange Zeit zu Deutschland.

Die alten deutschen Namen der Städte spielen gerade für ältere Reisende heute noch eine große Rolle: Königsberg, Tilsit oder Insterburg erinnern viele an die wechselhafte Vergangenheit der Region, die für sie oft mit Krieg und Vertreibung einhergeht. Leider ist von den alten Städten meist wenig übrig geblieben, Bauwerke deutscher Herkunft wurden zerstört oder dem Verfall überlassen und wichen sozialistischen Stadtstrukturen und monotonen Plattenbauten. Umso trauriger für die „Rückkehrer“. Aber dennoch lassen sich Spuren entdecken, die es zu erkunden lohnt!

Die Geschichte Ostpreußens ist untrennbar verbunden mit den Geschehnissen in den beiden Weltkriegen, der sowjetischen Besatzungszeit und der heutige Situation der Region Kaliningrad als Exklave, umgeben von einer EU-Außengrenze. Es lohnt sich wirklich, sich der Geschichte dieser Region zu widmen.

Naturfreunde

Naturliebhaber werden die einsamen Landschaften im ehemaligen Ostpreußen zu schätzen wissen. Die sanfte Hügellandschaft, weitläufigen Wiesen und Felder und teils unberührten Wälder bieten der heimischen Flora und Fauna einen vielfältigen Lebensraum. Die Rominter Heide, die Elchniederung und die Kurische Nehrung sind bei Naturfreunden geschätzte Reiseziele.

Elche und Vögel sind die Tierarten, die vielen beim Gedanken an das Kaliningrader Gebiet in den Sinn kommen. Für ihre Vogelwelt ist die Region besonders bekannt: Neben dem Nemunasdelta (Memeldelta) in Litauen zählt die Kurische Nehrung zu den wichtigsten Stationen des Vogelzugs. Hunderttausende Vögel ziehen in der Herbstsaison täglich über die Nehrung, viele Arten leben und brüten aber auch hier. Bussarde, Fischadler, Finken, Meisen, Sperber, Weihen, Austernfischer, Schwäne, Enten und viele andere können je nach Saison gesichtet werden.

Wer die Vogelwelt erkunden möchte, kann in Rybatschi (Rossitten) die Vogelwarte bzw. die Feldstation Fringilla (lateinisch für Buchfink) besuchen. Die alte Vogelwarte wurde 1901 von dem Theologen und Ornithologen Johannes Thienemann gegründet. Die Feld-Station Fringilla liegt südlich von Rybatschi – hier werden die Vögel mit reusenartigen Netzen gefangen, um sie zu zählen und zu beringen. Besucher sind willkommen. Fernglas nicht vergessen!

Aber auch jenseits der Vogelwelt ist die Kurische Nehrung mit ihren fantastischen Dünen, den Kiefernwäldern, dem beschaulichen Haff auf der einen und der Ostsee-Küste auf der anderen Seite erkundenswert. Zwischen Seledogradsk (Cranz) und der russisch-litauischen Grenze liegt der Nationalpark Kurschskaja Kossa. Viele Urlauber hoffen, einen Elch zu Gesicht zu bekommen. Von diesen leben mittlerweile wieder einige auf der Nehrung. Aber auch Wildschweine und Biber können entdeckt werden.

Für Wanderungen und Tierbeobachtungen in einsamer Landschaft ist auch die Elchniederung sehr geeignet. Dieses abgelegene Fleckchen Erde im Grenzgebiet von Russland und Litauen grenzt im Westen an das Kurische Haff. Die Landschaft ist geprägt von Mooren, Flüssen, Wäldern, Wiesen und Sümpfen. Sie beherbergt zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten wie etwa den Sonnentau und einige Orchideenarten. Zudem ist die Elchniederung ein Paradies für viele Vogelarten. Auch Elche können hier erspäht werden.

Ebenso steht die Rominter Heide bei Naturinteressierten auf dem Plan. Sie liegt im Südosten der Exklave. Etwa zwei Drittel der grenzübergreifenden Heide befindet sich auf russischem Territorium, ein Drittel auf polnischem. Einsame Wald- und Heideflächen und der Fluss Rominte (Krasnaja) locken Naturverbundene in das ehemalige Jagdgebiet der Preußen. Auch Pilzsammler kommen hier auf ihre Kosten: Die Rominter Heide ist berühmt für ihre Steinpilze.

Radurlauber

Die langen und baumgesäumten Alleen im alten Ostpreußen bilden eine herrliche Kulisse für gemächliche Radtouren. Per Rad gelangt man an Orte, die dem Städtereisenden verborgen bleiben. Gerade das einsame und weitläufige Umland Kaliningrads (Königsberg) ist eine Entdeckungstour wert. Nicht wenige Kulturgüter liegen im gesamten Oblast verteilt – man trifft auf verfallene Kirchen, Ruinen von Ordensburgen, alte Gutshöfe, hier und da ein Storchennest oder eine verlassene Dorfstelle. Außerdem haben Radreisende so Gelegenheit, mit der Bevölkerung in Kontakt zu kommen.

