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Reiseführer Estland

Tere tulemast! Herzlich willkommen! Das kleinste und nördlichste der baltischen Länder heißt seine Besucher auf unkomplizierte Art willkommen, hanseatisch unaufdringlich und gleichzeitig offen und liebenswürdig.

Die Vielseitigkeit ist es, die Estland als Reiseziel so interessant macht. Geschichts- und Kulturinteressierte auf den Spuren der Ordensritter werden ebenso begeistert sein wie Naturfreunde, Familien oder Radurlauber, die auf den wenig befahrenen Straßen die Nordküste des Landes erkunden möchten.

Allgemeines

Estland hat eine bewegte Vergangenheit, die geprägt ist von Unterdrückung und Fremdherrschaft. Deutsche, Schweden, Russen – zahlreiche Nationen hinterließen ihre Spuren in der estnischen Geschichte, die vielerorts noch zu sehen und zu spüren sind. Seit der Unabhängigkeit 1991 hat sich einiges geändert: Estland präsentiert sich fortschrittlich und der Welt zugewandt. Viele Esten sprechen hervorragend Englisch, moderne Kommunikation und eines der dichtesten WLAN-Netze in Europa sind Alltag, und seit 2011 gehört der Staat zur Eurozone.

Das Land, das nicht einmal so groß ist wie Niedersachsen, bietet eine vielseitige Landschaft: mit Findlingen gesprenkelte Strände, eine schroffe Glintküste, Moore, Feuchtgebiete und tiefe Wälder ebenso wie den weitläufigen Peipussee, der die Grenze zu Russland bildet. Die Natur lädt zum Durchatmen ein. Selbst in der Hochsaison hat man nicht den Eindruck, dass Estland überlaufen ist. In zahlreichen Nationalparks kann man die Tier- und Pflanzenwelt entdecken, seltene Vogelarten beobachten, mit etwas Glück einen Elch erspähen und Spaziergänge, aber auch ambitionierte Wanderungen unternehmen.

Im Gegensatz zu der einsamen Landschaft stehen die Städte mit ihrem geschichtsträchtigen Erscheinungsbild und dem reichen Kulturangebot. Die Hauptstadt Tallinn bildet das Zentrum des Landes und ist Besuchermagnet. In der Altstadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, fühlt sich der Besucher wie in einer anderen Zeit. Hier ist alles aus einem Guss: Das mittelalterliche Stadtbild mit grundsoliden Stadtmauern, massiven Wehrtürmen und Kopfsteinpflastergassen wird ergänzt durch Stadtführer, die in historischer Kluft über den Marktplatz schlendern. In den Restaurants bestellt man Honigbier und Wildschwein … Aber auch andere Städte lassen Geschichte spüren. Die Universitätsstadt Tartu wurde bereits 1030 urkundlich erwähnt und ist damit die älteste Stadt der baltischen Länder. Sie ist geistiges Zentrum Estlands und wartet mit einem großen Kulturangebot auf: Museen, Theater, Konzerte und Festivals gilt es hier zu besuchen. Pärnu, an der Westküste gelegen, ist die Sommerhauptstadt Estlands. Schmucke Holzvillen, gepflegte Parkanlagen, pittoreske Gässchen und der lange Sandstrand prägen das Bild und machen das Seebad zu einem beliebten Touristenziel.

Der Leichtigkeit der Sommerresidenz stehen die trutzigen Burgen und Festungen gegenüber. Die Ordensburgen, wie etwa jene von Rakvere, stehen als Symbol für eine Christianisierung, die im 13. Jahrhundert durch den Schwertbrüderorden und den Deutschen Orden stattfand. Und auch die zahlreichen Gutshöfe und Herrenhäuser sind wichtige Kulturdenkmäler Estlands. Einige wurden restauriert und beherbergen heute Hotels – so zum Beispiel der Gutshof von Palmse im Lahemaa Nationalpark.

Geografie

Estland liegt im Nordosten Europas an der Ostsee (auch Baltisches Meer genannt) und ist das kleinste und nördlichste Land der baltischen Staaten. Die Landesfläche beträgt etwa 45.000 Quadratkilometer, damit ist Estland nicht einmal so groß wie Niedersachsen und mit insgesamt nur 1,3 Millionen Einwohnern zudem sehr dünn besiedelt.

Es bestehen Landesgrenzen zu Russland im Osten und zu Lettland im Süden. Die Küstenlinie ist, wenn man die Inseln berücksichtigt, mehr als 3.500 Kilometer lang. Insgesamt zählt Estland etwa 1.500 Inseln, die größten und bekanntesten sind Saaremaa, Hiiumaa und Muhu.

Estland ist sehr flach, die höchste Erhebung ist der Suur Munamägi (318 Meter) im äußersten Südosten. Der Peipussee (Peipsi järv) ist der größte See des Baltikums. Seine Fläche beträgt 3.555 Quadratkilometer, das ist achtmal soviel wie der Bodensee. Er ist 140 Kilometer lang, an der breitesten Stelle misst er 50 Kilometer. Durch den Peipussee verläuft die Landesgrenze zu Russland. Das Ufer des Sees ist vor allem mit Schilf bewachsen, an der nördlichen Küste finden sich lange, einsame Sandstrände.

Estland weist trotz der kleinen Fläche zahlreiche Landschaftsformen auf: Sandstrände, Steilküsten und Inseln, Moore, Wälder, Sümpfe und Seen, Hügel- und Kulturland. Wälder bedecken mehr als 50 Prozent der Landesfläche, Moore etwa 20 Prozent. Sie bilden einen wichtigen Lebensraum für die vielfältige Flora und Fauna.

Die steile Kalksteinküste (Glintküste) im Norden ist Zeitzeuge der Erdgeschichte: Sie entstand vor Jahrmillionen aus kalkhaltigen Ablagerungen fossiler Meeresorganismen. Darin eingebettet liegt Ölschiefer, Estlands wichtigste Quelle für fossilen Brennstoff. Dieser wird vor allem in der Gegend von Kohtla-Järve im Norden des Landes abgebaut. Riesige Abraumhalden sind die weithin sichtbaren Zeugen dieses Industriezweigs.

Das Klima Estlands ist kühl-gemäßigt. Die Winter sind kalt, die Sommer mäßig warm, wobei das Thermometer durchaus auf 30 °C klettern kann. Die Durchschnittstemperatur liegt im Sommer bei 16,4 °C. Die Abende und Nächte können allerdings auch dann sehr kühl werden, sodass ein warmer Pullover bzw. eine Jacke in jedes Reisegepäck gehört. Als Urlauber sollte man stets auf einen Wetterumschwung und Regen gefasst sein. Bekannt ist Estland für die „Weißen Nächte“ – aufgrund der nördlichen Lage kann man im Juni bis zu 19 Stunden Tageslicht genießen, die ganze Nacht bleibt es dämmerig.

Fast 70 Prozent der Esten wohnen in Städten. Die Hauptstadt Tallinn, die auch unter dem alten Namen Reval bekannt ist, hat etwa 400.000 Einwohner und liegt an der Nordküste. Sie ist Touristenmagnet und Wirtschaftszentrum. Weitere bedeutende Städte sind die Universitätsstadt Tartu (100.000 Einwohner), Narva (65.000 Einwohner) im äußersten Nordosten, Kohtla-Järve (45.000 Einwohner) und das Seebad Pärnu (45.000 Einwohner).



Natur

Estland hat sich dem Schutz seiner Natur verschrieben: Ein Viertel des Landes steht unter Naturschutz. In fünf Nationalparks sowie zahlreichen Natur- und Biosphärenreservaten kann der Besucher die Flora und Fauna erkunden. Und das lohnt sich.

Etwa die Hälfte Estlands ist bewaldet. In den tiefen Wäldern des Landes kann man mit etwas Glück Luchse, Hirsche, Wildschweine, Elche oder auch Wölfe erspähen. In den Urwäldern von Alutaguse leben sogar an die 100 Bären.

Etwa 90 heimische Baumarten zählt das baltische Land. Kiefern, Fichten, Erlen, Espen und Birken – letztere sind ein Wahrzeichen Estlands – sind die dominantesten. Im Sommer wachsen in der Krautschicht leckere Beeren, die von Einheimischen gesammelt und auf den Märkten oder an kleinen Straßenständen feilgeboten werden.

Die Moore, die etwa 20 Prozent der Landesfläche ausmachen, sind ein wichtiger Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Nicht entgehen lassen sollte man sich eine Wanderung durch eines der Feuchtgebiete. Im Soomaa Nationalpark etwa kann man einem Rundweg folgen. Auf Bohlenplanken führt ein mehrsprachig beschilderter Naturlehrpfad den Besucher trockenen Fußes durch die Landschaft, ein Aussichtsturm erlaubt einen schönen Rundblick. Der Farbkontrast tiefschwarzer Seen, farbiger Heidegewächse, tiefgrüner Gräser, roter Preiselbeeren und bunt schimmernder Libellen ist atemberaubend. Die vollkommene Stille ergänzt das Erlebnis. In den estnischen Mooren kann man sogar fleischfressende Pflanzen entdecken: Der Rundblättrige Sonnentau wächst hier.

Das Land verfügt über eine sehr lange Küstenlinie, die ganz besonderen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum bietet. Ostsee-Strandläufer, Schnepfen und die seltene Kreuzkröte leben hier. Bei einer Bootstour in der Inselwelt können dem Besucher Grau- und Ringelrobben begegnen. Zudem prägt das Meer eine Landschaft, in der seltene Orchideen gedeihen.

Vogelkundler zieht es ganz besonders nach Estland, mehr als 370 Vogelarten lassen sich hier beobachten. Im Frühjahr machen die Zugvögel – aus Süden kommend – im Westen des Landes Rast, im August treten sie den umgekehrten Weg an. Der Matsalu Nationalpark an der Westküste ist ein Mekka für Ornithologen, er beherbergt zahlreiche Brut- und Zugvögel. Nonnengänse etwa machen hier Station, im Herbst rasten Kraniche in dem Nationalpark. Die beste Zeit für Vogelbeobachtungen ist Mitte Mai, dann erreicht der Vogelzug seinen Höhepunkt.

In den Wäldern oder Mooren kann der naturinteressierte Besucher Eulen, Auerhähne, aber auch Stein- und Fischadler beobachten, ebenso Weiß- und Schwarzstörche. Übrigens: Die Rauchschwalbe ist der Nationalvogel Estlands.

Estland ist äußerst dünn besiedelt, die Natur spielt eine große Rolle. Beste Bedingungen also für Naturinteressierte, Vogelkundler, Wanderer, Radfahrer oder Erholungssuchende, die Weite der Natur zu genießen. Nähere Informationen zu den Nationalparks Estlands finden Sie unter den Reisezielen.