Ob man sich eine feste Unterkunft sucht und auf Tagesausflügen die Umgebung erradelt oder eine größere Distanz mit wechselnden Unterkünften wählt, spielt eigentlich keine große Rolle. Schön ist bei beiden Varianten, dass man die Natur dabei ausgiebig genießen kann.

Die relativ wenig befahrenen Straßen eignen sich gut für Radler. Ausgebaute Radwege sucht man hier allerdings vergebens, die Infrastruktur ist im Kaliningrader Oblast noch im Aufbau. In Planung ist die Verlängerung des Ostseeküsten-Radwegs (EuroVelo Nr. 10), der von Danzig kommend über die Kurische Nehrung, durch Nida, Klaipeda, nach Palanga und weiter nach Lettland (Liepaja) verläuft. Schon seit Jahren soll ein Radweg auch auf der russischen Nehrungsseite gebaut werden, der Selenogradsk (Russland) mit Nida (Litauen) verbindet. Es hapert noch an der Umsetzung. Aber auch so ist die Kurische Nehrung ist ein beliebtes Ziel für Radurlauber. Der Verkehr ist an den meisten Orten überschaubar, die Landschaft abwechslungsreich und sehenswert.

Aktive

Eine so herrliche Naturlandschaft wie im ehemaligen Ostpreußen bietet eine schöne Szenerie für verschiedenste Aktivitäten an der frischen Luft. Man muss aber bedenken, dass die touristische Infrastruktur noch nicht so weit ausgebaut ist, der Tourismus noch in den Kinderschuhen steckt. Somit sollte man nicht mit einem breiten Angebot an Aktivitäten oder ausführlichen Informationsmaterialien und Wanderkarten rechnen, sondern muss sich ein wenig als Pionier begreifen.

Aber eines steht fest: Badegäste und Wasserratten kommen auf der Kurischen Nehrung und in den Seebädern der Samland-Küste nicht zu kurz. Die schönen Ostsee-Strände eignen sich hervorragend für ein Bad im Meer. Nicht umsonst reisen viele Einheimische für die Ferien oder Wochenenden an und genießen die Kaliningrader „Badewanne“.

Und natürlich sind Wanderungen im gesamten Kaliningrader Gebiet sehr reizvoll. Einsame Landschaften wie die Rominter Heide, die Elchniederung oder die Kurische Nehrung laden dazu ein. Vor allem die berühmten Dünen auf der Nehrung stehen bei Wanderern im Fokus. Dabei sollte man aber darauf achten, dass man auf den Wegen bleibt und die Vegetation nicht schädigt – im Sinne des Dünenschutzes und um nicht mit russischen Grenzbeamten in Konflikte zu geraten.

Familien

Das Kaliningrader Gebiet ist vielleicht nicht auf den ersten Blick ein passendes Reiseziel für Familien mit Kindern – schließlich ist für viele die Geschichte der Region ein wichtiges Reisemotiv und Geschichte ist bekanntermaßen nicht gerade ein Lockvogel für die Jüngeren unter uns. Aber dennoch kann man hier auch als Familie wohl fühlen: Nicht nur die Gast- und Kinderfreundlichkeit der Kaliningrader Bevölkerung ist weithin bekannt, auch die weitläufige und vielerorts unberührte Natur ist ein Paradies für kindgerechte Entdeckungen. In der Elchniederung oder auf der Kurischen Nehrung auf die Pirsch zu gehen, um einen der sanften und scheuen Elche zu erspähen, kann für Kinder das reinste Vergnügen sein – zumindest, wenn die Pirsch erfolgreich verläuft.

Auf der Kurischen Nehrung warten die flachen Sandstrände der Ostsee-Küste, sie eignen sich auch für kleinere Kinder toll zum Baden und Planschen. Der feine Sand lädt zum Burgenbauen ein, das Wasser erwärmt sich im Sommer relativ schnell.

Im Kaliningrader Stadtgebiet gibt es ebenfalls kindgerechte Angebote: Im großen Kulturpark Kalinin östlich der Altstadt locken Riesenrad und Karussells Spielwütige zum Austoben. Der Kaliningrader Zoo, der bereits 1895 eröffnet wurde, beherbergt unter anderem Löwen, Bären und Elefanten und ist eine schöne Abwechslung für Kinder in der ansonsten manchmal tristen Stadt.

Außerhalb Kaliningrads gibt es zum Beispiel auf der alten Ordensburg Schaaken für Kinder die Möglichkeit, das Leben der Ritter hautnah zu erleben. Da wird selbst Geschichte für die Kleinsten interessant.

Erholungssuchende

Vor allem die Ostsee-Küste ist berühmt für ihre Erholungsorte. Wer die frische Seeluft und die ein oder andere Kur- oder Wellness-Behandlung genießen will, der ist hier genau richtig.

Die Kurische Nehrung bietet eine vielerorts unberührte Natur, frische Seeluft und zahlreiche interessante Orte. Wer ausspannen und die Natur genießen möchte, ist an diesem beschaulichen Platz genau richtig. Auf Spaziergängen und Wanderungen kann man den Ausblick auf Haff und Ostsee, die herrliche Dünenlandschaft und die luftigen Kiefernwälder in vollen Zügen genießen. Wer etwas Bewegung sucht, kann auf Radtouren, beim Nordic Walking am Ostsee-Strand oder auf ausgedehnten Spaziergängen Energie tanken.

Die alten Seebäder Cranz oder Rauschen an der Samland-Küste, heute Selenogradsk und Swetlogorsk genannt, waren schon in früheren Jahrhunderten für ihren Erholungswert bekannt. Gegen Ende des 19. Jahrhundert, als die Seebäder mit der Bahn an Königsberg angeschlossen wurden, entwickelte sich entlang der Küste ein ausgeprägter Erholungstourismus. Vor allem Swetlogorsk bietet mit guten Hotels, Wellness- und Kurangeboten eine gute Möglichkeit für einen Erholungsurlaub im Zeichen der Gesundheit.

Russen haben übrigens eine ausgeprägte Sauna-Kultur. Typisch ist eine Dampfsauna, die Banja, bei der verschiedene Aufgüsse zum Einsatz kommen. Traditionelle Saunaruten (klassischerweise aus Birke) unterstützen den Sauna-Prozess. Einige der Hotels und Unterkünfte im Kaliningrader Gebiet stellen ihren Besuchern Saunen zur Verfügung.


Typisch Kaliningrader Gebiet

Die Assoziationen mit dem Kaliningrader Gebiet sind facettenreich. Klar: Ostpreußen und die deutsche Vergangenheit – daran denken viele zuerst. Königsberger Klopse, der große Philosoph Immanuel Kant, Bernstein – das fossile Harz, das in der Region reiche Vorkommen aufweist – folgen dicht darauf. Typisch Kaliningrader Gebiet!

Kulinarik

Die osteuropäische Küche gilt als deftig und äußerst schmackhaft – so auch die Küche des ehemaligen Ostpreußen bzw. des heutigen Kaliningrader Gebietes. Es wird gerne Brot, Fleisch, Suppe oder Eintopf gegessen – deftig eben.

Klar, Königsberger Klopse kommen vermutlich jedem in den Sinn, der an die Küche des ehemaligen Ostpreußen und heutigen Russland denkt. Die gekochten Fleischklöße mit Kapern in heller Soße werden meist mit Reis oder Kartoffeln und eingelegter Roter Bete gereicht.

Borschtsch zählt wohl zu den berühmtesten russischen Gerichten und ist in ganz Osteuropa verbreitet. Es handelt sich um eine Suppe aus Roter Bete, die häufig mit saurer Sahne serviert wird. Und die russische Suppe Okroschka (kalt!) besteht aus Sauerrahm, Gurke, Ei und Kartoffeln. Pelmeni sind mit Hackfleisch oder auch Pilzen gefüllte Maultaschen.

Bekannt aus der russischen Küche sind natürlich auch die Pfannkuchen, genannt Bliny, die oft mit Lachs, Kaviar und/oder saurer Sahne gereicht werden. Es gibt sie aber auch in der süßen Variante – gefüllt mit Marmelade.

In früheren Zeiten gab es einmal ein Gericht namens Königsberger Fleck, eine Art Eintopf aus Rindermagen. Dieser findet sich heute aber nicht mehr auf den Speisekarten.

Bernstein

Bernstein, das fossile Harz von Nadelbäumen, das durch eine Jahrmillionen dauernde Verhärtung zu einem Stein gepresst wird, ist eng mit der Ostsee-Küste verknüpft. Hier gibt es die reichsten Vorkommen. In Jantarny (Palmnicken) gibt es sogar eine Bernsteinmine, hier wird der schimmernde Stein in Tage- und im Tiefbau gefördert.

Vermutlich stammt der baltische Bernstein aus einem erdgeschichtlichen Bernsteinwald. Es existieren aber keine gesicherten Belege über dessen Standort, sein genauer Ursprung ist somit nicht eindeutig geklärt.