Informationen u.a. aus der Broschüre „Faszinierende Vielfalt. Urlaub und Natur in Estland“ finden Sie beim Fremdenverkehrsamt Estland unter www.visitestonia.com/de/uber-estland/broschueren*

 

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Kultur

Fremdherrschaften haben die estnische Kultur deutlich mitgeprägt. Architektur, Kunst und Brauchtum blieben davon nicht unberührt. Trutzige Ordensburgen, orthodoxe Kirchen mit Zwiebeltürmen, schmucke Bäderarchitektur, eine von verschiedenen Nationen beeinflusste Küche und nicht zuletzt der gigantische Sängerfestplatz in Tallinn – all dies ist Ausdruck der wechselvollen Geschichte.

Die Sängerfeste (auf Estnisch: Laulupidu) sind ein nicht wegzudenkender Aspekt der estnischen Kultur. Alle fünf Jahre verwandelt sich der Sängerfestplatz in Tallinn seit 1928 zu einer Bühne für ein Musikfestival nach altem Brauchtum. Tausende Menschen pflegen die Tradition und drücken damit ihr nationales Bewusstsein aus. Beim letzten Sängerfest 2009 waren viele tausend Künstler beteiligt. Seinen Ursprung hat die Tradition in dem ersten Sängerfest in Tartu 1869, als die Esten das erste Mal für ihre Unabhängigkeit sangen. Das nächste Sängerfest findet 2019 statt – unbedingt eine Reise wert!

Ein weiterer Ausdruck estnischer Kultur ist das Kunsthandwerk. Die häufig als Souvenir angebotenen Waren aus Wolle, Textil, Ton oder Holz spiegeln estnische Traditionen wider. Die Einwohner der Insel Muhu etwa sind für das Weben traditioneller Kostüme bekannt, die auch heute noch bei besonderen Ereignissen getragen werden. Oder die sogenannten Bärenhosen: Dies sind bunte wollene Überhosen für Kinder, damit sie den kalten Wintern trotzen können. Die traditionellen Strickwaren, ihre Muster und Farben finden heute auch Eingang in die aktuelle Ethno-Mode.

So fortschrittlich Estland politisch und gesellschaftlich ist, so ist das kleine Land dies auch kulturell. Es wird nicht nur an alten Bräuchen festgehalten, sondern auch eine „moderne Kultur“ gepflegt. Festivals für moderne Musik, Kunstgalerien, Theater und Co. sind im ganzen Land präsent. Wer sich für Aktmalerei begeistert, kann in Haapsalu die Galerie des Künstlers Evald Okas besuchen. In Pärnu zeigt das Chaplin Art Center im ehemaligen Hauptquartier der Kommunistischen Partei moderne Exponate von Künstlern, die einen Hang zum Provokanten haben. Das Kondas-Zentrum in Viljandi präsentiert naive Kunst.

Zum Pflichtprogramm für Kunstliebhaber und an estnischer Kultur Interessierte gehört ein Besuch des Kunstmuseums KUMU im Tallinner Viertel Kadriorg. Das futuristische Gebäude wurde 2006 eröffnet, 2008 wurde das Museum zum besten europäischen Museum des Jahres gewählt. Gezeigt werden klassische, aber auch zeitgenössische Exponate.

Festivals, Konzerte, Ausstellungen – kulturelle Veranstaltungen spielen eine große Rolle in dem baltischen Staat. Es lohnt sich, den Veranstaltungskalender zu durchstöbern und vielleicht sogar seinen Urlaub daran anzupassen, um dem ein oder anderen Highlight beiwohnen zu können.

Für Literaturfans bietet sich ein Besuch in den beiden größten Städten Estlands an. In Tallinn findet jeden Mai das Literaturfestival „HeadRead“ statt, in Tartu im gleichen Monat das „Prima Vista Festival“. Zudem veranstaltet der Estnische Schriftstellerverband in beiden Städten wöchentlich Lesungen. Jazzfreunde können beim jährlich stattfindenden Festival „Jazzkaar“ der estnischen Jazz-Elite lauschen. Klassische Musik wird auf dem „Brigitta Festival“ in im St.-Brigitta-Kloster in Tallinns Außenbezirk Pirita dargeboten. Nähere Informationen zu Kulturveranstaltungen in Estland finden Sie beim estnischen Fremdenverkehrsamt.

Geschichte

Estland erlebte eine wechselvolle Geschichte. Zahlreiche Völker und Nationen haben sich das Gebiet im Laufe der Zeit Untertan gemacht: Wikinger, Deutsche, Schweden, Sowjets – sie haben das kleine Land besetzt, unterdrückt und dabei deutliche Spuren hinterlassen.

Erste Besiedelungen auf estnischem Gebiet finden sich bereits 9.000 v. Chr. Im 8. bis 12. Jahrhundert n. Chr. trieben die Wikinger ihr Unwesen. Ab dem 13. Jahrhundert übten Dänen und Deutsche großen Einfluss aus: Sie versuchten die Esten zum Christentum zu bekehren. Der Schwertbrüderorden und der Deutsche Orden haben mit den zahlreichen, teils noch erhaltenen Ordensburgen Zeitzeugen dieser Christianisierung hinterlassen.

Von 1558 bis 1582 tobte der Livländische Krieg – Schweden, Polen, Dänemark und Russland streiten sich um das Gebiet an der Ostsee. Die Macht ging an Schweden, ab dem 16. Jahrhundert hatte das skandinavische Volk das Sagen. Von 1700 bis 1721 stritten im Nordischen Krieg Russland, Dänemark-Norwegen, Polen-Litauen und Sachsen um die Vorherrschaft im Ostseeraum und griffen Schweden an. Russland gewann die Vormacht. Die estnische Bevölkerung wurde durch diesen Krieg stark dezimiert, vermutlich nur etwa 100.000 Esten überlebten.

Im Freiheitskrieg (1918 bis 1920) versuchte Estland von Russland mehr Autonomie zu erhalten. Im Februar 1920 kam es zum „Vertrag von Tartu“ und damit zur Unabhängigkeit Estlands. Zwischen 1939 und 1940 wurde die deutschbaltische Bevölkerung auf Grundlage des Hitler-Stalin-Paktes nach Deutschland umgesiedelt. Ab 1940 gehörte Estland zum Gebiet der UdSSR. Im Zuge des Zweiten Weltkriegs wurde Estland zwischen 1941 und 1944 erneut von den Deutschen besetzt. Darauf folgte eine erneute Besetzung durch die Rote Armee, die Zeit als Sowjetrepublik begann. Deportationen, Repressalien und Russifizierung gehörten zum Alltag.

In Estland formierten sich im Laufe der Besetzungen durch andere Nationen immer wieder Unabhängigkeitsbewegungen. Singen gehörte dabei zur estnischen Form des Protestes. 1869, zur Zeit der russischen Besatzung, fand in diesem Zusammenhang in Tartu das erste Sängerfest statt. Sängerfeste sind Ausdruck von Unabhängigkeit und Selbstbestimmung, das Anstimmen traditioneller Volkslieder ein Zeichen der Identifikation. Zur Zeit der Sowjetunion war das Singen der baltischen Hymnen verboten. Die „Singende Revolution“ führte ab 1988 zur Loslösung von der Sowjetunion. 1989 bildeten zwei Millionen Menschen eine Kette von Tallinn über Riga nach Vilnius und protestierten für die Unabhängigkeit der Baltischen Staaten. Diese Proteste und Bestrebungen wurden von den Sowjets nicht unbeachtet gelassen: Militärs schritten 1991 ein und es kam zu teils blutigen Auseinandersetzungen mit der zivilen Bevölkerung im gesamten Baltikum. Im selben Jahr wurde die Unabhängig endlich erreicht.

2004 trat Estland sowohl der NATO als auch der Europäischen Union bei. Seit 2011 gehört das Land zudem zur Eurozone.

Bevölkerung

Estland ist eine multiethnische Gesellschaft: Esten stellen von den 1,3 Millionen Einwohnern des Landes nur 69 Prozent der Gesamtbevölkerung, 26 Prozent sind Russen. Außerdem leben hier Minderheiten aus der Ukraine, Weißrussland und Finnland. 100 verschiedene Nationen leben insgesamt in dem kleinen Staat.

Das Verhältnis der Bevölkerungsgruppen untereinander ist nicht unkompliziert. Die Integration der Russen, die in der Sowjetzeit zugezogen sind oder im Zuge der Russifizierung durch die Sowjets gezielt angesiedelt wurden, bereitet Schwierigkeiten und führt zu Spannungen. Die Sprache, ein wichtiger Bestandteil der Integration, spielt dabei eine große Rolle: Noch immer spricht ein Teil der russischen Bevölkerung kein Estnisch.

Estnisch ist Amtssprache des Landes. Es gehört zur finno-ugrischen Sprachgruppe und ist damit nah verwandt mit dem Finnischen. Durch den hohen Anteil russischer Bevölkerung spielt natürlich auch Russisch eine große Rolle, vor allem in den Gebieten mit hohem russischem Bevölkerungsanteil wie etwa im Nordosten des Landes. Viele Esten sprechen und/oder verstehen heute außerdem Englisch, Deutsch oder Finnisch.

Politik

Nach der Zeit der Besatzung durch die Sowjetunion wurde Estland 1991 im Zuge eines weitgehend friedlichen Prozesses unabhängig. In diesem Zusammenhang wurde der Begriff „Singende Revolution“ geprägt: 1988 versammelten sich 300.000 Esten auf dem Sängerfestplatz in Tallinn, um für ihre politische Eigenständigkeit zu demonstrieren und durch das Singen der bis dahin verbotenen estnischen Hymne und traditioneller Volkslieder diese zu unterstreichen.

Heute ist das Land eine parlamentarische Republik (offiziell: Republik Estland). Staatsoberhaupt ist der Präsident, der für fünf Jahre gewählt wird. Die Regierung wird aus dem Premierminister und den Ministern gebildet. Dem Parlament gehören 101 Abgeordnete an. Eine Legislaturperiode beträgt vier Jahre. In dem fortschrittlichen Land kann man persönlich, aber auch per Internet und seit 2011 sogar per SMS abstimmen. Wahlberechtigt sind Esten ab 18 Jahren.

Seit 2004 gehört Estland der Europäischen Union an, seit 2007 auch dem Schengen-Raum. 2011 hat Estland als erster der baltischen Staaten den Euro eingeführt.

Relegion

Religion spielt in Estland keine so große Rolle wie in den Nachbarstaaten. Viele Esten sind konfessionslos, nur etwa 30 Prozent gehören einem Glauben an. Dabei hat die evangelisch-lutherische Kirche die größte Bedeutung – ihr gehören etwa 13 Prozent der Gesamtbevölkerung an – dicht gefolgt von der orthodoxen Glaubensrichtung.

In Estland leben noch etwa 15.000 Altorthodoxe, die auch Altgläubige genannt werden. Dieser Glaubenszweig entstand im 17. Jahrhundert im Zuge einer Kirchenreform durch Patriarch Nikon. Ablehner dieser Reform begründeten den „Alten Glauben“. Sie wurden von der russischen Kirche ausgeschlossen und verfolgt. So gibt es am Ufer des Peipussees noch heute einige Gemeinden, zum Beispiel in dem Ort Kolkja. Besuchern wird in einem kleinen Museum das Leben der Altgläubigen nähergebracht, auch ihre Kirchen kann man hier besichtigen.


Reiseziele

Ob moderne Metropole, ruhiger Kurort oder einsame Natur – Estland bietet ein großes Angebot unterschiedlichster Reiseziele. So werden Shoppingtouristen in Tallinn sicher nicht enttäuscht, Erholungssuchende können in Pärnu, Haapsalu oder auf den estnischen Inseln entspannen, Naturfreunde finden in den Nationalparks Lahemaa oder Soomaa eine wundervolle Kulisse zum Wandern und für Tierbeobachtungen. Die Vielfalt ist es, die in Estland begeistert!

Tallinn

Die Hauptstadt Tallinn, früher bekannt unter dem Namen Reval, bildet das Zentrum des Landes und ist Besuchermagnet. Sie ist Dreh- und Angelpunkt, reisen doch die meisten Estland-Urlauber über Tallinn ein. Für eine europäische Hauptstadt ist Tallinn mit gerade einmal 400.000 Einwohnern vergleichsweise klein. Aber dieses fast familiäre Erscheinungsbild macht unter anderem ihren Reiz aus. Tallinn kann man in nur wenigen Tagen ganz gut kennenlernen, sodass sich auch ein verlängertes Wochenende für einen Städtetrip lohnt. Gleichzeitig gibt es aber so viele schöne Ecken, Besonderheiten und Eigentümlichkeiten zu entdecken, dass man auch eine Woche in der Stadt am Finnischen Meerbusen verbringen kann, ohne sich zu langweilen.

Tallinn hat Flair: Das gut erhaltene mittelalterliche Stadtbild mit seinen verwinkelten Kopfsteinpflastergassen, grundsoliden Stadtmauern, massiven Wehrtürmen und spitzgiebeligen Kaufmannshäusern ist hübsch anzusehen. Stadtführer schlendern in historischer Kluft über den Marktplatz, in kleinen Geschäften werden traditionelle Handwerkskunst und Wollwaren verkauft, mittelalterlich anmutende Restaurants mit Namen wie Olde Hanse oder Peppersack offerieren Wildschweingerichte, deftiges Knoblauchbrot und Honigbier. In der Altstadt, die seit 1997 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, fühlt sich der Besucher in eine andere Zeit versetzt.

Das historische Tallinn bestand eigentlich aus zwei Stadtteilen: Auf dem Domberg residierten Geistliche und Adelige. In der Unterstadt lebte die Stadtbevölkerung, Kaufleute und Handwerker.

Zeit nehmen sollte man sich für einen Rundgang durch die Altstadt. Wir beginnen in der Unterstadt, am Rathausplatz: Hier findet seit vielen Jahrhunderten das öffentliche Leben statt. Restaurants und Cafés säumen den Platz, hier werden Feste, Märkte und Open-Air-Veranstaltungen abgehalten. Das hübsche Rathaus, erstmals 1322 erwähnt, thront mit seiner spätgotischen Fassade über der Szenerie. Wer möchte, kann über eine schmale Wendeltreppe in den Turm steigen und wird mit einem tollen Ausblick belohnt. Schräg gegenüber des Rathauses kann man die Rathausapotheke von 1422 bewundern – eine der ältesten Apotheken überhaupt.

Ein ständiger Begleiter bei der Besichtigung ist die alte, massive Stadtmauer. Sie entstand im 13. Jahrhundert. Heute sind noch immer viele der Türme erhalten. „Kiek in de Kök“ wird ein alter, sehenswerter Kanonenturm aus dem 15. Jahrhundert genannt. Heute beherbergt er das Museum zur Stadt- und Militärgeschichte. Die „Dicke Margarethe“, ein alter Wehrturm mit 25 Meter Durchmesser, beherbergt das Museum für Seefahrt. Zu „ihren Füßen“ findet sich das Denkmal „Katkenud liin“ (Unterbrochene Linie) – es ist den 852 Opfern des Untergangs des Fährschiffs Estonia 1994 gewidmet.

Die Viru-Pforte im Südosten der Altstadt ist noch als eine der beiden erhaltenen Stadtpforten zu bewundern. Ganz in der Nähe der Viru-Pforte findet täglich der Wollmarkt statt, auf dem Textilien und Kunsthandwerk verkauft werden. Die Pikk ist eine Straße, der man in Ruhe folgen sollte: Hier befinden sich die Gildehäuser. Im Schwarzhäupterhaus etwa residierten unverheiratete deutschstämmige Kaufleute. Die Fassade des hübschen Gebäudes ist im Stil der niederländischen Renaissance gehalten.

Nun in die Welt der Geistlichen und Adeligen: auf den Domberg. Hier ist das Schloss Tallinns zu besichtigen, heute Sitz des Parlaments. Das Gebäude hat sein jetziges Erscheinungsbild durch Umbaumaßnahmen unter Zarin Katharina II. im 18. Jahrhundert erhalten. Die benachbarte Alexander-Newski-Kathedrale entstand Ende des 19. Jahrhunderts. Die Zwiebeltürme, ein durchweg russisches Architekturmerkmal, versinnbildlichen die Russifizierung Estlands. Vom Domberg hat man von einer Aussichtsplattform einen tollen Ausblick auf die Unterstadt.

Neben dem Mittelalterflair, dem Pittoresken und Verträumten gibt es aber auch ein anderes Tallinn: Außerhalb der Stadtmauern pulsiert das moderne Wirtschaftszentrum, weiter außerhalb in den Außenbezirken zeugen marode Wohnblöcke von der Zeit des Sozialismus. Eine Seite Tallinns, die man kaum vermuten mag, wenn man erst einmal in die hübsche Altstadt eingetaucht ist.

Außerhalb der Altstadt gibt es aber dennoch einiges Sehenswertes: Der Vorort Kadriorg entstand durch den Zaren Peter I., der hier eine Sommerresidenz errichten ließ – das Schloss Katharinental. Rund um das Schloss entstand ein vornehmes Viertel mit schmucken Holzhäusern. In der weitläufigen Parkanlage, das Schloss umgebend, ist auch das Estnische Kunstmuseum Kumu zu finden.

Für einen schönen Blick auf Tallinn kann man nach Pirita fahren. Hier liegt der Jachthafen und an dem Sandstrand sonnen sich die Esten bei schönem Wetter, Kiten oder Surfen bei gutem Wind.

Tipp: Wer es lieber etwas ruhiger mag, sollte Tallinn unter der Woche besuchen. Am Wochenende fallen unzählige Urlauber ein, unter anderem viele Finnen (Helsinki ist nur 80 Kilometer entfernt), die dem kostengünstigen Alkohol frönen, und machen Tallinn zur Party-Stadt.

Tartu

Die Universitätsstadt Tartu wurde bereits 1030 urkundlich erwähnt und ist damit die älteste Stadt der baltischen Länder. Die zweitgrößte Stadt Estlands liegt am Ufer des Emajõgi. Tartu, ehemals auch Dorpat genannt, ist geistiges Zentrum Estlands und wartet mit einem großen Kulturangebot auf. Museen, Theater, Konzerte und Festivals gilt es hier zu besuchen. 1869 fand in Tartu das erste estnische Sängerfest statt. Kunst und Wissenschaft sind allgegenwärtig.

Die Universität von Tartu wurde bereits 1632 gegründet und ist damit eine der ältesten Universitäten Nordeuropas. Zahlreiche Studenten prägen noch heute das Stadtbild. Das prunkvolle, klassizistische Hauptgebäude der Universität entstand Anfang des 19. Jahrhunderts. In der Aula finden Konferenzen und, dank der sehr guten Akustik, Konzerte statt.

Das frühklassizistische Rathaus von 1786 liegt am Marktplatz, dem Mittelpunkt der Stadt. Es ist bereits das dritte Gebäude, seine Vorgänger wurden durch Brände zerstört. Hier befindet sich auch der Brunnen, an dem man seit 1998 den sich küssenden Studenten begegnet – die Skulptur ist mittlerweile ein Wahrzeichen Tartus geworden. Entlang des Marktplatzes reihen sich Restaurants und Cafés. Hier kann man einkehren und sich für die weitere Besichtigung stärken. Das Café Pierre Chocolaterie zum Beispiel bietet ein herrliches Ambiente und köstliche (Schokoladen)Kuchen. Wer experimentierfreudig ist, kann eine heiße Schokolade mit Gorgonzola und Grappa kosten.

Der Domberg liegt auf der Rückseite von Universität und Rathaus. Die Ruine der Domkirche beherbergt heute das Historische Museum der Universität Tartu. In dem umgebenden Park finden sich Denkmäler berühmter Bürger. Über die Engelsbrücke oder die Teufelsbrücke gelangt man weiter zur Sternwarte sowie zum anatomischen Theater. Der Domberg erlaubt einen herrlichen Ausblick auf die Unterstadt.

Rakvere

Die Stadt Rakvere ist vor allem für seine Ordensburg berühmt. Sie liegt im Norden Estlands, nur 20 Kilometer vom Meer entfernt und nahe des Lahemaa Nationalparks. Erste Besiedlungen lassen sich bereits für das 2. bis 5. Jahrhundert n. Chr. nachweisen. 1226 wurde erstmals ein hölzernes Schloss erwähnt, das auf einem Berg nahe der Siedlung stand. Die Ruinen der Festung wurden im Laufe der Geschichte erweitert und nach dem Livländischen Krieg durch eine mächtige Burg aus Stein ersetzt. Die Burg Wesenberg ist allemal einen Besuch wert: Hier können Besucher ins Mittelalter eintauchen, die Folterkammer besichtigen, sich im Bogen- und Armbrustschießen versuchen, historische Gerichte probieren, Schmieden und Töpfern. Ein Erlebnis für die ganze Familie!

Die Skulptur des Auerochsen Tarvas ist das Wahrzeichen der Stadt, sie wurde von dem estnischen Bildhauer Tauno Kangro erschaffen. Der Legende nach bringt sie jenen Glück, die die Hoden des Tieres berühren.

Rakvere gibt sich aber auch zeitgemäß, werden hier doch seit einiger Zeit Punk- und Rockmusikfestivals angehalten. Außerdem findet hier alle zwei Jahre das Theaterfestival Baltoscandal statt. Der Zentrale Platz Rakveres hat sein modernes Erscheinungsbild seit 2004. Hier steht auch eine Skulptur zu Ehren des Bürgers Arvo Pärt, einem bedeutenden estnischen Komponisten.

Viljandi

Im südlichen Estland liegt die kleine Stadt Viljandi, eingebettet in eine wunderschöne Hügellandschaft mit alten Bäumen und einem See. Viljandi ist geprägt durch die mächtige Ordensburg, von der heute nur noch eine Ruine erhalten ist. Von hier hat man einen wunderschönen Blick auf den See. Die Steinfestung wurde 1224 errichtet, letztendlich fertiggestellt aber erst im 16. Jahrhundert. Sie war die größte Festung Livlands, wurde durch Kriege aber weitgehend zerstört. In der Altstadt befindet sich die Johanniskirche, die im Livländischen Krieg zerstört und dann wieder aufgebaut wurde.