Bernstein kann im ganzen Kaliningrader Gebiet, wie auch in den Nachbarländern Polen und Litauen, käuflich erworben werden – meist zu Schmuck oder Kunsthandwerk verarbeitet oder als „pure“ Steine. Sie sprechen mit ihrer warmen Farbe und dem schimmernden Effekt die Sinne an. Seine Farbe kann von weiß über gelb bis rot, rotbraun bis grünlich variieren. Manche Steine sind trüb, manche sind glasklar. Bernstein mit sogenannten Inklusionen ist besonders begehrt. Inklusionen sind Einschlüsse von Insekten oder anderen tierischen und pflanzlichen Überresten sowie von Wasser oder Luft. Manchmal sind die Einschlüsse noch genau zu erkennen – ein kleine Mücke oder Fliege, die von der Verharzung überrascht wurde und nun Aufschluss über die Lebewesen vergangener Zeiten gibt.

An den Stränden der Nehrung und der Samland-Küste können Urlauber selbst auf die Suche nach dem mystischen Stein gehen.

Übrigens: Das legendäre Bernsteinzimmer, das mittlerweile als Replik im St. Petersburger Katharinen-Palast zu sehen ist, befand sich gegen Ende des Zweiten Weltkriegs im Königsberger Schloss. Seit dem Ende des Weltkrieges gilt es als verschollen.

Deutsche Spuren

„Heimwehtourismus“ wird es gerne genannt, wenn Menschen auf den Spuren ihrer Wurzeln in das ehemalige Ostpreußen reisen. Viele der älteren Reisenden wurden hier geboren, suchen ihre Heimat oder die Heimat ihrer Eltern auf.

Wenngleich sich die sowjetischen Machthaber bemüht haben, alles Deutsche aus dem heute russischen Gebiet zu verbannen, so gibt es noch zahlreiche Zeugnisse der deutschen Vergangenheit.

Architektonisch zählt vermutlich der Königsberger Dom zu den bekanntesten Bauwerken. Auch die Stadttore des alten Königsberg sind größtenteils noch erhalten. Das Königsberger Schloss, dessen Kriegsruinen unter Leonid Breschnew gesprengt wurden, ist zwar nicht mehr als solches erhalten, aber Ausgrabungen legten das Fundament frei und förderten zahlreiche Exponate zutage. Um die Finanzierung und Durchführung der Restaurierungsarbeiten ranken sich, seit der Initiator – das Nachrichtenmagazin Der Spiegel – aus dem Projekt ausgestiegen sind, immer wieder Unklarheiten. Außerdem gab und gibt es ständig Diskussionen darum, das Schloss neu zu errichten.

Weiterhin sind viele Kirchen zerstört oder verfallen lassen worden. Oder sie wurden ganz pragmatisch als Lagerräume anderweitig genutzt. Auf jeden Fall wurde Kirche und Glaube zur Zeit der Sowjetunion aus dem täglichen Leben verbannt.

Das Denkmal für das Massaker am Strand von Palmnicken, wo 1945 mehrere tausend KZ-Häftlinge ins Meer getrieben und erschossen wurden, erinnert auch an die Schattenseiten der Region im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg – an Krieg, Vertreibung und Tod. Königsberg und sein Umland waren vor allem 1944 und 1945 Schauplatz von Bombardierungen, Kämpfen und Gräueltaten an der Zivilbevölkerung.

Die alten deutschen Namen der Städte und Dörfer – Königsberg, Insterburg, Tilsit, um nur einige zu nennen – wurden ab 1946 durch russische Namen ersetzt. Jedoch wurden die alten, deutschen Namen nicht vergessen und werden, gerade von älteren Menschen, heute noch immer verwendet.

Immanuel Kant

Einer der großen Denker des 18. Jahrhunderts, der deutsche Philosoph Immanuel Kant, wurde in Königsberg geboren. Gerne schmückt sich die Stadt mit seinem Namen.

Kant, der 1724 in Königsberg geboren wurde, studierte und lehrte an der Königsberger Albertina. Er starb im Alter von 80 Jahren 1804 in Königsberg und wurde im sogenannten Professorengewölbe an der Nordseite des Königsberger Doms begraben. Der Grabstätte soll es zu verdanken sein, dass die Kriegsruinen des Königsberger Doms nicht abgerissen wurden. Das Grab Kants wird traditionell gerne von Brautpaaren besucht.

Das 1864 in Königsberg aufgestellte Kant-Denkmal ist seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs verschwunden. In den Kriegswirren wurde es zum Schutz auf den Familiensitz der Gräfin zu Dönhoff in Friedrichstein nahe Königsberg verlegt. Nach dem Krieg war es jedoch verschwunden. Unter anderem auf Initiative von Marion Gräfin Dönhoff wurde eine Nachbildung in den 1990er-Jahren vor der Universität in Kaliningrad aufgestellt.

 
Gedenktafel Immanuel Kant

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