Viljandi ist Hauptstadt der Volksmusik. Am letzten Juli-Wochenende wird ein Festival begangen: In den Burgruinen, Kirchen und an anderen Orten rund um Viljandi finden mehr als 100 Konzerte statt. Weitere Veranstaltungen sind etwa das Puppertheaterfestival „Theater im Koffer“, die Hansetage, das Festival für Frühe Musik – für Freunde von Festivals gibt es hier viel zu erleben.

Das Herrenhaus Olustvere liegt ein paar Kilometer nördlich von Viljandi. Das Hauptgebäude ist im Jugendstil errichtet. Die Nebengebäude bieten Möglichkeiten zur Besichtigung: Zu sehen sind die Woll- und Handwerksstube, die Schmiede und eine Branntweinfabrik. Der Herrenhauskomplex liegt eingebettet in eine im englischen Stil gehaltene Parkanlage.

Pärnu

Pärnu, an der Westküste gelegen, ist die Sommerhauptstadt Estlands. Schmucke Holzvillen, gepflegte Parkanlagen, pittoreske Gässchen und der lange Sandstrand prägen das Bild und machen das Seebad zu einem beliebten Touristenziel.

Pärnu ist bekannt als Ort der Erholung. Seit der Entdeckung des Heilschlamms und der Eröffnung der ersten Badeanstalt im 19. Jahrhundert erholen sich hier Kurgäste vor allem aus Estland, Finnland, Schweden und Deutschland. Der Zweite Weltkrieg hat in dem Seebad seine Spuren hinterlassen. Nach dem Wiederaufbau nutzten vor allem Russen die Vorzüge Pärnus zu Erholungszwecken.

Die Atmosphäre in der Stadt ist einem Kurort entsprechend ruhig und gediegen – vor allem natürlich im Kurviertel entlang der Küste. Hier befinden sich unter anderem der alte Kursaal (1880 erbaut) – heute ein Restaurant – und die Schlammbadeanstalt.

Im Stadtzentrum kann man das klassizistische Rathaus, die barocke Katharinenkirche sowie den Roten Turm, einen im 15. Jahrhundert erbauten Gefängnisturm, besichtigen. Die Rüütli ist die Einkaufsstraße Pärnus, eine Fußgängerzone, durch die man wunderbar schlendern kann.

Haapsalu

Der Küstenkurort Haapsalu ist das ideale Ziel für Erholungssuchende: Spa-Hotels, frische Seeluft, eine kleine Altstadt mit verwinkelten Gässchen und ein schöner, weitläufiger Strand. Schon 1825 wurde das erste Heilschlammbad in Haapsalu eröffnet, seitdem war der Ort auch von den russischen Zaren als Kurort geschätzt. Bunte Holzhäuser, Jugendstilvillen, ein schmucker, historischer Bahnhof, der schöne Kursaal von 1898 – all dies trägt zur nostalgischen Atmosphäre Haapsalus bei.

Zu besichtigen gibt es etwa die massive Domkirche von 1279, die größte einschiffige Kirche im Baltikum. Während der Sowjetzeit wurde sie als Getreidespeicher genutzt. Sie liegt auf dem Gelände der alten Bischofsburg, die von insgesamt 800 Metern massiver Mauer umschlossen ist. Das Ensemble befindet sich mitten in der Altstadt.

Wer ein Souvenir aus Haapsalu haben möchte, kann ein „Wunder aus Spitze“ erwerben. Unter diesem Namen sind die handgefertigten Schultertücher Haapsalus bekannt. In Haapsalu verbrachte übrigens die Illustratorin der Kinderbücher Astrid Lindgrens, Ilon Wikland, ihre Kindheit. 1944 emigrierte sie nach Schweden.

Narva

Narva ist der nordöstliche Außenposten von Estland, es ist die Grenzstadt zu Russland und damit gleichzeitig EU-Außengrenze. In Narva werden die ethnischen Konflikte Estlands deutlich, etwa 90 Prozent der Bevölkerung hier sind Russen, viele von ihnen sprechen kein Estnisch. Lebten sie früher quasi an einer Lebensader innerhalb der Sowjetunion, an der Brücke über den Fluss Narva, ist ihre Stadt heute von Russland abgeschnitten.

Die Hermannsfeste ist Narvas wichtigste Sehenswürdigkeit. Sie wurde im 13. Jahrhundert von den Dänen errichtet, später diente sie als Ordensburg. Die Festung ist sehr gut erhalten und kann täglich besichtigt werden. Im Innern befindet sich ein Museum zur Geschichte Narvas und der Festung. Vis-à-vis zur Hermannsfeste, am rechten Ufer der Narva, liegt die russische Festung von Iwangorod aus dem 15. Jahrhundert.

Insel Saaremaa

Die größte Insel Estlands heißt Saaremaa und liegt im Westen des Landes. Sie ist auch unter dem deutschen Namen Ösel bekannt. Steinmauern aus Findlingen, Schilfdachhäuser und Bockwindmühlen prägen das Erscheinungsbild.

Etwa 35.000 Einwohner hat Saaremaa, die meisten davon sind Esten. Durch die isolierte Lage hat die Russifizierungspolitik der Sowjets hier kaum gegriffen. Zudem war Saaremaa während der Sowjetzeit Sperrgebiet.

Die Hauptstadt der Insel, Kuressaare (früher Arensburg), präsentiert sich mit einer mittelalterlichen Burg. Die nahezu unversehrte Bischofsburg liegt im heutigen Stadtpark. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts wurde der „Lange Hermann“, der zentrale Turm der Anlage, erbaut. Es wird vermutet, dass es bereits im 11. Jahrhundert eine erste hölzerne Festung an dieser Stelle gegeben haben soll. Die Bischofsburg beherbergt heute ein Museum zur Geschichte der Insel.

Es gibt viele weitere interessante Orte zu entdecken. Im Norden der Insel liegt Angla. Hier stehen an windexponierter Stelle fünf der berühmten Windmühlen Saaremaas. Sie sind ein typisches Bild auf der Insel, von ihnen soll es einmal mehrere Hundert gegeben haben. Der Meteoritenkrater von Kaali entstand vermutlich vor 4.000 Jahren. Um ihn ranken sich zahlreiche Mythen. Und bei Viki ist der Bauernhof Mihkli zu besichtigen: Ein alter Hof mit Schmiede, Windmühle und Dorfschaukel gibt einen Einblick in das bäuerliche Leben der Vergangenheit.

Saaremaa und die Hauptstadt Kuressaare sind zudem, wie so viele Orte an der Westküste, für Kuraufenthalte bekannt. Schon 1840 wurde hier das erste Spa eröffnet. Noch heute ist es ein beliebter Ort für Kur- und Erholungsurlaub. Wer nach einem ereignisreichen Städtetrip nach Tallinn ein wenig die Seele baumeln lassen möchte, ist hier genau richtig.

Die Natur ist durch mildes Seeklima und einen kalkhaltigen Boden geprägt. Dies führt zu einer einzigartigen Pflanzen- und Tierwelt. Viele der hier vorkommenden Pflanzenarten stehen unter Schutz, dazu zählt der seltene Saaremaa-Klappertopf. Die Tierwelt wird von Vögeln dominiert, viele Zugvögel machen hier Rast. Auf Saaremaa befindet sich neben anderen Naturschutzgebieten auch der Nationalpark Vilsandi – ein Paradies für Vogelbeobachtung.

Die Anreise nach Saaremaa erfolgt in der Regel mit der Fähre vom estnischen Festland, es sind aber auch Flüge ab Tallinn möglich. Wer die Fähre mit dem Auto nutzen möchte, sollte dies vor allem in der Hochsaison, zu Kulturveranstaltungen und zum Johannistag vorab reservieren. Mit der Nachbarinsel Muhu ist Saaremaa über einen Damm verbunden, der erlaubt, zu Fuß, per Fahrrad oder Auto zu passieren.

Insel Hiiumaa

Mit nicht ganz 1.000 Quadratkilometern ist Hiiumaa die zweitgrößte Insel Estlands. Sie hat eine lange Geschichte: Vor etwa 455 Millionen Jahren entstand Hiiumaa durch eine Meteoritenexplosion, somit gehört sie zu den ältesten Inseln der Welt.

Kärdla ist die größte Ortschaft und Hauptstadt von Hiiumaa. Das grüne Erscheinungsbild und die ruhige Atmosphäre machen Kärdla zu einem hervorragenden Ort für Erholungsurlaub. Er kann bestens zu Fuß oder per Rad erkundet werden. Vor allem die hübsche Holzarchitektur in der Altstadt, die im schlichten Stil gehaltene Kirche und das Museum Pikk Maja zur Geschichte Hiiumaas sind sehenswert.

Bekannt ist Hiiumaa für seine Leuchttürme. In Köpu, Ristna und Tahkuna befinden drei Exemplare, die man besichtigen kann. Der massive, aus Stein erbaute Leuchtturm von Köpu blickt auf eine 500-jährige Geschichte zurück.

Ein Besuch des Hochmoores Määvli gibt einen Einblick in die Natur der Insel. Hier entspringt auch der Fluss Nuutri, der bei Kärdla ins Meer fließt. Neben den Feuchtgebieten prägen Wälder und natürlich die Küste mit ihren langen Sandstränden Hiiumaa. Viel Raum für Erholung und Naturerlebnis! Der flachen Topografie und der schönen Landschaft wegen ist Hiiumaa hervorragend für Radtouren geeignet. Es gibt verschiedene beschilderte Touren über die gesamte Insel.

Die Hiiumaa vorgelagerte Insel Kassari hat sich zu einem beliebten Urlaubsgebiet entwickelt. Hiiumaa ist per Fähre ab Rohuküla auf dem estnischen Festland oder per Flug zu erreichen. Es besteht auch eine Fährverbindung nach Saaremaa. Während besonders kalter Winter ist die Insel sogar über eine Eisstraße mit dem Festland verbunden.

Insel Muhu

Nur etwa 2.000 Menschen leben auf Muhu, der kleinen Insel, die zwischen Saaremaa und dem estnischen Festland eingeklemmt liegt. Muhu ist für (Kunst)Handwerk bekannt. Viele Einwohner zogen früher als Wanderhandwerker über das Festland und prägten die estnische Architektur mit. Zudem wurde und wird hier viel gewebt. Bettdecken und traditionelle Kostüme sind die bekanntesten Produkte, sie werden nach dem Weben hübsch bestickt. Interessant ist die hiesige Tradition, Holztüren bunt zu bemalen und mit Symbolen zu versehen.

Lahemaa Nationalpark

An der Nordküste Estlands, rund 40 Kilometer östlich von Tallinn, liegt der Lahemaa Nationalpark. Lahemaa heißt übersetzt soviel wie „Land der Buchten“ – und das verspricht nicht zu viel. Die Küstenlinie ist geprägt von unzähligen kleinen Buchten, einsamen Stränden, Findlingsfeldern und verträumten Fischerdörfern. Die Kalksteinküste macht etwa ein Drittel der Nationalparkfläche aus. Weiter im Landesinnern warten Hochmoore, einsame Kiefernwälder und schön hergerichtete Gutshöfe darauf, erkundet zu werden.

Der Lahemaa Nationalpark wurde bereits 1971 gegründet und ist damit der älteste Nationalpark Estlands sowie der ganzen Sowjetunion. Die Küstenlinie wurde wenig von Menschenhand beeinflusst, es handelte sich um Sperrgebiet. Alte Militärgebäude finden sich zum Beispiel noch an der nördlichsten Spitze der Halbinsel Käsmu.

Vier große Halbinseln gibt es insgesamt: Juminda, Vergi, Pärispea und Käsmu. Es sieht aus, als würden die Finger einer Hand ins Meer ragen. Sie wurden durch die letzte Eiszeit geschaffen. Gletscher dieser Eiszeit brachten außerdem die unzähligen Findlinge aus Skandinavien her, welche zuhauf am Strand und in den Wäldern verstreut liegen. Die meisten davon finden sich auf Käsmu. Die größten Brocken, verstreut auf den ganzen Park, erreichen Höhen von sieben Metern und Umfänge von über 30 Metern!

Die einsamen Wälder im Lahemaa Nationalpark sind Heimat vieler Säugetiere. Elche, Biber, Wildschweine, Luchse und sogar Bären kann man mit Glück antreffen. Sogenannte Alvare sind eine typische Landschaftsform: Auf dem kargen Kalksteinuntergrund kann sich nur eine dünne Boden- und Vegetationsschicht ausbilden. Auf diesem mageren Boden kommt eine ganz besondere Flora und Fauna vor. Wacholder und Heide sind typische Pflanzen, und das Windröschen blüht hier.

Es empfiehlt sich unbedingt ein Besuch des Fischerdorfes Altja im Osten des Parks. Hier ist die Zeit stehen geblieben. Ein kleiner Pfad führt an der Küste entlang, ein schöner Spaziergang. Eine ähnlich verträumte Atmosphäre herrscht im Kapitänsdorf Käsmu: Hübsche Holzhäuser, gepflegte Gärten, alles eingebettet in die einzigartige Küstenlandschaft – das gefällt!

Das Besucherzentrum des Lahemaa Nationalparks befindet sich in einem Gebäude des Gutshofes Palmse. Hier erhält man detaillierte Informationen über die Kultur- und Naturlandschaft. Ein Spaziergang durch den Park der Anlage lohnt sich allemal. Der Gutshof ist wunderbar restauriert, in einem Nebengebäude ist ein Hotel eingerichtet worden, und die alte Schnapsbrennerei ist heute ein empfehlenswertes, rustikales Restaurant. Alles in allem ist Palmse ein lohnender Ausflug.

Neben dem Gutshof Palmse gibt es im Lahemaa Nationalpark aber noch weitere sehenswerte Gutshöfe, etwa der von Sagadi oder der Gutshof von Kolga, heute ein Gästehaus mit angeschlossenem Restaurant. Das Gut von Sagadi wurde erstmals im 15. Jahrhundert erwähnt, das barocke Gebäude entstand im 18. und 19. Jahrhundert. Auch hier ist heute ein Hotel eingerichtet.

Besonders schön ist es, den Nationalpark per Rad zu erleben. Über die Halbinsel Käsmu zum Beispiel führen beschilderte Radwege. Aber auch die Straßen sind relativ wenig befahren und somit gut mit dem Rad nutzbar. Zudem sind Wanderwege markiert.

Soomaa Nationalpark

Sümpfe und Moore sind die prägende Landschaftsform im Soomaa Nationalpark, Soomaa heißt übersetzt auch „das Land der Moore“. Die unberührte Natur und der Landschaftsmix aus Wäldern, Hochmooren, überfluteten Wiesen, Flussauen und Gehölzwiesen erlauben einen faszinierenden Einblick in die Naturlandschaft Mittelestlands.

Der Nationalpark liegt im Südwesten des Landes, nahe der Stadt Pärnu. Das Besucherzentrum befindet sich in Körtsi-Töramaa. Soomaa ist für die „Fünfte Jahreszeit“ bekannt. Diese Zeit, der Übergang von Winter zu Frühling, bringt starke Überschwemmungen mit sich. Dann ist der Park unter Umständen nur eingeschränkt zugänglich, Töramaa etwa ist dann unter Umständen nur aus Richtung Köpu (von Süden kommend) per Auto zu erreichen.

Biber, Elche Luchse, aber auch Wölfe und Bären sind die Säugetierarten, die man in dem Park antreffen kann. Daneben gibt es – wie so oft in Estland – zahlreiche Vogelarten: Moorschneehuhn, Steinadler, Auerhahn, Birkhuhn und Doppelschnepfe, sie alle kann der ornithologisch interessierte Besucher entdecken.

Ein schöner Lehrpfad führt von Karuskose in Richtung Norden. Es geht durch Bruchwald, über freie Moorflächen, vorbei an tiefschwarzen Moorseen – ein herrlicher Spaziergang für etwa ein bis zwei Stunden. Ein Aussichtsturm erlaubt einen Rundumblick. Vorsicht: Die Straße nach Karukose bzw. zu dem Ausgangspunkt der Tour ist ein schmaler, befestigter Waldweg. Gegenverkehr, Nässe und eine nicht ganz zweifelsfreie Beschilderung können die Anfahrt erschweren.

Vilsandi Nationalpark

Der Vilsandi Nationalpark liegt auf Saaremaa, ganz im Westen der Insel. Die Küste macht einen Großteil des Parks aus. Entsprechend zählen Seevögel (z.B. Eiderente, Seeadler, Weißwangengans) zu der dominantesten Tiergruppe, die es zu beobachten gibt. Die Pflanzenwelt wartet mit 30 Orchideenarten auf. Hier blüht außerdem der seltene Saaremaa-Klappertopf, der vor allem in feuchten Niederungen gedeiht.

Das Besucherzentrum des Nationalparks befindet sich im Gutskomplex Loona. Hier informiert eine Ausstellung über die Meeresflora und -fauna, es können Fossilien besichtigt werden, im Sommer gibt es organisierte Wanderungen.

Matsalu Nationalpark

Auen- und Küstenwiesen, Röhricht, Wälder und natürlich die Küste sind die typischen Landschaftsformen des Matsalu Nationalparks. Diese und die brackige und seichte Bucht von Matsalu sowie der angrenzende See Väinameri sind der ideale Rastplatz für Zugvögel. Das Gebiet zählt zu den größten und wichtigsten Rastgebieten für Zugvögel auf ihrer Herbstreise. 275 Vogelarten wurden hier gezählt – ein Paradies für ornithologisch Interessierte! Gänse, Wasseramseln, Schwäne, Tauchenten, Tümpelsumpfhühner sind hier zu sehen. Hilfreich sind die dafür errichteten Beobachtungstürme, die sich unter anderem in Haeska, Penijõe, Kloostri und Keemu befinden. Das Besucherzentrum des Parks befindet sich auf dem Gutshof Penijõe im Süden des Nationalparks.

Interessant: In der nahegelegenen Stadt Lihula findet jedes Jahr im Herbst das Internationale Naturfilmfestival Matsalu statt.


Reiseinfos

Wer nach Estland reisen möchte, sollte sich vorab über Einreisebestimmungen, Anreisemöglichkeiten, Unterkünfte oder die Gesundheitsversorgung vor Ort kundig machen – die notwendigen Informationen haben wir daher hier zusammengetragen.

Anreise

Per Flug

Der größte internationale Flughafen liegt in Tallinn und heißt Lennart Meri Tallinn Airport. Zum Beispiel fliegen Air Baltic (u.a. ab Berlin, Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg mit Zwischenstopp in Riga), Lufthansa (über Frankfurt) oder Finnair (u.a. ab Hamburg, Berlin, Frankfurt, Stuttgart über Helsinki) Tallinn an. Auch LOT (über Warschau), SAS (über Stockholm oder Kopenhagen) und Ryanair bieten Verbindungen an.

Mit der Fähre

Durch die Lage am Meer ist Estland auch gut per Fähre zu erreichen. Fährverbindungen werden beispielsweise von Tallink, Viking Line * und Eckerö Line angeboten. Tallinn wird allerdings nur von Schweden, Finnland und Russland aus angefahren, direkte Verbindungen ab Deutschland gibt es nicht. Wer von Deutschland nach Tallinn per Schiff reisen möchte, muss einen Zwischenstopp in Helsinki einplanen. Die Passage von Travemünde oder Rostock nach Helsinki wird von Finnlines angeboten und dauert etwa 28 Stunden. Von dort geht es in zwei bis drei Stunden weiter nach Tallinn mit den Fährgesellschaften Tallink, Viking Line  oder Eckerö Line.

Wer noch weiter Richtung Osten reisen möchte: Es gibt eine Fährverbindung zwischen Tallinn und St. Petersburg. Die Fähre von Ventspils in Lettland auf die Insel Saaremaa in Estland von SSC Ferries wurde eingestellt.

Der Fährhafen von Tallinn liegt nur etwa zehn Minuten zu Fuß von der Altstadt entfernt. Es gibt drei Passagierterminals (A, B, D). Die Fähren der Reederei Tallink werden an Terminal D abgefertigt (An- und Abfahrt). Nähere Informationen auf der Internetseite des Tallinner Hafens.

Hier eine Kurzübersicht über die möglichen Fährverbindungen:
Helsinki – Tallinn: Viking Line, Tallink, Eckerö Line
Stockholm – Tallinn: Tallink
Travemünde – Helsinki: Finnlines
 

Über Land

Wer mit dem Auto oder dem Wohnmobil über Land nach Estland reisen möchte, muss über Polen, Litauen und Lettland (sowie unter Umständen über Kaliningrad) reisen und damit zahlreiche Grenzen passieren. Allerdings gehören alle Staaten (außer das Kaliningrader Gebiet) zum Schengen-Raum. Die „Via Baltica“ (E 67) führt von Prag über Breslau, Kaunas und Riga nach Tallinn und ist streckenweise sehr gut ausgebaut.Für die Anreise sollte man seinen Reisepass oder Personalausweis, den Fahrzeugschein und seinen Führerschein mit sich führen. Die Grüne Versicherungskarte wird dringend empfohlen, ebenso eine Vollmacht, wenn man nicht selber der Halter des verwendeten Fahrzeugs ist.Auf die estnischen InselnDie Anreise nach Saaremaa erfolgt in der Regel mit der Fähre vom estnischen Festland, es sind aber auch Flüge ab Tallinn möglich. Wer die Fähre mit dem Auto nutzen möchte, sollte dies vor allem in der Hochsaison, zu Kulturveranstaltungen und zum Johannistag vorab reservieren. Mit der Nachbarinsel Muhu ist Saaremaa über einen Damm verbunden, der erlaubt zu Fuß, per Fahrrad oder Auto zu passieren.Die Insel Hiiumaa ist per Fähre ab Rohuküla auf dem estnischen Festland oder per Flug zu erreichen. Es besteht auch eine Fährverbindung nach Saaremaa. Während besonders kalter Winter ist die Insel sogar über eine Eisstraße mit dem Festland verbunden.

Reisezeit

Estland ist ein Ganzjahresziel, so haben sowohl Sommer als auch Winter ihren Reiz. Während sich der Sommer vor allem für naturnahen Urlaub, Radreisen, Camping und Rundreisen anbietet, sind Herbst und Winter eine gute Zeit für Städtetrips oder Wintersporturlaube.

Von Juni bis August ist Hauptreisezeit, die Sommer sind warm und mild und besonders im Juni kann der Besucher die „Weißen Nächte“ bewundern. Dann geht die Sonne in Estland kaum unter, die Nächte bleiben dämmerig, vielerorts finden Festlichkeiten statt.

In den Sommermonaten bietet sich Estland vor allem für einen Urlaub in der Natur an: Als Radurlauber, Wanderer, Camper oder Naturbegeisterter gibt es dann viel zu entdecken. In dieser Zeit liegen auch die estnischen Sommerferien. Dennoch erscheinen die Urlaubsorte nie überfüllt. Nur eines gilt es zu bedenken: Der Sommer ist auch die Zeit der Mücken. Gerade für Urlaub in der Natur, vor allem in den Feuchtgebieten, gehört ein gutes Mückenschutzmittel ins Reisegepäck.

Frühling und Herbst sind gute Reisezeiten für jene, die von günstigen Flug- und Fährpreisen bzw. Hotelangeboten profitieren möchten und denen wechselhaftes Wetter nicht allzu viel ausmacht. Die Übergangsjahreszeiten sind deutlich kühler als bei uns, das Naturerlebnis wird davon aber kaum getrübt.

Und im Winter? Estland wartet mit guten Bedingungen für Wintersport auf, auch wenn man dies aufgrund der flachen Landschaft kaum erwarten mag. Skifahren und Snowboarden ist in der Hügellandschaft rund um Otepää im Südosten möglich. Skilanglauf hat in Estland Tradition. Langlaufgebiete gibt es zum Beispiel in Ostestland in Kurtna oder in Kääriku bei Otepää. Und wer den Winter weniger aktiv genießen möchte, der kann als Städtereisender das schneeweiße Tallinn bewundern oder einen Wellnessurlaub mit Sauna und Co. im Baltikum verbringen.

Unterkünfte

Die Auswahl an Unterkünften bietet jedem etwas. So steht von einfachen Übernachtungsmöglichkeiten wie Campingplätzen oder Ferienhäusern bis zu hochklassigen Hotels die gesamte Palette bereit. Eine große Hotelauswahl zu günstigen Tagespreisen findet man u.a. auf der Seite von  „Baltic Hotels online“.  Bitte beachten Sie, dass dieser Link zu einer externen Internetseite führt. Wir haben keinen Einfluss auf den Inhalt und die Gestaltung der Internetseite sowie auf die Verarbeitung oder Speicherung der erhobenen Daten.

Wer naturnah reisen möchte, wird vielleicht Campingplätze als Unterkunft bevorzugen. Es gibt etwa 300 Campingplätze, viele davon liegen in den Nationalparks. Häufig kann man auf den Campingplätzen nicht nur mit Zelt und Wohnwagen bzw. -mobil unterkommen, oft werden auch kleine Hütten und Blockhäuser vermietet. Die Infrastruktur (Waschgelegenheiten, Grillplätze, Internet … allerdings keine Geschäfte wie etwa in Deutschland) ist meistens gut, oft steht sogar eine kleine Sauna zur Verfügung. Nähere Informationen zu Campingplätzen in Estland sowie eine Campingkarte finden Sie auf der Seite des estnischen Fremdenverkehrsamt. Bitte beachten Sie, dass dieser Link zu einer externen Internetseite führt. Wir haben keinen Einfluss auf den Inhalt und die Gestaltung der Internetseite sowie auf die Verarbeitung oder Speicherung der erhobenen Daten.

Wer mit kleinem Reisebudget unterwegs ist, aber nicht campen möchte, kann auf Ferienhäuser, Bed&Breakfast-Unterkünfte oder kleine Pensionen zurückgreifen. Das Angebot an Hotels reicht von kleinen Zwei- oder Drei-Sterne-Häusern bis zu erstklassigen Fünf-Sterne-Hotels, die keine Wünsche offen lassen.

Bekannt ist Estland für seine Guts- und Herrenhäuser, die vielerorts liebevoll restauriert und zu komfortablen Hotels ausgebaut wurden. Sie liegen oft eingebettet in eine schöne (Park)Landschaft. Diese besonders stilvolle Art der Übernachtung ist zum Beispiel im Hotel Vihula Manor im Lahemaa Nationalpark oder in der Ammende Villa im Seebad Pärnu möglich.

Gesundheit

Wer nach Estland reist, sollte vorab sicherstellen, dass er bereits die Europäische Versicherungskarte besitzt. Dennoch sind vor Ort unter Umständen Zusatzzahlungen zu leisten, sodass sich der Abschluss einer meist sehr kostengünstigen privaten Auslandsreisekrankenversicherung empfiehlt. Nähre Informationen finden Sie auf der Seite der ERV.  Bitte beachten Sie, dass dieser Link zu einer externen Internetseite führt. Wir haben keinen Einfluss auf den Inhalt und die Gestaltung der Internetseite sowie auf die Verarbeitung oder Speicherung der erhobenen Daten.

Die Gesundheitsversorgung ist in Estland gut, wobei das Angebot an Apotheken und Krankenhäusern auf dem dünn besiedelten Land natürlich deutlich kleiner ist als in den Städten. Wer naturnah und in abgelegene Gebiete reist, sollte sich also vorab mit den nötigsten Medikamenten eindecken. Daneben gehört auch ein guter Mücken- und Zeckenschutz in die Reiseapotheke. Urlauber sollten über eine Impfung gegen die durch Zecken übertragbare Krankheit FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) nachdenken und sich dazu vom Hausarzt beraten lassen.

Einkaufen/Souvenirs

Unbedingt sollte man sich ein schönes Souvenir von seiner Estland-Reise mitbringen. Beliebt sind Handarbeiten aus Holz, Wolle und Leinen, Keramik sowie der Kräuterschnaps Vana Tallinn. Es wird außerdem viel Bernstein verkauft, allerdings stammt dieser häufig gar nicht aus Estland, sondern aus Litauen.

Es lohnt sich über die Märkte zu streifen. Besonders in Tallinn kann man sehr ansprechende Souvenirs kaufen. Auf dem Wollmarkt an der Stadtmauer (Mürrivahe) werden an Ständen Wollartikel, aber auch Handwerk aus Holz feilgeboten. Auch die nahegelegene Katharinengasse lohnt einen Abstecher. Daneben gibt es in der Stadt viele ansprechende Geschäfte, die Woll- und Leinenartikel, Töpfer- und Lederwaren, Kunst und, und, und verkaufen. Neben diesen traditionellen Produkten bietet Tallinn aber auch ein großes Angebot an modernen Boutiquen. Baltman, Bastion oder Ivo Nikkolo sind die Namen estnischer Designer-Geschäfte, die es zu besuchen lohnt. Ein großes Shopping-Center liegt außerhalb der Stadtmauer an der Viru väljak.

Straßenverkehr

Die Straßenverhältnisse in Estland sind gut, wenngleich in abgelegenen Regionen die Straßen nicht unbedingt „deutschem Standard“ entsprechen. Während zum Beispiel die „Via Baltica“ (E 67) von Tallinn in Richtung Lettland/Riga bestens ausgebaut (und stark befahren) ist, sind manchmal kleine Küstenstraßen sowie Pisten in abgelegenen Gebieten oder entlang des Peipussees etwas schmal und holperig.

Als Geschwindigkeitsbegrenzung gelten 50 km/h in Städten und bewohnten Gebieten sowie 90 bis 100 km/h auf Schnellstraßen und Autobahnen. Benzin ist relativ günstig und flächendeckend erhältlich, viele Tankstellen sind 24 Stunden geöffnet. Das Fahren mit Abblendlicht ist vorgeschrieben, ebenso das Fahren mit Winterreifen zwischen dem 1. Dezember und dem 1. März. Es herrscht Anschnallpflicht. Das Telefonieren während der Fahrt ist verboten, in dem Fall muss eine Freisprecheinrichtung verwendet werden. Achtung: In Estland gilt die Null-Promille-Grenze!

Estland ist ein tolles Land für eine Rundreise, so kann man Natur- und Kulturerlebnis verbinden. Wer gerne individuell reist, sollte eine Mietwagenrundreise buchen.

Barrierefreiheit

Für Menschen mit körperlichen Behinderungen kann ein Urlaub in Estland schwierig sein. Estland ist zwar auf dem Weg, diesen Umstand zu verbessern und Hotels oder öffentliche Gebäude behindertenfreundlich zu gestalten, zudem sind die Esten sehr aufgeschlossen und hilfsbereit, aber vor allem ein Städtetrip nach Tallinn kann sich als schwierig erweisen. Die Altstadt von Tallinn ist von Kopfsteinpflaster sowie hohen und schmalen Bordsteinen geprägt, es gibt viele Stufen oder Anstiege. Menschen mit Gehbehinderungen oder im Rollstuhl, aber auch Familien, die mit dem Kinderwagen unterwegs sind, sind hier eingeschränkt. Zudem sind Busse bzw. Straßenbahnen häufig nicht zugänglich. Aber: Der Flughafen, der Hafen und viele Museen sind barrierefrei gestaltet.

Tipp: Auf der Internetseite des estnischen Fremdenverkehrsamtes *  finden sich Informationen über die Barrierefreiheiten in Estland.

 

* Bitte beachten Sie, dass dieser Link zu einer externen Internetseite führt. Wir haben keinen Einfluss auf den Inhalt und die Gestaltung der Internetseite sowie auf die Verarbeitung oder Speicherung der erhobenen Daten.


Estland für...

Estland ist zwar gerade einmal so groß wie Niedersachsen, aber der Reichtum an unterschiedlichen Landschaften und die Vielfalt an interessanten Städten und sehenswerten Orten ist schier unglaublich. So vielfältig das Reiseziel Estland ist, so unterschiedlich sind auch die Interessen, die von dem kleinen baltischen Staat angesprochen werden. Die Erwartungen von Geschichts- und Naturinteressierten werden hier ebenso erfüllt, wie jene von Radurlaubern, Familien oder Campern.

Kultur- und Geschichtsinteressierte

Keine Frage: Wer auf den Spuren der Geschichte wandeln möchte, der wird in Estland auf Schritt und Tritt fündig. Das Land hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Die sehr gut erhaltene architektonische Substanz verschiedener Epochen und die ausgeprägte Nationalkultur mit ihren noch gelebten Traditionen spiegeln dies deutlich wider.

Die Zeit der Christianisierung durch den Deutschen Orden und den Schwertbrüderorden zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert ist erkennbar in den teils sehr gut erhaltenen, massiven Ordensburgen. Rakvere (Wesensberg), die ehemals sehr mächtige Burg von Viljandi, die heute nur noch als Ruine erhalten ist, oder die Hermannsfeste von Narva sind sehenswerte Zeitzeugen. Die Burgen beherbergen häufig ein Museum zur Burggeschichte und sind Schauplatz von „mittelalterlichen“ Festen und Veranstaltung, die Geschichte erlebbar machen. Der Deutsche Orden und der Schwertbrüderorden haben in Estland eine Zeit geprägt, die von Kämpfen bestimmt und grausam war. Ein Blick in die Folterkammern der Burg von Rakvere lässt den Besucher erschaudern.

Gutshäuser sind ein weiteres architektonisches Wahrzeichen der Geschichte Estlands. Sie sind allgegenwärtig und stehen für eine Zeit, als hier viele Deutschbalten lebten. Palmse, Sagadi, Kolga und Pädaste auf der Insel Muhu sind gute Bespiele für heutzutage meist schön restaurierte Anwesen, die mittlerweile oft Museum, Restaurant, Hotel oder Besucherzentrum eines Nationalparks sind. Die Blütezeit der Gutshöfe lag im 18. Jahrhundert. Klassizistische und barocke Gebäude, aber auch Häuser im Jugendstil liegen über ganz Estland verteilt. Ihr Niedergang begann mit den Aufständen in Russland 1905. Mit der Bodenreform 1919 und der Enteignung der Gutsbesitzer war ihre Zeit letztendlich vorbei. Viele der ursprünglich mehr als 1.000 Höfe verfielen.

Es lohnt sich, auf den Spuren der Gutshöfe zu reisen und sich Zeit für die wichtigsten Anwesen zu nehmen. Auf einer Rundreise, buchbar etwa über den Baltikum-Spezialisten Schnieder Reisen, kann man die schönsten Guts- und Herrenhäuser erkunden und gänzlich auf sich wirken lassen.

Eine weitere bedeutende Phase stellt die Sowjetzeit dar. Das Okkupationsmuseum in Tallinn ist Pflichtprogramm eines jeden Geschichtsinteressierten, anschaulich wird hier die Fremdherrschaft  zwischen 1940 und 1991 präsentiert. Wer sich für die Sowjetgeschichte interessiert, kann sich außerdem in Tallinn auf „Sowjet- und Militärtour“ begeben. Ein Museum zur KGB-Geschichte, das Okkupationsmuseum und die Seefestung Patarai mit den durch die Sowjets genutzten Gefängnisräumen stehen auf dem Programm. Nähere Informationen dazu auf der Seite des estnischen Fremdenverkehrsamt. Bitte beachten Sie, dass dieser Link zu einer externen Internetseite führt. Wir haben keinen Einfluss auf den Inhalt und die Gestaltung der Internetseite sowie auf die Verarbeitung oder Speicherung der erhobenen Daten.

 

Naturfreunde

In fünf Nationalparks und zahleichen Natur- und Biosphärenreservaten kann der naturinteressierte Urlauber Tiere beobachten und seltene Pflanzen entdecken.

Die Landschaft Estlands ist äußerst vielseitig. Moore und Feuchtgebiete, Wälder, Wiesen und Küste sind die prägnantesten Landschaftsformen. Etwa die Hälfte Estlands ist bewaldet, 20 Prozent der Landesfläche ist von Mooren geprägt, mehr als 3.500 Kilometer Küste bieten einen Lebensraum für eine maritime Tier- und Pflanzenwelt. Ein Viertel des Landes steht unter Naturschutz!

Der Soomaa Nationalpark in Westestland bringt Naturfreunden auf einem mehrsprachig beschilderten Naturlehrpfad den Lebensraum Moor näher, ein Aussichtsturm erlaubt einen schönen Rundblick.

Im Lahemaa Nationalpark steht die Küste im Vordergrund, aber auch tiefe Nadelwälder, Findlingsfelder und Kalkwiesen vereinen sich in dem Park.

Der Matsalu Nationalpark an der Westküste ist ein Mekka für Vogelkundler, er beherbergt zahlreiche Brut- und Zugvögel. Im Frühjahr machen diese – aus Süden kommend – hier Rast, im August treten sie den umgekehrten Weg an. Die beste Zeit für Vogelbeobachtungen ist Mitte Mai, dann erreicht der Vogelzug seinen Höhepunkt.

Naturinteressierte werden sicher eine Unterkunft bevorzugen, die einen guten Ausgangspunkt für Wanderungen und Entdeckungstouren bietet. Campingplätze sind dafür gut geeignet, oft liegen sie inmitten der Reservate. Auch die Gutshöfe etwa im Lahemaa Nationalpark (Palmse oder Sagadi) sind ein guter Ausgangspunkt, ebenso wie Ferienhäuser, Bed&Breakfast-Unterkünfte oder kleinere Hotels.

Radurlauber

Gute Nachrichten für Radler: Estland ist äußerst flach, der Verkehr überschaubar, die Landschaft sehenswert. Kurzum: Das Land ist perfekt geeignet für einen Radurlaub.

Zahlreiche Sehenswürdigkeiten liegen eingebettet in eine vielseitige Landschaft, die es zu erradeln lohnt. Dabei ist der Weg das Ziel. So gelangt der Urlauber per Rad an Orte, die man sonst kaum ansteuern würde. Man nähert sich dem Land auf Augenhöhe, hat Gelegenheit, mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen und kann beim Radeln die Natur ausgiebig genießen.

Dabei ist eine Sternfahrt mit immer festem Ausgangs- und Übernachtungsort genauso möglich wie eine Radreise über große Distanz mit wechselnden Unterkünften. Für ambitionierte Radurlauber mit viel Zeit bietet sich die „EuroVelo-Route 10“ an. Sie verläuft von Lettland über Tallinn entlang der Ostsee bis nach St. Petersburg. Wer möchte, kann sich passend zur gewünschten Distanz den schönsten Streckenabschnitt auswählen.

Die „Tour de LatEst“ verläuft über fast 1.300 Kilometer durch Nordlettland und Südestland. Valga, Tartu und Viljandi sind unter anderem Stationen, zahlreiche Sehenswürdigkeiten liegen entlang der Strecke. Aber eines gilt es zu beachten: Einige Streckenabschnitte sind nicht asphaltiert, die Schotterwege können bei starkem Regenwetter schlecht befahrbar sein.

Fahrräder kann man sich an vielen Stellen in Estland leihen. Gleiches gilt für Kindersitze und Sicherheitsausrüstung. Kinder unter 16 Jahren müssen in Estland einen Fahrradhelm tragen. Außerdem sind Reflektoren beim Fahren auf Landstraßen Pflicht. Tipp: Denken Sie an einen guten Regen- und Mückenschutz, gerade wenn Sie vorwiegend in der Natur unterwegs sind!

Verschiedene Reiseveranstalter organisieren Radurlaube in Estland. Beim Baltikum-Spezialisten Schnieder Reisen zum Beispiel ist eine Reise buchbar, bei der die Urlauber von ihrer Unterkunft auf einem Gutshof im Lahemaa Nationalpark mehrere eintägige Touren in der näheren Umgebung unternehmen können.

Nähere Informationen zu Radurlaub gibt es auch auf der Seite des estnischen Fremdenverkehrsamt. Bitte beachten Sie, dass dieser Link zu einer externen Internetseite führt. Wir haben keinen Einfluss auf den Inhalt und die Gestaltung der Internetseite sowie auf die Verarbeitung oder Speicherung der erhobenen Daten.

Aktive

Ein Land mit einer so vielseitigen Naturlandschaft bietet natürlich eine schöne Szenerie für verschiedenste Aktivitäten an der frischen Luft. Wintersportler können sich in Südostestland rund um Ottepä bei Langlauf und Abfahrtsski austoben. Radbegeisterte Urlauber finden auf den wenig befahrenen Straßen und ausgeschilderten (Fern-)Radwegen im ganzen Land eine passende Route. Nähere Informationen zu Radurlaub finden Sie hier. 

Angesichts einer Küstenlinie von mehr als 3.500 Kilometern kommen Badegäste und  Wassersportler in Estland nicht zu kurz. Die Seebäder Pärnu oder Haapsalu sowie die kleineren Kurorte an der Nord- und Westküste sind tolle Ziele für Erholungs- und Badeurlaub. Die schönen und flachen Sandstrände mit Wassertemperaturen um 18 °C im Sommer ziehen besonders Familien mit Kindern an. Spiel- und Sportplätze, Restaurants – die Infrastruktur entlang der Strände ist auf Besucher ausgerichtet.

Windexponierte Orte sind ein Tummelplatz für Kitesurfer. In der Nähe des Yachthafens von Tallinn, in Pirita, jagen bei gutem Wind unzählige Kite- und auch Windsurfer übers Wasser. Auf Saaremaa, in Roosta bei Haapsalu und in Ristna auf Hiiumaa gibt es Surfschulen. Auch Segeln ist eine beliebte Sportart in Estland. Die Küste, die Inseln, aber auch die vielen Flüsse und Seen bieten genug Raum für kajak- und kanubegeisterte Urlauber. Die Flüsse in Nordestland fließen in der Regel langsam und gemächlich, sodass auch Familien mit Kindern bedenkenlos zum Paddel greifen können. An der Küste, rund um die unzähligen Inseln, kann die Strömung schon stärker sein, dieses Revier ist erfahrenen Kanuten vorbehalten. In den Nationalparks sind bei Kanu- oder Kajakfahrten interessante Tierbeobachtungen möglich. Der Soomaa Nationalpark ist dafür ein beliebtes Ziel.

Camper

Es gibt über ganz Estland verteilt etwa 300 Campingplätze. Hier kommen Urlauber mit Zelt, Wohnwagen oder Wohnmobil unter. Außerdem werden oft kleine Blockhütten vermietet, so dass man nicht unbedingt eine Campingausrüstung benötigt, um auf Campingplätzen zu übernachten. So kommt diese günstige Übernachtungsmöglichkeit auch bei einer Autorundreise ohne Zelt im Kofferraum in Betracht.

Beim Campen ist das Naturerlebnis inklusive. Viele der Zeltplätze liegen inmitten der Nationalparks. Die Plätze sind manchmal recht „rustikal“, haben aber meistens mit Toiletten- und Duschhäuschen, Waschmaschinen, Wasserver- und -entsorgung, Grillplätzen, Internet etc. eine sehr gute Infrastruktur. Oft steht sogar – typisch estnisch – ein kleines Saunahaus zur Verfügung. Im Unterschied zu Campingplätzen in anderen Ländern gibt es in Estland allerdings, wie im ganzen Baltikum, selten einen dem Platz angeschlossenen Laden zur Lebensmittelversorgung.

Ein schöner Campingplatz für einen Aufenthalt im Lahemaa Nationalpark ist der Platz Lapispea bei Vösu. Hier ist viel Platz für Wohnmobile und Zelte, außerdem werden kleine Hütten vermietet. Am nördlichen Ende des Peipussees liegen im Wald zahlreiche Möglichkeiten, Blockhütten zu mieten. Hier ist man richtig, wenn man Ruhe, Naturerlebnis und Abgeschiedenheit sucht. Wer stadtnah bei Tallinn unterkommen möchte, der kann sich mit Wohnmobil und Wohnwagen in den Yachthafen von Pirita stellen. Für Zelte gibt es etwas Grünfläche, die allerdings nicht vor dem hier oft kräftigen Wind geschützt ist. Die Duschgelegenheiten im nahegelegenen Sportclub können gegen Gebühr genutzt werden. Nicht unbedingt idyllisch (vom tollen Blick auf Segelschiffe und Stadt einmal abgesehen), aber sehr praktisch gelegen.

Nicht alle Plätze sind das ganze Jahr über geöffnet, dies sollte unbedingt vorab geklärt werden. Eine Campingplatzübersicht * gibt es beim estnischen Fremdenverehrsamt.



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Familien

Die Esten sind ein kinderfreundliches Volk. Vielerorts finden sich Spielplätze am Strand, auf den Campingplätzen oder in den Städten, Kinderstühle in Restaurants sind üblich, kinderfreundliche Veranstaltungen, Museen und Abenteuerparks sind oft vorhanden – selten hat man den Eindruck, dass nicht an Kinder gedacht wird. Aber auch unabhängig von der gebotenen Infrastruktur ist das dünn besiedelte Land mit relativ wenig Verkehr, den flachen Sandstränden und zahlreichen Möglichkeiten zur Betätigung in der freien Natur (Fahrrad, Kanu, Baden) einfach ein sehr gutes Familienreiseziel.

Tipp: Gerade bei einem Städtebesuch kommen die Kleinen nicht immer auf ihre Kosten. Deswegen sollte man sich einen kinderfreundlichen Ausgleich überlegen. In Tallinn im Park von Kadriorg gibt es einen großen Spielplatz und zudem ein Spielhaus für Kinder. Hier kann man Station machen, wenn den Kleinen nach der Stadtbesichtigung langweilig ist. Ganz in der Nähe Tallinns liegt außerdem der Themenpark Vembu-Tembumaa, der im Sommer mit Gokarts und Wasserspaß lockt.

In Tartu befindet sich nahe dem Domberg das Spielzeugmuseum, das Groß und Klein begeistern wird. Hier wird auch ans Mitmachen gedacht: Es gibt ein Spiel- und Bastelzimmer.

Erholungssuchende

Eine unberührte Natur, frische Seeluft und zahlreiche Seebäder bieten Erholungssuchenden einen guten Rahmen für einen Urlaub zum Durchatmen. Wer ausspannen möchte, ist hier richtig. Stress und Hektik: In Estland Fehlanzeige. Stattdessen kann man auf Spaziergängen und Wanderungen die Natur in vollen Zügen genießen. Kur- und Spa-Hotels offerieren eine große Palette vom Wellness-Urlaub bis zum medizinischen Kuraufenthalt. Und dies zu einem günstigen Preis-Leistungs-Verhältnis.

Bereits seit Anfang des 19. Jahrhunderts sind viele Orte Estlands als Kurorte bekannt geworden. Heilschlammbehandlungen haben eine lange Tradition. Schon die Zarenfamilie wusste dies zu schätzen. So wurde in Haapsalu eigens ein Bahnhof im Auftrag des Zaren errichtet und so die Anreise mit dem Zug ermöglicht. Auch der russische Komponist Peter Tschaikowski wusste den Erholungswert des Ortes zu schätzen. Heute gibt es hier einige sehr gute Wellness-Hotels. Auch in Pärnu hat sich die Tradition gehalten, der charmante Ort ist noch immer beliebt für Kur- und Erholungsurlaub.

Saaremaa ist ein ebenfalls beliebtes Ziel für jene, die ausspannen möchten. Hier tickt die Uhr langsamer. In Kuressaare gibt es hervorragende Spa-Hotels wie etwa das Grand Rose Spa Hotel, das Rüütli oder das Georg Ots Spa Hotel.

Ansonsten ist natürlich auch Tallinn oder, weiter im Osten, Narva-Jöseuu für Kur- und Erholungsurlaub bekannt. Aber auch in anderen Orten entlang der gesamten Küste Estlands kann man wunderbar ausspannen.

Tipp: Ein Aufenthalt außerhalb der Hochsaison ist deutlich günstiger, auch im Herbst oder Winter ist eine Wellness-Urlaub ein erholsames Erlebnis.


Typisch Estland

Kleine Besonderheiten machen ein Reiseziel häufig aus und erlauben einen tiefen Einblick in Gesellschaft, Kultur und Geschichte. Die Küche Estlands etwa zeigt auf, von wie vielen Nationen das Land im Laufe der Geschichte beeinflusst wurde, finden sich doch deutsche, russische und skandinavische Einflüsse auf den Speisekarten. Die vielen Findlinge an den Stränden geben einen Hinweis auf die Naturgewalten, welche die Region im Laufe der Erdgeschichte geprägt hat. Und das Sängerfest steht für die nationale Identität und der Kampf für die Unabhängigkeit – ein bedeutender Aspekt der estnischen Geschichte.

Kulinarik

In Estland kann man sehr gut essen. Es gibt zahlreiche erstklassige Restaurants, aber auch die einfache, bodenständige Küche ist schmackhaft. Beeinflusst wurde sie durch deutsche und russische, aber auch skandinavische Elemente. Gewürzte Sprotten, geräucherter Fisch, Schweinefleisch, Eintöpfe, Kartoffeln, Milchprodukte und Brot finden sich auf den Speisekarten.

Deftig ist sie, die traditionelle estnische Küche. Klassische Gerichte heißen Mulgikapsad (Schweinefleisch mit Sauerkraut und Salzkartoffeln), Suitsulõhe (Räucherlachs), Sült (gekochtes Schweinefleisch in Aspik) und Verivorst (Blutwurst mit Gerste). Als Nachtisch wird Kissell (gesüßter Saft oder Milch auf Beeren) oder Rhabarberkuchen gereicht.

Besonders in Tallinn ist die deftige Küche allgegenwärtig: Viele Restaurants greifen das mittelalterliche Thema auf und servieren kräftige Fleischgerichte wie Wildschweinbraten oder in Bier mariniertes Schweinefleisch, dazu wird Kräuter- oder Honigbier serviert.

Regionale Produkte spielen ebenfalls eine große Rolle. Im Sommer werden Beeren und Waldpilze gesammelt und verarbeitet. Geräucherter Fisch wird an Straßenständen entlang der Küste und des Peipussees verkauft.

Beliebte alkoholische Getränke sind Bier und Wodka. Der estnische Kräuterschnaps Vana Tallinn ist ein klassisches Souvenir.

In den größeren Supermärkten sind auch Bio-Lebensmittel erhältlich, der Preis liegt aber deutlich über dem deutschen Niveau.

Gutshöfe

Guts- und Herrenhäuser sind architektonische Wahrzeichen Estlands. Sie sind vor allem im Norden des Landes allgegenwärtig und stehen für eine Zeit, als hier noch viele Deutschbalten lebten. Die Ursprünge der Gutshöfe reichen bis ins Mittelalter zurück, als durch den Orden errichtete Landgüter, ihre wahre Blütezeit begann aber erst im 18. Jahrhundert.

Klassizistische und barocke Gebäude, aber auch Häuser im Jugendstil liegen über ganz Estland verteilt. Häufig handelt es sich um einen großen Gebäudekomplex, bestehend aus dem Haupthaus und zahlreichen Wirtschaftsgebäuden, Schnapsbrennereien, Orangerien, Kavaliershäusern usw.

Der Niedergang der Gutshöfe begann mit den Aufständen von 1905 – Adelige wurden vertrieben und getötet, einige Herrenhäuser niedergebrannt – und endete mit der Zeit des Ersten Weltkriegs und der Bodenreform von 1919. Gutsbesitzer wurden im Zuge der staatlichen Neubildung enteignet. Viele der ursprünglich mehr als 1.000 Höfe verfielen.

Die Gutshöfe von Vihula, Palmse, Sagadi, Kolga und Pädaste auf der Insel Muhu sind gute Bespiele für heutzutage meist schön restaurierte Anwesen, die nun häufig Museum, Restaurant, Hotel oder Besucherzentrum eines Nationalparks sind. Gerade Palmse im Lahemaa Nationalpark ist ein Aushängeschild und unbedingt einen Besuch wert. Schon zu Sowjetzeiten wurde an der Erhaltung des Gebäudes gearbeitet – ein seltener und glücklicher Umstand. Eine Übernachtung oder auch einen ganzen Urlaub auf einem Gutshof zu verbringen, ist eine stilvolle Variante, in die estnische Geschichte einzutauchen. Zumal sie häufig in eine wunderschöne Landschaft eingebettet liegen.


Sängerfest

Die Sängerfeste (auf Estnisch „Laulupidu“) sind ein Ausdruck nationaler Eigenständigkeit und Identität und nicht wegzudenken aus der estnischen Kultur, außerdem zählen sie seit einiger Zeit zum UNESCO-Weltkulturerbe. Schließlich wurde das Land durch die „Singende Revolution“ auf weitgehend friedlichem Wege unabhängig von der Sowjetunion. 1988 versammelten sich mehr als 300.000 Menschen auf dem Sängerfestplatz in Tallinn, um für ihre politische Eigenständigkeit einzustehen. Im Sommer 1990 kamen fast eine halbe Millionen Esten zusammen, um singend ihre Unabhängigkeit zu fordern. Mit Erfolg, das Ergebnis ist allseits bekannt: 1991 wurde Estland offiziell unabhängig.

Das erste Sängerfest fand 1869 in der Universitätsstadt Tartu statt, damals sangen die Esten zum ersten Mal für ihre Unabhängigkeit. In der Stadt gibt es heute ein Sängerfestmuseum, in dem die Geschichte dieser Veranstaltung aufgearbeitet wird. Ein Gedenkstein an der Narva maantee erinnert an den historischen Tag 1869.

Seit 1928 verwandelt sich der Sängerfestplatz in Tallinn alle fünf Jahre zu einer Bühne für ein Musikfestival nach altem Brauchtum. Tausende Menschen pflegen die Tradition und drücken damit ihr nationales Bewusstsein aus. Die Liedermuschel der Bühne wurde in den 1950er-Jahren errichtet. Etwa 500.000 Menschen können auf den Zuschauerplätzen den Chören lauschen. Beim letzten Sängerfest 2009 waren viele tausend Künstler beteiligt. Das nächste findet erst wieder 2019 statt.

Findlinge

Estland wurde durch die Eiszeiten geprägt, große Teile der Nordhalbkugel lagen unter Eis. Gletscher der letzten Eiszeit transportierten unzählige Findlinge aus Skandinavien her, welche zuhauf am Strand und in den Wäldern Estlands verstreut liegen. Viele dieser „skandinavischen Immigranten“ finden sich auf Käsmu. Die größten Brocken, verstreut auf den ganzen Park, erreichen Höhen von sieben Metern und Umfänge von über 30 Metern!

Die über das ganze Land verteilten Findlinge sollen der Legende nach auf den Riesen Kalevipoeg zurückgehen. Dem estnischen Mythos nach hat er die Landschaft geformt. Die Findlingsfelder entstanden, weil er die riesigen Steine nach seinen Gegnern warf.

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